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Nun meldet sich auch der Hausarztverband des Vogelsbergkreises zu Wort und spricht über eine "besorgte Entwicklung der stationären gesundheitlichen Versorgung in Lauterbach - insbesondere im Bereich der nicht operativen Medizin".  - Symbolbild: Pixabay

LAUTERBACH Unruhe und Instabilität befürchtet

Hausärzteverband ist "besorgt" über Situation am Eichhof Krankenhaus

07.01.22 - Das Lauterbacher Eichhof Krankenhaus ist derzeit in den Schlagzeilen: Mitarbeiter berichten über eine gestörte Arbeitsatmosphäre, zudem sei das Krankenhaus zum Jahreswechsel von einer Kündigungswelle betroffen. Besonders brisant ist der Weggang des Chefarztes für Innere Medizin und Kardiologie, Tobias Plücker zum 30. April 2022, der maßgeblich für das Corona-Management zuständig ist. Jetzt meldet sich auch der Hausärzteverband des Vogelsbergkreises zu Wort und zeigt sich "besorgt" über die aktuelle Situation. 

"Nicht nachvollziehbare Entscheidungen, undurchsichtige Strukturen, rüder Umgangston und miserable Kommunikation", sagt ein Insider unserer Redaktion und nennt Gründe für die gestörte Arbeitsatmosphäre. Mathias Rauwolf vom hauptamtlichen Vorstand kritisiert dieses Verhalten - die Aussagen würden den Tatsachen nicht entsprechen und ein falsches Bild vom Empfinden des Gesamtpersonals im Haus wiedergeben. Stiftungsratvorsitzender Dr. Gerhard Schlitt äußert sich zu den Kündigungen wie folgt: "Im Ergebnis haben von 50 im Krankenhaus beschäftigten Ärzten bisher zwei Chefärzte gekündigt. Davon ist bereits eine Chefarztstelle wieder nahtlos neu besetzt worden. Personelle Fluktuationen sind in allen Krankenhäusern üblich."

Vogelsberger Hausärzteverband befürchtet Unruhe und Instabilität

Einen Tag nach der Veröffentlichung unseres Artikels meldet sich nun auch der Hausarztverband des Vogelsbergkreises zu Wort und spricht über eine "besorgte Entwicklung der stationären gesundheitlichen Versorgung in Lauterbach - insbesondere im Bereich der nicht operativen Medizin". 

Wir veröffentlichen das Statement im Wortlaut:

"Wir befürchten, dass die Kündigung zweier leitendender Chefärzte viel Unruhe und Instabilität mit sich bringen wird und das während einer laufenden Pandemie (Corona).

Der daraus folgende personelle und strukturelle Umbau wird erhebliche Kraftanstrengungen von den verbleibenden Mitarbeitern fordern, zumal häufig der Weggang eines Chefarztes die Kündigung weiterer Ärzte nach sich zieht. Wenn aber gleich mehrere Leitungspositionen ersetzt werden müssen, befürchten wir, dass die Stabilität eines Krankenhauses dieser Größe gefährdet ist. Einer der beiden Chefärzte ist unter anderem hauptverantwortlich für die Versorgung der Covidpatienten und das Hygienekonzept des Krankenhauses gewesen.

Qualifizierten Ersatz auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt zu finden, ist sicherlich sowohl im ärztlichen Bereich als auch im pflegerischen Bereich nicht einfach. Es gehen zwei Chefärzte, die seit vielen Jahren eine gute Arbeit am Eichhofkrankenhaus leisten und sich mit der Region sowohl familiär als beruflich identifizieren.

Ein Großteil der niedergelassenen Hausärzte hat früher in den Krankenhäusern der Region gearbeitet. Natürlich erreichen uns über diese persönlichen Kontakte zu den Mitarbeiter:innen Stimmungen. Was uns in den Gesprächen mit Mitarbeiter:innen des Eichhof Krankenhauses besonders betroffen gemacht hat, ist die Verzweiflung und Perspektivlosigkeit, vermischt mit Wut und Trauer

Wenn wir die Entwicklung des Eichhof-Krankenhauses in den letzten Jahren betrachten, hat sich eine zunehmende Stabilisierung und breite Basis der medizinischen Versorgung dargestellt. Auch die Rückkopplung der Patienten war durchweg positiv. Der Umgang mit uns Hausärzten war vertrauensvoll und wertschätzend.

Wir als Verband machen uns große Sorgen bezüglich der weiteren regionalen Versorgung unserer Patienten, der Bevölkerung des Vogelsbergkreises. Wir befürchten, dass der internistische Bereich und damit der Bereich der akuten Notfallversorgung (Herzinfarkt etc.) zugunsten der Abteilungen mit operativem Schwerpunkt zurückgefahren wird.

Was passiert, wenn es nicht bei der Kündigung zweier Chefärzte bleibt, sondern der beschriebene Unmut dazu führt, dass weitere kompetente Ärzte und Pfleger das Eichhof-Krankenhaus verlassen? Aus unserer Sicht sollten alle Anstrengungen unternommen werden, dieses zu vermeiden. Aufgefordert dies zu tun sind wir alle. Es wäre aus unserer Sicht wünschenswert gemeinsame Gespräche zu führen. Letztendlich trägt der Stiftungsrat Verantwortung für die Entwicklung des Krankenhauses und damit für die medizinische Versorgung des Bereichs Lauterbach.

Wir alle, Ärzte, Mitglieder des Stiftungsrates des Eichhofkrankenhauses, hauptamtlicher Vorstand, Kommunalpolitiker oder "einfache" Bürger, müssen ein gemeinsames Ziel haben: Die breite Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung im Bereich Lauterbach." (ld/pm) +++


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