Seit 1991 wird jährlich das "Unwort des Jahres" gekürt. In diesem Jahr hat sich die Jury für den Begriff "Pushback" entschieden. - Fotos: Lea Hohmann

REGION "Sprachpolizei" auf Platz zwei

"Pushback" als Unwort des Jahres 2021 gekürt

12.01.22 - "Pushback" ist das Unwort des Jahres 2021 - das entschied die Jury des Instituts für Germanistische Sprachwissenschaft der Marburger Universität am Mittwoch. Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie "zurückdrängen" oder "zurückschieben". Im Migrationsdiskurs bezeichne es, Flüchtende an der Grenze zurückzuweisen und den Grenzübertritt zu verhindern. Das Wort beschönige dabei einen menschenverachtenden Prozess und verschweige laut der Marburger Jury die Gewalt an Flüchtenden.

Der Begriff gehe darauf zurück, Flüchtenden die Möglichkeit zu nehmen, das Menschen- und Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen, meint die Jury. Menschen auf der Flucht werde damit ein faires Asylverfahren vorenthalten. "Mit dem Gebrauch des Ausdrucks werden zudem die Gewalt und Folgen wie Tod, die mit dem Akt des Zurückdrängens von Migrant:innen verbunden sein können, verschwiegen", hieß es. Die Jury übte Kritik an der unreflektierten Nutzung des Wortes in den Medien.

Der Ausdruck "Sprachpolizei" landete auf dem zweiten Platz.

"Sprachpolizei" landet auf Platz zwei

Der zweite Platz ging an den Ausdruck "Sprachpolizei". Er diffamiere laut Jury Personen, die sich für einen angemessenen und gerechteren Sprachgebrauch einsetzen. Auf dem dritten Platz landete eine Vielzahl von Ausdrücken, die Vergleiche mit dem Nationalsozialismus schaffen, beispielsweise "Impfnazi" oder "Ermächtigungsgesetz" anstelle von Infektionsschutzgesetz.

Unter den eingereichten Wörtern hätte es zahlreiche Begriffe gegeben, die von Impfgegnern verwendet werden und "völlig unzulässig eine Ähnlichkeit zwischen Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie und der nationalsozialistischen Diktatur nahe legen", teilte die Jury mit.

Über 1.300 Einsendungen

Mit der Aktion soll auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam gemacht und auf diese Weise sensibilisiert werden. Seit 1991 findet die Kürung des "Unwortes statt". Insgesamt seien in diesem Jahr etwa 1.300 Einsendungen mit Wortvorschlägen eingegangen, davon hätten 45 den Kriterien entsprochen.

Die "Unwörter" der Vorjahre waren zuvor in Darmstadt präsentiert worden. Durch einen Wechsel in der Jury zog die Bekanntgabe in diesem Jahr an die Uni Marburg um. (Lea Hohmann) +++


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