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Bürgermeister Erwin Horst eröffnet die Ausstellung von Menschen und Mäusen. - Fotos: Dieter Graulich

Fallen, mit denen "ertränkt", "erschlagen", "erwürgt", "geklebt", "erstochen", elektrisiert", „lebend gefangen" und „vertrieben“ wurde.

16.06.09 - Ulrichstein

Unerschöpflicher Erfindungsreichtum beim Bau von Mausefallen - Ausstellung

"Menschen und Mäuse" - schon der Titel dieser Ausstellung weißt darauf hin, dass es sich nicht um eine Kunstausstellung handelt, wenn gleich auch einige Fallenexponate durchaus auf eine künstlerische und kreative handwerkliche Begabung schließen lassen“, so Bürgermeister Erwin Horst am Samstagnachmittag im „Museum im Vorwerk“. Mit dieser teils kulturgeschichtlichen, teils naturgeschichtlichen Ausstellung, knüpfe das Museum im Vorwerk an seine bewährte Tradition an, durch interessante Sonderausstellungen die Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung mehrfach im Jahr zu einem Besuch in das Museum zu locken.

„Die Maus in der Kulturgeschichte, das ist eine problematische Geschichte. Auf der einen Seite steht die Maus, auf der anderen Seite steht der Mensch mit seinen Vorräten an Getreide und ähnlichem. Die Maus will die Vorräte, der Mensch will sie sich nicht nehmen lassen. Und aus diesem Spannungsfeld, setzt sich im Wesentlichen die heutige Ausstellung zusammen“ so das Stadtoberhaupt. Mäuse seien eine Plage. Sie lebten unter Fußbodenbrettern, in Wänden und hinter Heißwasserboilern. Sie zernagten Holz und Kabel, fressen Lebensmittel und hinterlassen unschöne Mäuseköttel auf dem Teppichboden.

Das vielleicht größte Übel, seien jedoch die Geräusche: Unzählige Menschen würden nachts von Mäusetrippeln und -rascheln um ihren Schlaf gebracht. Auch in unserer modernen Zeit sei es nahezu unmöglich, ein Gebäude nagetiersicher zu machen. Mäuse sind in der Lage, sich durch nur einen Zentimeter große Spalte zu quetschen. Sie könnten 30 Zentimeter hoch springen und überleben Abstürzte aus mehr als 3,5 Meter Höhe.

Man könne es heute kaum mehr ermessen, welch eine schlimme Plage Mäuse und Ratten in früheren Zeiten, vor allem im ländlichen Raum, waren. Scheune, Stall und Stroh gedeckte Häuser boten ihnen geradezu ideale Lebensbedingungen. Horst ging dann auf die Mäuseplage im „Museum im Vorwerk“ ein, das viele Jahrhunderte als Lagerraum für den Zehnten, also für die landwirtschaftlichen Abgaben an die Herrschaft genutzt wurde und sicherlich hunderte von grauen Nagern beherbergte.

Auch zur Anfangszeit des Museumsbetriebes, habe es noch Probleme mit Mäusen gegeben. So sei er einmal von Besuchern angesprochen worden, dass sie im Dachgeschoss während der Öffnungszeiten lebende, sich jagende Mäuse beobachten konnten: „Sie waren begeistert von unserem "lebenden Museum". Wir weniger, da wir in Sorge um unsere zahlreichen Tierpräparate waren.“

Durch ihre natürlichen Feinde, die eigens als Mausefänger gehaltenen heimischen Mauswiesel, später auch Hauskatzen, ließ sich die Maus nur bedingt dezimieren. Und hier kommt nun die Mausefalle ins Spiel. Dabei kennt der Erfindungsreichtum des Menschen im Kampf um seine Vorräte keine Grenzen.

Die Maus wird "ertränkt", "erschlagen", "erwürgt", "geklebt", "erstochen", elektrisiert", „lebend gefangen" und „vertrieben“. Und das alles um dem lästigen Vielfraß den Gar aus zu machen. Horst erklärte abschließend die Ausstellung als eröffnet und wünschte Reinhard Ewert viele Besucher die sich mit dem Thema Mensch und Mäuse beschäftigten.

Zu kaum einem anderen Tier habe der Mensch ein so ambivalentes Verhältnis wie zur Maus, besonders wenn sie in „Heerscharen“ auftrete, wirke sie bedrohlich, meinte Aussteller Reinhardt Ewert in seinen Ausführungen. Während sich in einer Vielzahl von „Maus – Redensarten“ grundlegende Lebenserfahrungen spiegeln, wie zum Beispiel „Das ist ja zum Mäusemelken“ oder „Wenn die Maus satt ist, schmeckt das Mehl bitter“ und in Kosenamen die Wertschätzung und Zuneigung des Menschen gegenüber der Maus zum Ausdruck gebracht werde, so einfallsreich und schonungslos ging und gehe der Mensch bei der Bekämpfung des kleinen Nagers vor.

Der Erfindungsreichtum der Menschen kannte in der Vergangenheit und kennt auch heute noch im Kampf gegen den Nahrungskonkurrenten keine Grenzen, wie in der Ausstellung anhand der Fallen und Texte zu sehen und lesen sei. „Aber warum diese Brutalität? „Mausi“, „Mäuschen“ und „meine Maus“ sowie „schlaue Maus“, „flinke Maus“ und „bei etwas Mäuschen spielen“ seien doch Formulierungen, die einerseits Zuneigung und Anerkennung zum Ausdruck bringen, während andererseits die Vielfalt und Hinterhältigkeit der historischen und zeitgenössischen Fanggeräte eine deutlich andere Sprache sprechen!“ so Ewert.

Die Mausefallen in der Ausstellung reichten vom Haifischgebiss und Katzengesicht über freundliche, runde und eckige Drahtkörbchen hin zu Klötzen, Ziegeln und Töpfen, die bei Berührung heruntersausen, bis zu Schlingen, die würgen und schlagen. Wippen versperren nach Betreten den Rückzug, glatte Innenwände von Keramiktöpfen und Eimern verhindern eine Rettung, gefüllte Wassergefäße lassen ein Überleben nicht zu und klebender Untergrund lässt die Maus auf ewig verharren.

Elektrowellen und übler Geruch sollen vertreiben, während manch eine Substanz zum Tode durch Vergiften führt! 220 Volt lassen blitzartig jeden Mausgedanken ans Stehlen erstarren, Lichtschranken schließen lautlos Türen und Schussapparate – durch Berührung ausgelöst – beenden auf der Stelle das sowie schon kurze Mauseleben!

Als unerschöpflich bezeichnete der Sammler den Erfindungsreichtum derjenigen, die seit Jahrtausenden mit einem klaren Feindbild vor Augen auf engstem Raum Seite an Seite mit dem kleinen „Weltbürger“ leben und wünschte einen vergnüglichen und informativen Einblick in die Welt der „Mäuse und Fallen“ ++gr++


Aussteller Reinhard Ewert (Mitte) erklärt bei einem Rundgang seine Exponate,

Fallen 1 – 3 mit enen "ertränkt", "erschlagen", "erwürgt", "geklebt", "erstochen", elektrisiert", „lebend gefangen" und „vertrieben“ wurde.

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