Im Mai 2020 konnte Christoph A. Brandner während der Theatersanierung ein letztes Mal seinen Stammplatz im Schlosstheater einnehmen. Der Zuschauerraum war wegen der Bauarbeiten bereits mit Staubschutzfolie ausgekleidet. - Foto: Rolf Herchen

FULDA Trauer im Schlosstheater

"Das Flüchtige fixiert" - Zum Tod von Kulturredakteur Christoph A. Brandner

07.05.22 - Theater wirkt. Es wirkt in der Vorfreude, es wirkt – natürlich – auf der Bühne, aber sein Nachhall wirkt auch in die Stadtgesellschaft hinein. Wie schön ist es dann, wenn man mit Hilfe einer pointiert-griffigen Rezension den Abend noch einmal aufleben lassen kann. Kulturredakteur Christoph A. Brandner war ein Glücksfall für uns: Jahrzehntelang hat er dem Fuldaer Schlosstheater die nötige Präsenz und das angemessene Gewicht in der Fuldaer Presselandschaft verliehen.

Seine umfassende humanistische Bildung und die reiche Hör- und Seherfahrung ungezählter Theaterabende haben seine unbestechliche Urteilskraft geschärft und ihn in die Lage versetzt, über die eigentliche Aufführung hinaus kluge Verweise, etwa auf theaterhistorische Zusammenhänge, beizusteuern. Formal klar gegliedert, dramentheoretisch unterfüttert und feinsinnig formuliert – darum waren seine Kritiken so lesenswert.

Ein echtes Markenzeichen allerdings waren seine unnachahmlichen Adjektiv-Paarungen ("Kopulativkomposita"), mit denen er bisweilen ganze Nebensätze einsparen konnte. So denke ich durchaus mit Schmunzeln an brandnersche Wortschöpfungen wie den "ätzend-lästigen Nachbarn", die "schwergewichtig-agile Schwester", die "freundlich-harmlose Heulsuse", den "tölpelhaft-netten Ehekandidaten" oder gar den "fies-schwächlichen Herrenmenschen". Diese kamen in "besinnlich-beklemmenden", "präzis-ausgelassenen" oder "pointenprall-temporeichen" Inszenierungen vor, die schließlich mit "demonstrativ-herzlichem", "dankbar-begeistertem" oder "heftig-langem" Applaus und "finalem Jubel" von der Bühne geschickt wurden.

Mir persönlich bleiben besonders seine spätnachmittäglichen Anrufe mit der Bitte um (noch mehr) Recherchematerial, die stets in einen intensiven Austausch über die brennenden Fragen unserer Lebenswirklichkeit und damit der Relevanz von Theaterkunst gemündet sind, im Gedächtnis. So, wie er es selbst anlässlich des Todes von Bruno Ganz formuliert hatte: als "bewundernd-traurige Erinnerung". (Nachruf von Christoph Stibor, Leiter des Schlosstheaters)+++


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