In der Gemeinde Neuhof gibt es jetzt ein neues inklusives Wohnprojekt des Vereins "Leben und Arbeiten in Neuhof". - Fotos: Nina Bastian

NEUHOF Wohnprojekt im Alten Pfarrhaus eingeweiht

"Willkommen in unserer Kommune der Vielfalt!" - wo Inklusion gelebt wird

23.05.22 - Ein ganz selbstverständliches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen – das ist das Ziel des Vereins Leben und Arbeiten in Neuhof (südlicher Landkreis Fulda). Eine wichtige Etappe auf dem Weg zur inklusiven Gemeinde ist das neue Wohnprojekt, das am Sonntag im ehemaligen evangelischen Pfarrhaus eingeweiht wurde. "Herzlich Willkommen in unserer Kommune der Vielfalt", begrüßte Bürgermeister Heiko Stolz die drei Bewohner Felix Höhl, Benedikt Enders und Sabrina Schlag.

Für die drei neuen Bewohner bedeutet der Einzug einen deutlichen Zugewinn an Selbstständigkeit ...

Pfarrer Dr. Dagobert Vonderau segnete die neuen Wohnungen

Das alte Pfarrhaus in der Albert-Schweitzer-Straße in Neuhof wurde saniert ...

Wo früher Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihren Familien lebten, wohnen seit drei Wochen Menschen mit Behinderungen. Das neue Wohnprojekt vom Verein "Leben und Arbeiten in Neuhof" bietet im Alten Pfarrhaus der evangelischen Gemeinde vier inklusive Apartments an. "Ich bin wirklich stolz", sagte Stolz und bedankte sich bei den Unternehmern Christoph und Michael Happ, die die Immobilie in der Albert-Schweitzer-Straße, die in den vergangenen Jahren nur noch als Büro genutzt wurde, im Dezember 2021 erworben und auf eigene Kosten in Sozialwohnungen umbauen lassen haben. Die Brüder vermieten das Gebäude nun langfristig und zu einem günstigen Preis an den Verein Leben und Arbeiten in Neuhof. "Was ihr für die Gemeinde gemacht habt, ist ehrenhaft. Ihr seid Vorbilder für unsere Gesellschaft." 

Das Programm umfasste auch einen ökumenischen Gottesdienst

Sie alle stehen für ein inklusives Leben in Neuhof

Bewohnerin Sabrina Schlag

"Damit Neuhof bunter wird!"

Das polarisierende Flugblatt in der Rhöner Gemeinde Tann (O|N berichtete), in dem von "Ausbleibenden Touristen wegen 'Sonderwelt' der Diakonie?" die Rede war, beschäftigte auch die Gäste am Sonntag in Neuhof. "Dieser Skandal zeigt, dass das Thema Inklusion noch nicht bei allen Menschen angekommen ist", so Bürgermeister Stolz. Auf der anderen Seite zeige die Flut an Gegenreaktionen aber auch: "Das Thema ist eben doch angekommen und Inklusion ist gesellschaftsfähig!" Sebastian Bönisch (Geschäftsführer von antonius Netzwerk Mensch) schloss daran an: "Neben einem Weichensteller (Bürgermeister), einem Brückenbauer (Andree Literski) und einem Sozialpartner (Bäckerei Happ) benötigt man die Gemeinde, um Verbindungen aufzubauen, damit Neuhof bunter wird."

Inklusionsnetzwerkerin Kathrin Müller

Pfarrer Holger Biehn

Neuhof ist Kommune der Vielfalt

2021 erhielt Neuhof für dieses Engagement die Auszeichnung "Kommunen der Vielfalt". "Wir sind unglaublich stolz darauf, wie toll sich Neuhof entwickelt", sagt Inklusionsnetzwerkerin Kathrin Müller. "Bürgermeister Heiko Stolz und Pfarrer Dr. Dagobert Vonderau gehören zum Vorstand unseres Vereins, beide kirchlichen Gemeinden bringen sich sehr aktiv ein und wir erfahren eine große Unterstützung und Interesse von Neuhofer Unternehmen und der Bürgerschaft. Das Leben ist nun mal vielfältig – hier in Neuhof arbeiten wir Schritt für Schritt daran, dass auch das Zusammenleben vielfältig sein darf!"

Gemeint ist damit, dass Menschen mit Behinderungen nicht mehr nur zentralisiert in entsprechenden Einrichtungen und Wohngruppen leben, sondern ganz selbstverständlich mitten in den Kommunen und Gemeinden.

Christoph Happ (m)

Pfarrer Dr. Dagobert Vonderau

Ein möglichst selbstständiges Leben für Menschen mit Behinderungen

Der Mieter Felix Höhl etwa ist Neuhofer mit Herz und Seele und ganz begeistert davon, wieder in seiner Heimat- und Wunschgemeinde leben zu können. Als aktives Mitglied im Neuhofer Musikverein und Karnevalsverein gehört er sowieso fest zur Gemeinde dazu und kann nun auch seine Freunde und Eltern vor Ort zu Fuß besuchen. Zu seinem Arbeitsplatz im Herz-Jesu-Krankenhaus fährt der 29-Jährige, der Lernschwierigkeiten hat, eigenständig mit Bahn und Bus. "Als ich mich endlich als Neuhofer Bürger anmelden konnte und dann noch einen Gruß vom Bürgermeister bekommen habe, war ich richtig glücklich", strahlt Felix Höhl. Auch seine neuen Zimmernachbarn Benedikt Enders, der im GestaltenWerk von antonius arbeitet und zum ersten Mal von zu Hause auszieht, und Sabrina Schlag, die aus dem stationären Wohnen in Eichenzell kommt, genießen den neuen Zugewinn an Freiheit: Endlich eine eigene Wohnung mit Küche, Bad und eigener Haushaltsführung. Assistenzkräfte kommen nach Bedarf täglich für mehrere Stunden ins Haus und begleiten die jungen Menschen im Alltag. Die Unterstützung reicht von praktischen, haushälterischen Tätigkeiten bis zur Freizeitgestaltung. (nb) +++

Bürgermeister Heiko Stolz (r)

Vereinsvorsitzender Andree Literski an der Gitarre

Vier Wohnungen befinden sich jetzt in dem alten Pfarrhaus


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