Der Philosoph Richard David Precht sprach am Freitagabend in der Bad Hersfelder Schildehalle - Alle Fotos: Christopher Göbel

BAD HERSFELD Philosoph bei Sparkassen-Forum

Richard David Precht und die Krisen unserer Gesellschaft

04.06.22 - Die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg lädt in regelmäßigen Abständen zu Foren ein, zu denen prominente Persönlichkeiten sprechen. Am Freitagabend war der Philosoph, Autor und Publizist Richard David Precht zu Gast in der ausverkauften Schildehalle.

"Ende 2021 waren wir noch optimistisch und erwarteten nach Corona eine deutliche wirtschaftliche Erholung", sagte Sparkassen-Vorstand Reinhard Faulstich zur Einführung. "Doch dann kam der Krieg, der uns alle vor immense Herausforderungen stellt." Laut Faulstich habe die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg im Jahr 2021 ein "solides Geschäftsjahr mit Wachstumsraten in allen wesentlichen Geschäftsbereichen" abgeschlossen. Die Politik habe "vielleicht nicht alle Risiken richtig bewertet", die Inflationsrate liege nun bei fast acht Prozent. Deutschland sei stärker von der Ukrainekrise betroffen als andere Staaten. "Die BRD hat nicht klug gehandelt", so Faulstich.

Richard David Precht (Zweiter von rechts), die Sparkassen-Vorstände Thomas Walkenhorst ...

Rund 600 Besucher erlebten den Vortrag des Philosophen in der Schildehalle ...

Es sei nun wichtig, eine konsequente Gegenbewegung zu starten, um Energiewende und Klimaschutz zu bewältigen. "Klimawandel kann auch im ländlichen Raum funktionieren", der der Sparkassen-Vorstand. Vom Thema Klimakrise leitete Faulstich zu Precht über, dessen Thema "Verändern Krisen unsere Gesellschaft" lautete.

Precht erwähnte zur Eröffnung, was eigentlich eine Krise sei. 1962 habe es die Kubakrise gegeben, 1972 die Ölkrise. "Heute gibt es viele Krisen. Klimakrise, Coronakrise, Ukrainekrise... und ein klares "Ja" gab Precht als Antwort auf die Frage, ob Krisen die Gesellschaft verändern würden.

Talkrunde mit Richard David Precht

"Krise bedeutet Entscheidung", so der Philosoph, der laut eigenen Worten lediglich über eine "Inkompetenz-Kompensationskompetenz" verfügt. Man müsse entscheiden, in welche Richtung die Krise gelenkt werden könne. Krisen seien nur so lange Krisen, wie sie in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stünden. "Corona ist an Desinteresse zugrunde gegangen."

Ukrainekrieg - Eine Facette von grau

Auf die selbst gestellte Frage, wie der Ukrainekrieg enden werde, habe niemand eine Antwort. Ob es jemals einen "Gewinner" geben würde, und was "den Krieg gewinnen" überhaupt bedeuten würde, könne ebenfalls niemand zum jetzigen Zeitpunkt sagen. Aber alles sei besser, als ein Atomkrieg. Die meisten Menschen hätten eine Meinung zum Thema, die entweder schwarz oder weiß sei, und die nicht zuletzt durch die Medien verbreitet würde. "Aber man kann solche Fragen nicht mit schwarz oder weiß beantworten. Dazwischen liegen viele Facetten von grau", sagte Precht.

Bücher von Precht wurden auch angeboten

Im Sinne "strategischer Herausforderungen" sei die Menschheit derzeit in der schwierigsten Situation, "in der sie je gewesen ist." Langfristige Krisen würden auf Menschen nicht so schlimm wirken, weil sie während ihrer Lebenszeit nur einen kleinen Teil einer langfristigen Krise miterleben könnten. "Für einen Menschen wird nur ein kleiner Teil einer großen Veränderung bewusst." Precht nannte als Beispiel die Klimakrise. "Wir müssen die Überlebenschancen künftiger Generationen sichern", so Precht.

Das Problem der heutigen Gesellschaft sei, dass man nicht mehr glaube, was man wisse. "Die Klimakrise kommt uns nicht als Krise vor. Das Coronavirus sei uns als Bedrohung vorgekommen. "Dieses Gefühl der Gefahr müssen wir uns für den Klimawandel aufbewahren", konstatierte der Philosoph.

"Bedingungsloses Grundeinkommen nötig"

Außerdem sprach Precht davon, von der heutigen "Erwerbsgesellschaft" zu einer "Sinngesellschaft" kommen zu müssen. Dafür sei ein "bedingungsloses Grundeinkommen" nötig. Das Maschinenzeitalter oder auch die "Digitale Revolution" werde nicht alle Berufsgruppen verdrängen. Berufsfelder, die auch in Zukunft Bestand hätten, seien das Handwerk, die IT-Branche, Planer und Projektmanager sowie Empathieberufe wie Pflege- und medizinisches Personal und alle Menschen, die gerne mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Auch pädagogisches Personal könne nicht durch Roboter ersetzt werden. Wobei Precht allerdings auch anmerkte, dass in Schulen nicht immer das gelehrt werde, was für das spätere Leben wirklich wichtig sei. Deutliche Kritik sendete der Philosoph in Richtung von Pädagoginnen und Pädagogen.

Nach seinem rund anderthalbstündigen Vortrag, mit dem er die rund 600 Zuhörerinnen und Zuhörer in den Bann zog, schloss sich eine von HZ-Verlagsleiter Markus Pfromm moderierte Diskussionsrunde mit Reinhard Faulstich an, bei der die von Precht erwähnten Themen noch einmal in Teilen verdeutlicht wurden.

Der Abend mit Richard David Precht gab dem Publikum viele Denkanstöße. Die Vielzahl der erwähnten Themen machte deutlich, dass wir in einer Gesellschaft leben, die zahlreiche Probleme zu bewältigen hat. Diese müssten mit Strategie gelöst werden. "Das Mittel der Politik ist die Taktik. Und Taktik ist das Gegenteil von Strategie", kritisierte Precht. Aber: "Krisen sind die bessere Chance, Veränderungen anzustoßen."

Nach Vortrag und Gesprächsrunde konnten sich die Gäste der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg bei Häppchen und Getränken stärken und das Gehörte diskutieren und miteinander erörtern. (Christopher Göbel) +++


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