Am Mittwoch wurde die Hessische Streuobstwiesenstrategie vorgestellt. - Fotos: HMUKLV

BAD SODEN-SALMÜNSTER Unterschiedliche Lebensräume

Beitrag zur Artenvielfalt: Hessens Streuobstwiesenstrategie vorgestellt

09.06.22 - Umweltministerin Priska Hinz stellt heute in Bad Soden-Salmünster Hessens erste Streuobstwiesenstrategie vor. Der Main-Taunus-Kreis erhält außerdem zusätzlich eine Förderung in Höhe von rund 478.000 Euro für die Errichtung eines landesweiten Streuobstwiesenzentrums.

"Mit der Streuobstwiesenstrategie schützen wir die Artenvielfalt und damit auch unser Leben und unsere Zukunft. Über 5.000 Tier- und Pflanzenarten leben auf einer Streuobstwiese, die damit zu den artenreichsten Lebensräumen in Hessen gehört. Sie sind außerdem Lebensraum zwischen zwei Welten: Sie verbinden mit ihrem Baumbestand aus Sicht vieler Tierarten die Vorteile des Waldes mit den Vorzügen blütenreicher Wiesen. Sie bieten Baumhöhlen zum Nisten, im Frühjahr Blütenvielfalt sowie Fallobst im Herbst und Winter. Von Bienen über Fledermäuse bis zum Steinkauz sind hier unterschiedlichste Insekten-, Tier- und Vogelarten vertreten," erklärt Hinz die Bedeutung der Streuobstwiesen für die Artenvielfalt.

Fortbestand existierender Bestände sichern


"Die Streuobstwiesenstrategie enthält deshalb eine Vielzahl von Maßnahmen, die alle einem Ziel dienen: den Fortbestand der noch existierenden Bestände zu sichern. Dazu ist Unterstützung für die Pflege alter und das Pflanzen neuer Bäume ebenso wichtig wie Hilfe bei der Mahd der Wiesen. Außerdem wird verlorengegangenes Wissen über Sorten und die fachgerechte Pflege vermittelt werden. Gleichzeitig gilt es, Anpassungsmöglichkeiten an die Klimakrise zu entwickeln. Ein landesweites Streuobstwiesenzentrum wird diese Maßnahmen zentral steuern." ergänzt die Ministerin.

Gründung Hessisches Streuobstwiesenzentrum


Zentraler Akteur wird das neue landesweite Streuobstwiesenzentrum. Es soll Anlauf- und Vernetzungsstelle für Kommunen, Vereine, Verbände und Privatpersonen werden. Auch die Beratung über Fördermöglichkeiten rund um das Thema Streuobst soll hier gebündelt werden.

"Unser Landschaftspflegeverband hat langjährige Erfahrung in der Streuobstthematik. Seit 30 Jahren beraten und unterstützen wir die verschiedenen Akteure in unserem Landkreis und bewirtschaften eigene Grundstücke. Jetzt freuen wir uns auf die neue Herausforderung, hier bei uns im Main-Taunus-Kreis ein landesweites Streuobstwiesenzentrum aufzubauen und damit mit unseren Kompetenzen über die Kreisgrenzen hinaus zu wirken. Wir danken dem Land Hessen für die finanzielle Unterstützung und das Vertrauen", so die Umweltdezernentin des Main-Taunus-Kreises und Erste Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands, Madlen Overdick.

Die Streuobstwiesenstrategie im Überblick:
Erhalten: Mit dem Programm "Hotspot Streuobst" sollen ausgewählte, landesweit bedeutsame Streuobstgebiete insbesondere für den Naturschutz weiterentwickelt werden. Für die Betreuung der Gebiete werden geeignete Partner vor Ort personell unterstützt. Sie sollen die Pflege durch Umsetzung von Förderangeboten oder kooperative Ansätze ausweiten oder zum Beispiel mit Obstwiesenbörsen oder Kelterangeboten neue Interessierte für die Streuobstnutzung gewinnen. Zudem sollen seltene und gefährdete Arten der Streuobstwiesen mit gezielten Maßnahmen geschützt werden.

Fördern: Interessierte erhalten alle Informationen zu Finanzierungsmöglichkeiten: von der Anlage und Pflege über die Verwertung bis zur Vermarktung. Die Informationen richten sich sowohl an hauptamtliche Akteure in Behörden und Landschaftspflegeverbänden, als auch an ehrenamtlich engagierte Personen in Vereinen und Verbänden sowie Privatpersonen. Das Streuobstwiesenzentrum wird zentraler Ansprechpartner für die verschiedenen Fördermaßnahmen sein.

Ausbau des Beratungsnetzwerks

Beraten: Damit Streuobstwiesen und -weiden zu einem optimalen Lebensraum für die verschiedensten Arten werden können, braucht es fachkundiges Wissen. Denn nicht nur der richtige Pflegeschnitt für die Bäume, sondern auch die Pflege des Grünlandes, Schaffung von Nistplätzen und Rückzugsmöglichkeiten sind hier zentral. Im Auftrag der Vogelschutzwarte sind bereits jetzt Beraterinnen und Berater unterwegs, um Behörden, aber auch Vereine, Verbände und Privatpersonen zur naturschutzfachlich richtigen Gestaltung von Streuobstwiesen zu beraten. Das Beratungsnetzwerk soll nun weiter ausgebaut werden. Die Biodiversitätsberatung beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und dessen Hessischer Gartenakademie wird in die Umsetzung ebenfalls eingebunden.

Anpassen: Die Klimakrise bedroht zunehmend auch die Streuobstwiesen. Welche Folgen die Klimakrise für Streuobstwiesen hat und wie wir den Folgen begegnen können soll in einem Forschungsprojekt untersucht werden.

Die "Streuobstwiesenstrategie" sowie das "Handbuch Streuobstwiese – Wissen rund um das hessische Kulturgut" finden Sie als Download unter folgendem Link: https://umwelt.hessen.de/naturschutz/streuobstwiesenstrategie (pm)+++


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