FULDA Endlich wieder mit Prozession

Fronleichnam: Rund 3.000 Gläubige bei der Prozession durch die Innenstadt

17.06.22 - Wie auch im vergangenen Jahr hatten die Gläubigen in der Region zu Fronleichnam besonders Glück: Bei strahlendem Sonnenschein lauschten rund 700 Katholiken den Worten von Bischof Dr. Michael Gerber bei einem Pontifikalamt vor dem Fuldaer Dom.

Nach dem Gottesdienst führte die Fronleichnamsprozession auf einem neuen Prozessionsweg durch die Innenstadt. Diesmal auf einer neuen Strecke. Dort machte sie Station an vier Altären. Zuvor erinnerte Bischof Dr. Michael Gerber auf dem Domplatz an die Bedeutung des Hochfestes: Wir leben wesentlich aus dem, was wir uns nicht selbst geben können. Wir leben aus dem, was uns Jesus Christus gibt. Dafür können wir dankbar sein.

Der Mensch gerate immer wieder in die Situation, seine eigenen Grenzen zu erfahren, die er bei allem Können und all seinen Fähigkeiten nicht überschreiten kann, sagte Bischof Dr. Michael Gerber in der Predigt zum Pontifikalamt auf dem Fuldaer Domplatz. Selbst dann, wenn der Mensch alles richtig gemacht hat, alles an Können, seine Erfahrungen und Begabungen zusammenlegt – er erfährt seine Grenzen und sieht, dass es nicht weitergeht.

Alle Fotos: Martin Engel

Bischof Gerber erinnerte dabei an das Evangelium zum Fronleichnamsfest: Fünf Brote und zwei Fische seien zu wenig, um die Menschenmenge satt zu bekommen, auch wenn man richtig geteilt habe. Der Mensch komme auch hier an seine Grenze.

Jesus Christus gibt uns mehr

Das was wir haben und einbringen zum Wohle der Gemeinschaft und im übertragenen Sinne auch zum Wohle der Kirche, das könne manchmal nicht reichen. Auch der Gedanke, "wenn wir nur richtig unsere Gaben zusammenlegen würden, dann können wir die wesentlichen Probleme lösen", sei gefährlich und bei allem guten Willen oft eine Überforderung.

Alle Fotos: Martin Engel

Die tiefe Botschaft der Eucharistie sei, dass wir wesentlich aus dem existieren, was wir selbst nicht herstellen können. "Zum Segen werden unsere Gaben durch Jesus, durch den, der sich selbst uns gibt", sagte der Bischof und betonte: "Wir leben jeder persönlich und gemeinsam als Kirche von seiner Hingabe."

Eucharistie heißt Danksagung

Der Begriff Eucharistie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Danksagung. Der Bischof ging weiter darauf ein, wie man das Sakrament der Eucharistie heute verstehen könne und was es für uns als Kirche bedeutet. Als Volk Gottes eine uns mit Menschen unterschiedlichster Weltanschauung vor allem der Dank für den Kreislauf der Natur und zugleich die Sorge um die Zukunft: "Wir bieten das, was wir haben und das, was uns nährt. Das tun wir zusammen mit allen Menschen guten Willens in der Sorge um das größere Ganze, in der Sorge gerade in unseren Tagen angesichts von Klimakrise und Krieg."

Feierliche Prozession


Nach dem Pontifikalamt vor dem Dom zog die Fronleichnamsprozession mit etwa 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch die Fuldaer Innenstadt. Die Prozession machte Station an vier Altären: Am Bonifatiusplatz mit dem Thema "Ordensleute", am Universitätsplatz zum Thema "Stadt Fulda", am Buttermarkt mit dem Schwerpunkt "Caritas" und schließlich vor der Stadtpfarrkirche mit den Erstkommunionkindern der Innenstadtpfarrei.

Musikalisch begleitet haben das Hochfest des Leibes und Blutes Christi verschiedene Blechbläser, der Musikverein Niesig, die Kommunionkinder sowie  Sängerinnen und Sängern des Fuldaer Domchores. Erstmals nach den zwei Jahren der Corona-Pandemie konnte Fronleichnam wieder mit einer bewegten Prozession gefeiert werden. Darüber hinaus wurde der Gottesdienst auf dem Domplatz auf der Homepage sowie auf dem YouTube-Kanal des Bistums live im Internet übertragen.

Hintergrund

Das Fronleichnamsfest (vom mittelhochdeutschen "vrónlîcham" = "Herrenleib") wird in der katholischen Kirche seit mehr als 700 Jahren begangen. Für die Fuldaer Kathedralkirche wurde die Feier 1302 gestiftet. Eine eigene Prozession wurde erst später eingeführt. Aber bereits 1446 ist in Fulda eine Bruderschaft nachweisbar, die es sich neben der Abhaltung der jährlichen Fronleichnamsprozession zur Aufgabe gemacht hatte, die Darstellungen aus der Heilsgeschichte des Alten und Neuen Bundes auszuschmücken.

Das Fronleichnamsfest am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, auch Hochfest des Leibes und Blutes Christi genannt, feiert die Eucharistie als Opfer und Kommunion und wegen der tatsächlichen Gegenwart Jesu Christi (Realpräsenz) im Tabernakel zugleich auch als Gegenstand der Anbetung. Es ist ein Erinnerungsfest an die Einsetzung des Altarsakramentes.

In feierlichen Prozessionen wird das Allerheiligste betend und singend, mit Fahnen und Weihrauch, durch blumengeschmückte Straßen getragen. Die Anregung zu diesem Fest entstammt einer Vision der hl. Augustinernonne Juliana von Lüttich (gest. 1258) und wurde im Bistum Lüttich 1246 eingeführt. Am 11. August 1264 erhob Papst Urban IV. (Jacques Pantaléon, 1261-1264), zuvor Erzdiakon in Lüttich, Fronleichnam als "Fest des Leibes Christi" (lat. festum corporis Christi, festum corpus Domini) mit der Enzyklika "Transiturus de hoc mundo" zum allgemeinen kirchlichen Fest. Der hl. Thomas von Aquin (1225-1274) war an dieser Enzyklika wesentlich beteiligt und hat die Texte für das Offizium und die Messe zusammengestellt.

Im Jahre 1317 wurde das Hochfest unter Papst Johannes XXII. (Jacques Duèze, 1316-1334) in Avignon endgültig weltweit angeordnet. 1264 hatten in Rom, Münster und Orvieto die ersten Fronleichnamsfeiern stattgefunden, 1273 in Benediktbeuren, 1274 in Köln, 1276 in Osnabrück, 1302 in Fulda. (pm/mr) +++

Fotos: Martin Engel, Bernd Vogt, Yannik Overberg


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