REGION Der Stadtpfarrer bei O|N

Impuls von Stefan Buß: Verbindung wie "der Weinstock mit den Reben"

30.07.22 - Daniel Defoes (engl. Schriftsteller 1660 – 1731) Romangestalt Robinson Crusoe (veröffentlicht 1719) hat sich nach seinem Schiffbruch auf seiner Insel ein komplettes Versorgungssystem aufgebaut. Er kann allein überleben. Leben aber kann er erst wieder als er Freitag kennenlernt, einen Eingeborenen, den er rettet. In einem langen und schwierigen Prozess können die beiden Freundschaft schließen. Was brauche ich eigentlich, um zu leben? Etwas zu essen und zu trinken? Mit Sicherheit. Ein Dach über den Kopf und etwas anzuziehen? Klar. Es reicht und es reicht noch lange nicht.

Stadtpfarrer Stefan Buß. Archivfoto: O|N/Hendrik Urbin

Kaiser Friedrich II. (1194 -1250), der die Ursprache der Menschen herausfinden wollte, hat Säuglinge zusammengeführt und den betreuenden Schwestern verboten auch nur ein Wort oder einen Laut mit ihnen zu sprechen. Es hat nicht die Ursprache der Menschen gefunden, sondern alle starben nach kürzester Zeit. Ohne es zu wollen hat Friedrich II. eine ganz andere Erkenntnis durch sein Experiment gewonnen. Ohne Liebe, ohne gute Beziehungen ist der Mensch auf der Erde überhaupt nicht lebensfähig, mag er auch die besten äußeren Voraussetzungen haben. Wo das Kind keinem lächelnden Gesicht begegnet, wo es keine Worte hört, die Vertrauen schenken, wird es in seiner Entwicklung gestört und trägt bleibende Schäden davon. Wir leben heute mit der Gefahr zu einer Art Robinson Crusoe inmitten vieler Menschen zu werden, weil trotz immer besserer Lebensbedingungen Lebensmöglichkeiten deshalb verkümmern, weil es an guten Beziehungen fehlt. Und man mag es drehen und wenden, wie man will, wenn die Nächstenliebe der Kern christlicher Botschaft ist, dann sind gute Beziehungen zwischen den Menschen die Grundlage der Nächstenliebe.

In guten Beziehungen findet die christliche Nächstenliebe konkret Gestalt. Dann ist es gut, in unserer Umgebung auf Zeichen der Beziehungslosigkeit und Vereinsamung zu achten und menschliches Verstehen und menschliche Zuwendung dagegen zu setzen. Der Evangelist Johannes macht dies einmal in einem Bildwort deutlich, dass das Leben in Beziehungen nicht ein nettes Beiwerk ist, sondern den Kern des Lebens als Christen trifft. Er greift das Bild vom Weinstock auf und den Reben, die mit dem Weinstock in Verbindung bleiben müssen (Jo. 15,1-8). Er lässt Jesus sagen: "Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch." (Jo. 15,4) Was nicht anderes heißt wie, haltet die Beziehung zu mir, dann kann ich auch die Beziehung zu euch halten. Die Dreifaltigkeit Gottes, Vater – Sohn und Hl. Geist, bedeutet, dass Gott in seinem Wesen selbst gelebte Beziehung ist. Weil Gott selbst gelebte Beziehung ist, kann er es den Menschen ermöglichen untereinander sinnvolle Beziehungen zu gestalten, denn in Jesus ist die Zuwendung Gottes zu den Menschen selbst Mensch geworden. Sie bedeutet, dass jeder und jede bei Gott unbedingt erwünscht ist.

Mit der Zusage des Johannes Evangeliums können Christen dies weitergeben, indem sie ihre Beziehungen zu anderen fruchtbringend gestalten. Dies fängt immer an dem Ort an, an dem der Menschen hingestellt ist. Dabei sind nicht die großen und außergewöhnlichen Taten erforderlich, sondern die Zuwendung zum Menschen nebenan, für den man ein gutes Wort überhat oder dem man einfach einmal zuhört. Darum geht es, um das Alltägliche. Hier zeigt sich, dass der reiche Frucht bringt, der in Christus bleibt und wer Beziehungen fruchtbringend gestaltet, dessen Leben er selbst als beschenkt erleben kann. (Stefan Buß) +++


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