Professor Dr. Tilman Kälble ist seit 1999 Direktor der Urologie und Kinderurologie am Klinikum Fulda - Fotos: O|N-Archiv / Hendrik Urbin (2), Klinikum Fulda

FULDA O|N-Gespräch mit Professor Tilman Kälble

Vom "Fulda-Nippel" und einem Witz: 50 Jahre Urologie am Klinikum

10.09.22 - Um den Einstieg in ein nicht ganz leichtes Thema ein wenig geschmeidiger zu gestalten, beginnen wir an dieser Stelle mit einem Witz, nämlich einem der Lieblingswitze von Professor Dr. Tilman Kälble, dem Direktor der Urologie und Kinderurologie am Klinikum "Sitzen drei Ärzte beim Stammtisch. Steht der Augenarzt auf und sagt: ,Ich gehe jetzt. Man sieht sich.‘ Sagt der HNO-Arzt: ,Ich komm mit. Wir hören voneinander.‘ Sagt der Urologe: ,Ich glaub, ich verpiss mich auch.‘" – Heute feiern die Urologie und Kinderurologie am Klinikum Fulda (pandemiebedingt mit einem Jahr Verspätung) ihr 50-jähriges Bestehen.

Die Station mit 69 Betten ist ein spezialisiertes Zentrum für alle Erkrankungen der Niere, der Harnleiter, Nebenniere, Harnblase, Prostata, Harnröhre und der äußeren Genitalien und genießt weit über die Region hinaus einen erstklassigen Ruf. "Dabei galt die Urologie noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts als ein ungeliebtes Anhängsel der Allgemeinchirurgie", sagt Professor Kälble im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

"Die Patienten sollen sich als Mensch bei uns gut aufgehoben fühlen"

Vorreiter der Urologie war Professor Carl Erich Alken, der 1958 im saarländischen Homburg den ersten Lehrstuhl auf diesem Gebiet innehatte. Aus dessen Klinik ging eine Vielzahl von renommierten Urologen hervor. "Mein Vorgänger Professor Konrad Planz zum Beispiel war bei Alken Assistent, später Oberarzt und hat dann 1971 die Urologie an den damals noch ,Städtischen Kliniken‘ in Fulda begründet", erzählt Kälble. Er selbst übernahm die Leitung von Professor Planz im Jahr 1999.

Das Klinikum Fulda

Auf zwei Dinge habe der 63-jährige Mediziner seither besonderen Wert gelegt. "Mir war immer wichtig, dass die Patienten sich als Mensch bei uns gut aufgehoben fühlen. Zum Glück habe ich da eine Supermannschaft." Auch versuchen Kälble, seine fünf Ober- und elf Assistenzärzte, immer auf dem neuesten Wissensstand zu bleiben und sich stets weiterzuentwickeln: "Wir haben zum Beispiel eine Methode erfunden, um die Harnblase durch Darm zu ersetzen. Das wird in der Fachsprache sogar als Fulda-Nippel bezeichnet."

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich auf dem Gebiet wahnsinnig viel getan. "Früher sind praktisch alle Patienten, die einen bestimmten Hodentumor hatten, gestorben. Es gab noch keinen Ultraschall und kein CT. Heute – Stichwort Lance Armstrong – kann man selbst nach einer Chemotherapie noch die Tour de France gewinnen."

"Durch die Vorsorge können viele Krankheiten vermieden werden"

Trotz der enormen Fortschritte auf dem Gebiet der Urologie bleibt das Thema für viele ein eher unangenehmes. Mit allem, was sich – zumindest medizinisch – unter der Gürtellinie abspielt, will man halt nichts zu tun haben. "Nur etwa 20 Prozent aller Männer im vorsorgefähigen Alter lassen sich tatsächlich auch untersuchen. Bei Frauen sieht das anders aus, weil die durch Pille und Schwangerschaften ohnehin schon früh zum Arzt gehen."

Als damaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologen habe Kälble 2017 auf einem internationalen Kongress einen Vortrag mit dem Titel "Urologie für alle, für jeden, für uns" gehalten, in dem er dafür plädierte, das Thema endlich zu enttabuisieren. "Denn wenn man rechtzeitig zur Vorsorge geht, kann man viele Krankheiten entweder ganz vermeiden oder doch zumindest rechtzeitig therapieren."

Klinikums-Vorstandssprecher Dr. Thomas Menzel

Die heutigen Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Urologie und Kinderurologie am Klinikum Fulda hat man bewusst als Fachsymposium angelegt, bei dem bestimmte Krankheitsbilder dargestellt werden. Kälble: "Ein Megathema ist zum Beispiel die Inkontinenz. Es ist kaum zu glauben, aber es werden in Deutschland mehr Windeln für Erwachsene gekauft als für Kinder. Dabei müsste das bei richtiger Behandlung oftmals gar nicht so sein."

80 Teilnehmer haben sich für heute angekündigt, darunter auch Klinikums-Vorstandssprecher Dr. Thomas Menzel. Und der sparte auf O|N-Anfrage im Vorfeld nicht mit Lob: "Ich freue mich über die enorme Erfolgsgeschichte der Urologie am Klinikum Fulda, die mit ihren jährlich über 3.000 stationären Patientinnen und Patienten zu einer der größten urologischen Kliniken in Deutschland zählt. Herzlichen Glückwunsch und Danke an Herrn Professor Kälble und das gesamte Team für den außergewöhnlichen Einsatz." (Matthias Witzel) +++


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