Die Bestände der noch im Vogelsberg vorhandenen Braunkehlchen- und Wiesenpiepervorkommen sind sehr stark gefährdet. - Foto: Vogelsbergkreis

GREBENHAIN Wiesenbrüterprojekt vorgestellt

So kümmert man sich in der Lüderaue um Braunkehlchen und Wiesenpieper

01.12.22 - Die Bestandssituation von auf Extensivgrünland angewiesene Wiesenbrüterarten hat sich in Hessen seit dem letzten Jahrhundert dramatisch zugespitzt. Arten wie das Braunkehlchen und der Wiesenpieper drohen im Zuge eines Aussterbeprozesses komplett aus der hessischen Vogelwelt zu verschwinden.

Beide Brutvögel waren über Jahrhunderte fester Bestandteil der hiesigen Mähwiesen und Weiden. Eine immer intensivere Flächenbewirtschaftung führte jedoch zu einem starken Rückgang der potentiellen Lebensräume und damit verbunden auch zu einem Rückgang der Braunkehlchen- und Wiesenpieperbestände. Auch auf Bundesebene gelten beide Arten als stark gefährdet.

Beim Vor-Ort-Termin in der Lüderaue in Grebenhain-Crainfeld. Fotos: Nina Bastian

Johannes Euler, Projektleiter Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg

"Der Vogelsberg stellt im hessenweiten Vergleich eine der Regionen dar, welche noch starke Brutbestände von Braunkehlchen und Wiesenpieper verzeichnen konnte", erklärt Johannes Euler, Projektleiter Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg beim Vor-Ort-Termin am Mittwoch in Grebenhain-Crainfeld. 

Zusammen setzen das Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum und der unteren Naturschutzbehörde, das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg und die örtlichen Naturschutzvertreter umfassende Erhaltungsmaßnahmen für Wiesenvögel um.

Der Erste hauptamtliche Kreisbeigeordnete Dr. Jens Mischak

Eine Wildkamera machte diesen Schnappschuss in der Natur

Zu den Verbreitungsschwerpunkten für Braunkehlchen und Wiesenpieper im Kreis zählen die landschaftlich bemerkenswerten Talräume von Grebenhain, Herbstein und Lauterbach, welche durch einen vielfältigen Wechsel von artenreichem Grünland mit Feucht- und Nasswiesen geprägt sind. 

Landwirtschaft und Naturschutz

Erster Kreisbeigeordneter, Dr. Jens Mischak, bestätigte: "Hier arbeiten Landwirtschaft und Naturschutz nicht gegeneinander, sondern miteinander." Durch unterstützende Maßnahmen im Rahmen der Agrarumweltprogramme mit Beratung durch das Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum konnten viele Landwirte in diesen Gebieten davon überzeugt werden, durch spätere Mahdtermine, eine geringere Düngung und die Anlage von Altgras- bzw. Saumstreifen einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Wiesenbrütervorkommen zu leisten.

Erhaltungsmaßnahmen

Neben der Anlage von ein- oder mehrjährigen Altgrasstreifen wurden bereits seit dem Jahr 2015 über 2.000 Holzweidepfähle aufgestellt, welche zum einen als Ansitz- und Singwarten dienen und zum anderen eine klare Abgrenzung zwischen Nutz- und Altgrasfläche schaffen. Die Umsetzung erfolgte hier ebenfalls durch das Amt für Wirtschaft und ländlichen Raum, Sachgebiet Landschaftspflege in kooperativer Zusammenarbeit mit den jeweiligen Landwirten. Die Finanzierung erfolgte aus NATURA 2000 Mitteln des Landes Hessen.

Im Rahmen einer Langfristpacht mit der Gemeinde Grebenhain konnte das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg zudem mehrere Flächen innerhalb der Gemarkung Crainfeld sichern, welche ehemals als "Hotspots" für Braunkehlchen galten. Doch leider sind auch hier die Bestände in der Vergangenheit zurückgegangen. Dementsprechend liegt in diesen Bereichen der Fokus auf Maßnahmen, welche die Lebensraumbedingungen für Braunkehlchen – und Wiesenbrüter im Allgemeinen – erhalten oder sogar verbessern. Besonders in diesem Jahr investierte das NGP in großflächige Zaunbaumaßnahmen innerhalb der Lüderaue.

Anja Büchner, Vorsitzende Natur und Lebensraum Verein

Christoph Hardt, Landwirt

Marion Schindler, Sachgebietsleiterin Landschaftspflege

In Summe rund 6,5 Kilometer Zaun sollen dazu beitragen, relevante Altgrasbereiche sowie Ansitz- und Singwarten für die bedrohten Arten zu schaffen. Hierfür wurden zunächst alte Stacheldrahtzäune entfernt und in einzelnen Bereichen Entbuschungsmaßnahmen durchgeführt. Ebenso wurden ausgewiesene Einzelbäume entfernt, da das Braunkehlchen größere vertikale Strukturen meidet. Anschließend wurden naturbelassene Weidezaunpfähle so platziert, dass zwischen den einzelnen Grünlandflächen rund zehn Meter breite Altgrasbereiche etabliert werden können. Als Versuchsprojekt werden zudem in den Randbereichen rund 20 Meter breite Bracheflächen ausgezäunt, welche jährlich erweitert werden, um auf diese Weise unterschiedliche Brachestadien zu schaffen.

Hintergrund dieses Konzeptes ist, dass das Braunkehlchen für seinen Nestbau vorrangig mehrjährige Brachen präferiert. Durch dieses Rotationsprinzip soll es den Vögeln in wenigen Jahren möglich sein, zwischen einer einjährigen, zweijährigen oder dreijährigen Brache "wählen" zu können. Zudem soll es Prädatoren wie Füchsen oder Waschbären erschwert werden, die Nester der Braunkehlchen ausfindig zu machen. Rund 60.000 Euro lässt sich das NGP diese Maßnahme kosten.

"Ob die in diesem Jahr großflächig getroffenen Maßnahmen ihre Wirkung erzielen, wird sich erst in den nächsten zwei bis drei Jahren zeigen", weiß Euler. Aber er ist optimistisch, dass die Braunkehlchen, die jetzt im Winter über 5.000 Kilometer weit weg sind, die Lüderaue im Frühjahr wieder finden werden. (nb/pm) +++


 

 
 

 



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