- Fotos: Schweißhundstation Fulda

KÜNZELL "Im Zwinger lagern bei uns die Gartengeräte"

Bei Jagd- und Wildunfällen sind Fuldas Schweißhunde im Einsatz

18.01.23 - Das Thema Jagd spaltet die deutsche Bevölkerung: Während sie für die Einen eine Notwendigkeit ist, um Tierpopulationen zu regulieren und das natürliche Ökosystem in Balance zu halten, stellt sie für die Anderen eine Form der Tierquälerei oder gar des Mordes dar. Konträre Ansichten beiseite: Die Jagd auf Wildtiere in Deutschland findet statt.

Und wenngleich es für Jäger und Jagdpächter klare gesetzliche Vorschriften gibt, passieren jährlich zahlreiche Unfälle, bei denen ein Tier nicht - wie vorgesehen - erlegt wird, sondern verwundet flüchtet. Das bedeutet oft Qualen für das Wild, das manchmal nur Minuten, aber in vielen Fällen auch erst Stunden oder gar Tage später seinen Verletzungen erliegt. Um derartige Szenarien zu verhindern, werden in der Jagd sogenannte "Schweißhunde" eingesetzt. Sie betreiben nach Jagd-, aber auch nach Verkehrsunfällen die Nachsuche nach den verletzten Tieren. Zu Beginn des Jahres 2023 haben sich nun auch fünf Gespanne aus Fulda und Umgebung offiziell zusammengeschlossen und bilden seitdem die "Schweißhundstation Fuldaer Land".  

An einer langen Schleppleine gehen die Hunde auf die Suche

Ein bayerischer Gebirgshundwelpe. Diese Rasse ist eine von drei Rasse mit dem besonderen ...

Die Hunde tragen spezielle Sicherheitswesten, damit sie durch Angriffe verwundeter ...

100 bis 200 Nachsuchen pro Jahr

Ganz neu ist der Gedanke nicht. Die nun vereinten Gespanne sind bereits seit vielen Jahren auf Nachsuche in der Rhön unterwegs, arbeiten dabei stets eng zusammen und sind auch damit nicht allein. "Es gibt auch andere Jagdhunde, die eingesetzt werden", erklärt Uwe Witzel, einer der Hundeführer der Fuldaer Schweißhundestation, im Gespräch mit O|N. "Doch unsere Hunde sind speziell für die Nachsuche ausgebildet und dafür möchten wir sensibilisieren." Mit etwa 100 bis 200 Nachsuchen im Jahr pro Gespann seien sowohl die Hunde als auch er und seine Kollegen als Hundeführer äußerst erfahren und hätten somit auch größere Chancen, verletzte Wildtiere zu finden, als gewöhnliche "Vollgebrauchshunde". 


Nachsuche ist nicht NachTsuche

Passiert ein Jagd- oder Wildunfall, können Jäger oder Autofahrer die Station kontaktieren und die Nachsuche beginnt, je nach Unfallzeitpunkt, entweder schon kurz darauf oder einige Stunden später. Bis auf begründete Ausnahmefälle jedoch niemals in der Dunkelheit. "Nachsuche bedeutet nicht NachTsuche", sagt Witzel. Denn in der Dunkelheit seien die Sicherheit des Nachsucherfolgs, aber vor allem auch die der Schweißhundeführer und ihrer Spürnasen gefährdet. "Wir möchten das verletzte Tier möglichst schnell erlösen und auch unsere Hunde schützen. Da spielt der Tierschutzgedanke eine ganz große, zentrale Rolle." Die Schweißhunde tragen daher richtige Schutzwesten, denn vor allem verletztes Schwarzwild geht durchaus auch mal auf sie los.

Als echte Familienhunde kommen sie natürlich auch mit auf Reisen

Umfangreiche Ausbildung für Hund und Halter

Drei Hunderassen sind für die Aufgabe der Nachsuche in besonderem Maße geeignet: Der Hannoversche Schweißhund, der Bayerische Gebirgsschweißhund und die Alpenländische Dachsbracke. Sie alle eint ein besonders guter Riecher, denn der "Schweiß" in der Bezeichnung steht in der Jägersprache für das Blut des Wildes. Ihre Arbeit fußt auf einer umfassenden Ausbildung, wie Witzel erklärt.

Die beginnt bereits im Welpenalter und dauert rund ein Jahr. Konkret lernen die Vierbeiner dabei, wie sie die Stelle des Anschusses finden, Fährte aufnehmen - die ist im Übungsfall meist bis zu 1.000 Meter lang und liegt bis zu 24 Stunden. Und sie trainieren auch, wie sie im Falle eines erfolgreichen Auffindens des verletzten Tieres reagieren müssen. Geprüft werden stets sowohl Hunde als auch Hundeführer, weshalb auch Leinenführigkeit und die Interaktion von Hund und Halter betrachtet werden. Jedes Gespann muss ein eingespieltes Team sein. 


Dogs with jobs: Familienmitglieder und geschickte Spürnasen

Uwe Witzel mit einem Wurf Schweißhunde

"Dog with job", so nennt Uwe Witzel seine Vierbeiner scherzhaft. Denn für ihn und seine Kollegen sind die Hunde vornehmlich keine Nutztiere, sondern Familienmitglieder wie bei jedem anderen Hundebesitzer auch. Mit nur einem Unterschied: Sie haben in der Nachsuche einen wichtigen Job und für den sei eben gerade eine solche Bindung wichtig. "Wenn man so eng mit einem Tier zusammenarbeiten will, muss man die auch haben. Unsere Hunde fahren mit uns auf die Einsätze und abends liegen sie dann mit uns auf dem Sofa", sagt er. Im Zwinger lebt bei ihm und den anderen vier Fuldaer Schweißhundführer keines ihrer Tiere. "Ich habe zwar einen, aber da lagere ich nur meine Gartengeräte."

"Wir möchten eine anständige, moralisch vertretbare Arbeit machen", beschreibt Witzel den Hauptantrieb der Fuldaer Schweißhundeführer. Daher sei es ihnen auch wichtig, dass es eine klare, rechtliche Grundlage für das Jagen gibt, die den Tieren unnötiges Leid erspart. Kritische Stimmen nimmt er durchaus oft wahr und schenkt ihnen auch ein offenes Ohr, wünscht jedoch im Gegenzug ebenfalls Offenheit. Denn letztlich stehe nicht nur bei den Jagdkritikern, sondern auch bei den Schweißhundeführern eines ganz klar im Fokus: Das Tierwohl.

Weitere Informationen sowie eine Übersicht aller beteiligten Gespanne sind zu finden auf der Homepage der Schweißhundstation. (Sabrina Teufel-Hesse)+++


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