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- Fotos: Axel W. Hofmann

28.09.11 - LAUTERBACH

Drei weitere Stolpersteine zum Gedenken ermordeter jüdischer Mitbürger

Es war am früheren Mittwochmorgen nur eine kleine Handvoll Offizieller und etwa 30 Studierende der Schule für Sozialpädagogik, die bei trüben und nebligem Wetter zunächst in der Vogelsbergstraße 10 und dann in der Bleichstraße 12 dem Verlegen von drei weiteren Stolpersteinen zum Gedenken an ehemals hier wohnhafte jüdische Mitbürger beiwohnten. Diese waren von den Nationalsozialisten ermordet worden.

Lauterbachs Bürgermeister Rainer Vollmöller, der katholische Pfarrer Heinrich Schäfer, Jutta Heß von der evangelischen Kirchengemeinde, Dekan Stefan Klaffehn, der emeritierte Erziehungswissenschaftlicher und Büchereileiter Professor Dr. Karl-August Helfenbein, Hannelore Pfeifer, Stadtjugendpfleger Andreas Goldberg, Hans-Heinrich Graue und eine Stadtverordnete der Grünen verfolgten aufmerksam, wie Künstler Gunter Demnig zunächst in der Vogelsbergstraße im Gedenken an Minna Strauss geborene Bechthold und Samuel Strauss II sowie in der Bleichstraße in Erinnerung an Jenny Oppenheimer geborene Baumann die markanten Namenszeichen in den Bürgersteig einließ. Anka Hirsch spielte dazu ein jiddisches Lied,

Hannelore Pfeifer legte nach Verlegung der Gedenksteine an jedem eine rote Rose nieder. Ihr verstorbener Mann Thilo Pfeifer, ehemaliger Sonderschulrektor in Herbstein, aktiver Gewerkschaftler und bei den Naturfreunden aktiv, hatte sich zu Lebzeiten auf diesem Gebiet besonders engagiert. Den angehenden Erzieherinnen und Erzieher mit ihrem Lehrer Norbert Ludwig, die erst seit wenigen Wochen die Schulbank drücken und sich an der Vogelsbergschule ausbilden lassen, lasen in verschiedenen Sprachen nachdenkenswerte Sätze zur Erinnerung an die nationalsozialistischen Gräueltaten vor. Die Schülerinnen und Schüler legten dabei auch eine Weltkugel zu ihren Füßen nieder und ließen Luftballons aufsteigen.

In Lauterbach gibt es mittlerweile rund 30 solcher Stolpersteine, die an das Schicksal hier ehemals wohnender Juden erinnern - die dann alle ermordert wurden oder auf unbekannte Art und Weise verschwanden. Von Lauterbach aus wurde niemand in ein Vernichtungslager deportiert, so erzählte Zeitzeuge Professor Helfenbein gegenüber "osthessen-news". Die meisten versuchten vor dem Judenmord in Frankfurt oder im Rheinland in eine größere Anonymität "abzutauchen", um so den Anfeindungen von Mitbürgern zu entgehen. Auch in Lauterbach gab es während der NS-Zeit an den Türen der Geschäfte schon Hinweisschilder, dass Juden hier nicht erwünscht waren.

Mittlerweile sind bundesweit in über 600 Städten und Gemeinden über 30.000 Stolpersteine verlegt worden. Die Verlegung zusätzlicher Stolpersteine in Lauterbach wird besonders von der "Initiativgruppe Stolpersteine" weiter forciert; zumal diese auch Geld kosten. Norbert Ludwig versucht,, das Schicksal weiterer in Lauterbach früher lebender Juden zu erforschen, um ihrer dann würdig zu gedenken.

Am Abend vor der Verlegung hatte es im evangelischen Gemeindehaus in Lauterbach eine Diskussionsrunde mit einem Vortrag von Gunter Demnig gegeben, bei der dieser die Entwicklung des Projektes und den künstlerischen Werdegang erläuterte. Allerdings: in der Kreisstadt gibt es auch einige Kritiker, die offen diese Form des Gedenkens ablehnen (awh) +++








































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