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16.02.13 - REGION

„Gottesdienst ist Gottes Dienst für uns" - Fastenhirtenbrief Bischof ALGERMISSEN

„Christliche Liturgie ist zuallererst eine Tat Gottes, Gottesdienst ist Gottes Heilsdienst an Mensch und Welt", schreibt der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in seinem diesjährigen Fastenhirtenbrief an die Gemeinden seiner Diözese. Laut der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, an deren 50-jähriges Jubiläum der Oberhirte erinnert, ist die Feier des Gottesdienstes „Vollzug des Priesteramtes Christi", der durch sinnenfällige Zeichen die Heiligung und damit das Heil der Menschen bewirke.Die Aktivitäten der Kirche und das Leben in den Pfarrgemeinden seien vielfältig, aber frage man danach, was denn die wesentlichste all dieser Aktivitäten sei, wäre die Antwort: die Feier des Gottesdienstes.

„Der Gottesdienst ist das Nervenzentrum der Kirche und zugleich der höchste Ausdruck ihres Wesens", betont der Bischof in seinem Hirtenbrief, der am ersten Fastensonntag in allen Gottesdiensten verlesen wurde. Die Feier der Liturgie werde in der Liturgiekonstitution bezeichnet als „der Gipfel, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt".Als der selige Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil einberief, ging es ihm um das „Aggiornamento", um die „Heutigmachung" der Kirche und ihres Lebens, damit auch die Menschen einer gewandelten Zeit den Glauben an Christus bewahren und dadurch das ewige Heil erlangen könnten. „Keineswegs ging es dem Papst um eine Angleichung von Glaube und Leben der Kirche an den sich stets wechselnden Zeitgeist", unterstreicht Bischof Algermissen.

In diesen Prozess gehörte auch die Erneuerung des Gottesdienstes. Dass sich das Konzil der liturgischen Erneuerung annahm und als erste Frucht seiner Arbeit bereits ein Jahr nach seiner Eröffnung, am 4. Dezember 1963, die Liturgiekonstitution erscheinen konnte, sei lange vorbereitet gewesen. Schon mehrere Jahrzehnte gab es, insbesondere in Deutschland, eine Liturgische Bewegung, deren Ziel es war, Verkrustungen aufzubrechen und Fehlentwicklungen zu korrigieren, die sich im Lauf der Zeit auch in das gottesdienstliche Leben eingeschlichen hatten.

„Einer der größten Erneuerer der Liturgie vor dem Konzil war Papst Pius XII.", hebt der Bischof hervor. Papst Pius XII. habe es die Kirche zu verdanken, dass der wichtigste Gottesdienst im Jahr, die Feier der Osternacht, wieder auf ihren richtigen Platz gekommen sei und nicht mehr am Morgen des Karsamstags fast ohne jede Beteiligung des christlichen Volkes gefeiert werde. Es sei dem Konzil um die Erneuerung der Liturgie, nicht um eine neue Liturgie gegangen, fährt Algermissen fort. „Wenn sich dann in den Folgejahren nach dem Ende des Konzils manches Problematische in den Gottesdiensten breit machte, ja sogar den Kern der Liturgie verdunkeln konnte, hat das mit dem Konzil selbst und seinen Aussagen zur Liturgie nichts zu tun."

Erneuerung – nicht Anpassung an den Zeitgeist

Im Lauf der Zeit sei die Rolle des Priesters in der Messfeier derart entscheidend geworden, dass er „die Messe hielt", wie man heute noch oft höre. Die Gläubigen seien Zuschauer dessen gewesen, was der Priester am Altar sprach und tat, kaum Mitfeiernde. Auch habe es im Ritus der Messe selbst Verbesserungsbedarf gegeben: „Die Ordnung der Lesungen verlangte nach einer Ausweitung und Korrektur, der Friedensgruß und die Brechung der Hostie waren durcheinander geraten und manch anderes mehr, dessen wir uns heute gar nicht mehr bewusst sind." Bei der Erneuerung der Liturgie sei es vor allem darum gegangen, gemäß dem Kriterium der Wahrhaftigkeit und dem wirklichen Wesen der Liturgie diese von Fehlentwicklungen zu reinigen. Daneben sollten die gottesdienstlichen Zeichen von den Gläubigen auch verstanden werden: „Dazu musste den verschiedenen Muttersprachen viel mehr Raum gewährt werden."

Zuallererst handle Gott im Gottes-Dienst „durch Christus, unseren Herrn", wie in der Liturgie gebetet werde. Dann erst antworte der Mensch seinem Gott in Lobpreis, Bitte und Fürbitte. Bischof Algermissen macht deutlich: „Der Dienst Gottes an Mensch und Welt setzt die Gläubigen erst in die Lage, auf das Heilshandeln Gottes zu antworten. Darum ist die würdige Feier der Liturgie für alle, die an Christus glauben, eine absolute Notwendigkeit, wird doch darin das ewige Heil gewirkt." Nicht primär um die Ableistung einer Dankesschuld gehe es beim Gottesdienst, nicht um Gott die ihm gebührende Ehre zu erweisen, sondern darum, im und durch den Gottesdienst Gottes unendliches Heil zu empfangen, denn darin bestehe die Ehre Gottes, dass der Mensch zur Fülle des Lebens gelange. „Wer dem Gottesdienst in seinem Leben nicht den gebührenden Platz einräumt, der schadet sich selbst, so wie ein Kranker, der lebensnotwendige Medikamente nicht zu sich nimmt." In der Liturgie gehe es um die Begegnung mit dem ganz Heiligen und Absoluten, von dem die Offenbarung sage, dass er die Liebe in Person sei.

Alles Unwürdige, was dieser Begegnung im Wege stehe, müsse deshalb aus der gottesdienstlichen Feier verschwinden.Leider gebe es auch unwürdig gefeierte Gottesdienste. Messfeiern würden unter irgendein Thema gestellt, obwohl die Messe als Feier des Erlösungsopfers so sehr sich selbst Thema genug sei, dass kein anderes dazukommen könne. Die Bibel werde als „Steinbruch von Textstellen" missbraucht, um den Menschen irgendetwas beizubringen oder sie „zu einer guten Tat zu bewegen". Im Gottesdienst gebe es laut Bischof Algermissen jedoch nur ein einziges Thema: „Gott der Vater schenkt uns seinen Sohn zur Erlösung der Welt und zum ewigen Leben der Menschen". Wenn Gott aber höchstens am Rande erwähnt werde, sei die Liturgie Menschendienst, der belehren, bewegen oder auch nur unterhalten wolle.

Mitwirkende könnten sich dann profilieren, so dass die Liturgie immer weniger eine Schau der Herrlichkeit Gottes sei, sondern zur „Show" verkomme. „Ihre letzte Ursache haben diese Zerrbilder von Gottesdienst darin, dass Gott mit seinem Heilsdienst für Mensch und Welt nicht zum Zuge kommt; dafür feiern oder problematisieren Menschen sich selbst." Ganz klar habe Papst Benedikt gesagt: „Ich bin überzeugt, dass die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie beruht, die mitunter sogar so konzipiert wird, dass es in ihr gar nicht mehr darauf ankommt, ob es Gott gibt und ob er uns anredet und anhört."Zudem leide der Gottesdienst an den Eigenmächtigkeiten mancher Zelebranten, die durch ihr Tun nicht nur die Solidarität mit den Mitbrüdern und den Gehorsam dem Bischof gegenüber verletzten, sondern auch Gläubige verunsicherten. „Solche eigenmächtigen Eingriffe waren nicht nur früher verboten, sie sind es nach wie vor!", stellt der Bischof heraus.

Anforderungen an künftige Gottesdienstfeiern

Die Liturgie habe sich immer gewandelt, weil die gläubigen Menschen sich mit den Zeiten änderten, nicht aber der Glaube selbst, fährt der Oberhirte fort. „Der Kern der Eucharistiefeier, der auf Christus selbst zurückgeht, muss hinter allem Wandel fest dastehen." Wie der Gottesdienst der Zukunft gefeiert werde, hänge in ganz entscheidendem Maße von der Glaubenskraft der Menschen von morgen ab. „Wenn die Schar der Gläubigen auch viel kleiner sein wird, wenn diese weniger Gewordenen aber ihr Leben nach dem Evangelium ausrichten, wird auch der Gottesdienst dieser kleiner gewordenen Kirche eine lebendige und schöne Wirklichkeit sein, die rundum stimmig ist."„Die Liturgie muss so gefeiert werden, wie es ihr Wesen als Gottesdienst verlangt", fordert der Bischof. Der dreifaltige Gott und seine Ehre müssten im Zentrum stehen, nicht der Mensch. „Gott braucht nicht unsere feierlichen Gottesdienste, wir brauchen sie."

Der dreieine Gott müsse also in den Gottesdiensten, die wir Menschen zu seiner Ehre feiern, zu spüren sein. Das geschehe dann, wenn die Feiernden mit ihren Sinnen wahrnehmen könnten, dass etwas ganz anderes geschehe als das, was zum Alltag gehöre. „In der liturgischen Feier bricht eine andere Welt, der Himmel selbst, in unsere so gewöhnliche Alltäglichkeit ein; Gott ist da und mit ihm auch die Gottesmutter, alle Engel und Heiligen sowie unsere verstorbenen Angehörigen, die uns in die Welt Gottes vorausgegangen sind." Wenn wir diese Gegenwart verspürten, erführen wir Trost und Aufrichtung in der liturgischen Feier. Dann sei der Entlassungsgruß „Gehet hin in Frieden" wirklich wörtlich zu nehmen, denn „wir gehen hinaus in unsere Alltagswelt, gestärkt durch Gottes Wort und das heilige Sakrament".Dazu brauche es das Einhalten des Gehorsams gegenüber den verbindlichen Vorgaben der amtlichen liturgischen Bücher. „Keine eigenmächtige Formulierung oder Geste des Zelebranten kann den großen Geist der Jahrhunderte atmen, wie ihn die Gebete und Riten haben, die in unserem Messbuch vorgesehen sind."

Auch sei alles zu unterlassen, was den Glauben der Mitfeiernden in irgendeiner Form verunsichern könnte. Manches selbst erfundene Wort oder Gebet, mancher aus dem Internet bezogene Text bringe den Glauben der Kirche keineswegs vollständig oder richtig zum Ausdruck.„Keine andere liturgische Feier kommt in ihrer Würde und in ihrer Bedeutung für das Heil der Menschen an die heilige Messe heran. Sie lässt das Opfer des Kreuzes durch die Jahrhunderte andauern, und wir Menschen schließen uns diesem Opfer unseres Hohenpriesters Christus an." Die heilige Messe sei „das Sakrament huldvollen Erbarmens, das Zeichen der Einheit, das Band der Liebe, das Ostermahl, in dem Christus genossen, das Herz der Gläubigen mit Gnade erfüllt und das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird", wie die Liturgiekonstitution lehre. „Darum wird es in unserem Bistum, so lange es eben geht, an den Sonntagen keine priesterlosen Wortgottesfeiern anstelle der heiligen Messe geben", betont Bischof Algermissen.

Berufung der Laien zum liturgischen Dienst

Wenn werktags statt der heiligen Messe Wortgottesfeiern angeboten würden, müssten die Leiter dieser priesterlosen Gottesdienste entsprechend ausgebildet und mit den Anforderungen liturgischen Handelns vertraut gemacht werden. Auch eine feierliche Liturgie, der ein Priester vorstehe, brauche viele Mitwirkende. Nicht nur geweihte Personen und auf die Weihen zugehende Seminaristen handelten in der liturgischen Feier, auch Laien übernähmen wirkliche liturgische Dienste, so Messdienerinnen und Messdiener, Lektorinnen und Lektoren, Frauen und Männer in den Diensten des Kommunionhelfers, des Kantors, des Gesangs in den Kirchenchören.„Ich bin davon überzeugt, dass es auch für die liturgischen Dienste der Laien so etwas wie eine Berufung durch den Heiligen Geist gibt. Wer sich nicht scheut, vor einer großen Gemeinde die Heilige Schrift vorzulesen, einen Psalm vorzusingen, dem Priester bei der Austeilung der Heiligen Kommunion zu helfen, der hat ein Charisma, eine besondere Gnadengabe erhalten, die nicht jedem Gläubigen gegeben ist."

Nicht zuletzt versehe die gesamte zur Feier versammelte Gemeinde einen liturgischen Dienst. Die zum Gottesdienst versammelten Gläubigen seien keine Besucher, sondern trügen ihre Feier mit, auch wenn sie keinen besonderen Dienst übernähmen. „Darum lege ich allen Verantwortlichen ans Herz, die Gläubigen immer wieder mit der Liturgie, mit ihren Worten, Gesten und Symbolen vertraut zu machen." Die Einführung in die heiligen Geheimnisse sei ein Bekanntmachen mit der Person und dem Werk Jesu Christi ganz eigener Art. Sie wolle den ganzen Menschen, nicht nur seinen Verstand ansprechen und ihn ganz durchdringen und prägen. Das „Jahr des Glaubens" solle den Gemeinden des Bistums helfen, die Mystagogie wieder zu entdecken als Hinführung zum Glauben, der Orientierung und Halt sei. Auf das „Aha-Erlebnis" komme es an: „Der Priester tut dieses und jenes, er handelt so und so an mir und den anderen Gläubigen, weil es um meine und ihre Sache mit Christus geht, weil sich darin mein und ihr Heil verwirklicht."

Es sei die staunende, trostreiche und aufrichtende Realisierung der Heilsgegenwart Gottes im liturgischen Geschehen, zu der jener Gläubige fähig sei, der in die Geheimnisse der Erlösung eingeführt wurde. „Meine Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, ebenso die in der Seelsorge tätigen Schwestern und Brüder möchte ich ermutigen und motivieren, die heiligen Zeichen der Liturgie selbst geistlich zu durchdringen, sie für sich neu zu entdecken und durch Fortbildungsmaßnahmen, Predigten und Katechesen allen Schwestern und Brüdern im Glauben weiterzuschenken." Die Liturgie werde dann zur lebendigen Mitte allen kirchlichen Tuns, weil darin die heiligende und heilende Gegenwart des lebendigen Gottes erfahren werde.

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Der Hirtenbrief wird am 24. Februar im Wortlaut vollständig im „Bonifatiusboten" abgedruckt und ist seit heute auch im Internet unter www.bistum-fulda.de abrufbar. Ferner besteht die Möglichkeit, einen Tonträger mit dem Hirtenbrief über die Bischöfliche Pressestelle, Paulustor 5, 36037 Fulda, Tel. 0661/87-355, Fax 0661/87-568, E-Mail: presse@bistum-fulda.de, zu beziehen.+++

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