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04.08.13 - NACHGEDACHT (30)

"Ich will glücklich sein" - Gedanken von Christina LEINWEBER

Nach was streben wir eigentlich unser ganzes Leben? Und ist Streben gut und gesund für uns oder ist es vielleicht sogar schädlich? Ganz oben in der Liste steht bestimmt das Streben nach Glück. Was für ein erstrebenswertes Ziel für ein Leben - "Ich will glücklich sein" - das hört man oft. Und was verstehen wir unter "Glück" oder "glücklich"? Ein Lottogewinn, Gesundheit, Geld,...? Ziemlich schwer eigentlich, diesen komplexen Begriff "Glück" in Worte zu fassen. Glück ist zudem noch ein sehr abstrakter Begriff. Damit wird er ziemlich unerreichbar. Und macht ihn das vielleicht auch gerade deswegen so erstrebenswert, weil er so schwer zu greifen und zu erreichen ist? Jedenfalls ist ein vierblättriges Kleeblatt - das Glückssymbol schlechthin - schwer zu kriegen. Warum machen wir uns das Glück so unerreichbar und nehmen nicht ein Symbol, das viel leichter zu finden ist? Zum Beispiel Gänseblümchen.

Ist es denn nicht auf Dauer ungesund, etwas zu wollen, das schwer zu erreichen ist? Wenn wir Streben, sollte unser Ziel dann erreichbar sein oder gewinnt es gerade erst an Wert, weil es so unerreichbar ist? Ehrlich gesagt finde ich den Begriff "Ich will glücklich sein" ziemlich überfordernd. Erst einmal steht er nur so im Raum - und dann ist er ziemlich hoch angesetzt. Warum reicht denn nicht Zufriedenheit? Warum muss es gleich Glück sein? 

Vielleicht ist es besser und gesünder, "Glück" in konkrete Worte zu fassen - ihm einen konkreten Namen geben. Und auf jeden Fall dadurch greifbarer und erreichbarer zu machen. Zum Beispiel: "Wenn ich auf einer grünen Wiese liege und die Sonne scheint, erlebe ich Glück." Und zack - schon kommt das Glück ganz einfach, denn auf einer Wiese liegen kann man ganz schnell. Oder: "Wenn ich mit meinen Freunden die ganze Nacht zusammensitze, gut esse und mich unterhalte, bin ich glücklich." Damit kann man doch was anfangen. Glück kann man portionieren, häppchenweise für sich selbst definieren und dann auch erleben. In Fausts Goethe sagt Gott zum Teufel: "Es irrt der Mensch, solang er strebt." Das passt doch ganz wunderbar: Ich glaube, wir irren ganz oft, indem wir uns manchmal mit unserem eigenen Streben unglücklich machen, weil wir es in ungesunder Höhe ansetzen. (Christina Leinweber) +++

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ZUR PERSON: Christina Leinweber, 1988 geboren in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologiestudium für sie vorbestimmt und beschlossen. Es ging dann für vier Jahre Studium in die nächste Bischofsstadt Paderborn - inzwischen hat sie ihr 1. Staatsexamen in der Tasche. Gleichzeitig ist sie Mitarbeiterin bei osthessen-news.de, bezeichnet sich selbst als liberal-theologisch und kommentiert (seit 30 Wochen) in der neuen Serie "NACHGEDACHT" Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht. +++

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