BIEBERSTEINDoppel-Jubiläum

Ereignisvolle Geschichte von Schloss Bieberstein in drei Jahrhunderten

02.05.14 - Gleich ein „doppeltes Jubiläum" wird in diesen Tagen auf Schloss Bieberstein begangen: Vor 300 Jahren wurde das Barockschloss gebaut, seit 110 Jahren hat die Hermann-Lietz-Schule in den historischen Gemäuern ihren Sitz. Doch die Geschichte reicht noch viele weitere Jahrhunderte zurück: Ursprünglich im 12. Jahrhundert von Abt Marquard von Fulda als Burganlage zum Schutz vor den Raubrittern errichtet, diente Bieberstein ab dem ausklingenden 13. Jahrhundert wahrscheinlich auch als Sitz der Amts- und Gerichtsverwaltung für die umliegenden Dörfer, Höfe und Mühlen. Mehrfach wurde die Burg von Feinden des Stifts belagert, doch niemals eingenommen. Der 30-jährige Krieg ging allerdings nicht spurlos an der Burg vorüber.

Daher ließ der Fürstabt Kardinal von Baden die Burg im Jahr 1672 wieder instand setzen. Nur knapp 40 Jahre später entschloss sich Fürstabt Adalbert von Schleifras, die alte Burg abzureißen und an ihrer Stelle ein neues Schloss zu errichten. Erfasst vom damaligen Zeitgeist, wünschte sich der Fürstabt ein imposantes Bauwerk, das auch zur Repräsentation dienen konnte – damit wurde der Grundstein für die bis heute währende Geschichte Biebersteins gelegt. Die Pläne für das neue Schloss wurden von dem berühmten Bamberger Baumeister Johann Dientzenhofer angefertigt, die Ausführung oblag dem Maurermeister Johannes Kahlenberger aus Eichenzell. Im Jahr 1714 wurde das Barockschloss schließlich fertiggestellt, das von den Fürstäbten zu Fulda als Sommerresidenz genutzt wurde.
Mit Beginn der Säkularisierung 1802 verlor Bieberstein immer mehr an Bedeutung und wurde nach und nach ein einsames, verlassenes Bergschloss. Von 1802 bis 1806 war es in Besitz von Oranien-Nassau, im Anschluss unterstand es bis 1810 französischer Militärverwaltung, wurde dann dem Großherzogtum Frankfurt zugeordnet und 1813 dem österreichischem Besitz überlassen.

Nach dem Wiener Kongress ging das Schloss 1815 an Preußen, das es mit Kurhessen gegen rheinische Gebiete eintauschte. Bis 1866 verblieb das Schloss im Besitz von Kurhessen und wurde danach erneut Preußen zugeordnet. Schließlich wurde Bieberstein mehrfach in private Hände verkauft.Im Jahr 1904 nahm schließlich eine ganz neue Epoche in der Geschichte des Schlosses ihren Anfang: Der Begründer der deutschen Landerziehungsheime, Hermann Lietz, hat das Schloss für 120 000 Mark erworben und im Sinne seiner Reformpädagogik umgebaut. Bis heute ist auf Schloss Bieberstein die gymnasiale Oberstufe der Hermann-Lietz-Schulen untergebracht.


Schloss Bieberstein heute

Insgesamt 125 Schülerinnen und Schüler leben heute auf Schloss Bieberstein. Betreut werden sie von 30 Pädagogen sowie 30 weiteren Mitarbeitern. Ursprünglich als reines Jungeninternat gegründet, leben und lernen hier heute weibliche und männliche Schüler. Auch die Internationalität hält Einzug in die altehrwürdigen Mauern: Anerkannt und beliebt ist das deutsche Schulsystem und die intensive Betreuung insbesondere bei jungen Chinesen, von denen heute insgesamt zehn auf Bieberstein leben. Auch Schüler aus der Türkei, Russland, Ägypten und Aserbaidschan besuchen das Internat. Schloss Bieberstein hat sich heute weit über regionale Grenzen insbesondere einen Namen durch die Einführung des bundesweit einmaligen „Bildungsjahres" gemacht: Die Schüler erhalten hier die Möglichkeit, sich ein Jahr lang aus dem Schulalltag auszuklinken und den erlernten Stoff durch hohen Praxisbezug zu repetieren und darüber hinaus soziale Projekte auf der ganzen Welt zu betreuen.

Viele Ehemalige, die Schüler, Pädagogen und Mitarbeiter nutzen die Festwoche auf Bieberstein, um beispielsweise gemeinsam einen internationalen Tag (Mittwoch, 30. April ab 10.00 Uhr) zu feiern, Eltern zu einem Tag der offenen Tür einzuladen oder mehr über die Baukunst von Johann Dientzenhofer zu lernen. Referent hierzu ist Dr. Gregor Stasch, der Leiter des Fuldaer Vonderau-Museums. Interessierte sind zu diesem Vortrag am Donnerstag, 1. Mai 17.00 Uhr in der Kapelle herzlich eingeladen.

Das Wochenende (2. bis 4. Mai) steht dann ganz im Zeichen der Ehemaligen, den so genannten Altbürgern, die sich zu einem großen Fest auf Bieberstein treffen. www.lietz-schulen.de +++


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