VORGESTELLT: Fuldaer Randstaaten (3)
Geselligkeitsverein Nordend: Mehr als nur ein ein Fastnachtsverein

Die aktiven Mitglieder des Geselligkeitsvereins Nordend - Fotos (4): Nordend
03.02.17 - Das Nordend. Bekannt durch seine Tiergruppen bei Rosenmontagsumzügen, den Eisbären im Wappen und ihren außergewöhnlichen Schlachtruf, den so manchen in die Bredouille bringt. Was viele nicht wissen: die Nordendgarde ist die älteste Bürgergarde Fuldas.
„Das Nordend ist alles ab dem Paulustor, also links und rechts der Leipziger Straße“, erklärt Tina Grammann, Vorstandsmitglied des Geselligkeitsvereins Nordend und Schriftführerin. Bei der Initiierung des Vereins 1901 hieß dieser auf Grund seiner Lage an der Leipziger Straße nämlich ursprünglich „Leipziger Gemeinde“. In diesem Jahr fanden sich Männer und Frauen, die Spaß an der Fastnacht hatten, zusammen. Auch der damalige Standortkommandeur der Kaserne in der Maquardtstraße (heute Hochschule Fulda) und einige Handwerksmeister waren bei der Gründung der „Leipziger Gemeinde“ dabei. Der Gründungsort war das „Hohenzollern“. Hohenzoller, was?! „Das Hohenzollern ist das heutige Hotel Lenz“, sagt Grammann, „dort saßen sie gemütlich bei einem Bier zusammen und beschlossen den Verein zu gründen.“
1935 entsteht schließlich das Aushängeschild des Vereins, die Nordendgarde. „Die Garde wurde ursprünglich als ‚Bürgergarde Nordend‘ gegründet und ist somit die älteste Garde Fuldas“, so Grammann, die schon seit Kindesbeinen dem Verein treu ist. Erster Hauptmann in 1935 war der Bäckermeister Alois Hartmann. Damals bestand die „Bürgergarde Nordend“ aus 35 Mann und diese waren überwiegend Handwerksmeister. Heute hat sich die Anzahl der Mitglieder fast verdoppelt. 50 Mitglieder zählt die älteste Garde aktuell. Mittlerweile gibt es auch Frauen in der Nordendgarde, denn wie oben bereits angesprochen, bestand diese ursprünglich nur aus Männern. „Der einzige Unterschied ist, dass die Uniform der Frauen mehr Rot-Anteile, als die der Männer besitzt“, sagt Grammann (siehe Foto). Die grün-roten Uniformen sind sozusagen ein Markenzeichen der Garde und somit Tradition. „Die ersten Uniformen waren rot-grün. Nach dem zweiten Weltkrieg“, so die Gardistin. Anlässlich des 50. Jubiläums, erfüllte sich die „Bürgergarde Nordend“ einen Wunsch und musterten die alten rot-grauen Uniformen aus. Die neuen-alten Uniformen wurden schließlich den original Uniformen nachempfunden.
Ein weiteres „Wahrzeichen“ sind die Eisbären, die zum Nordend gehören wie der Schnee zum Winter. Zum ersten Mal erschienen die „nordischen Tiere“ 1951 im alten Kolpinghaus auf der Bühne. Am Rosenmontagsumzug liefen diese aber erst im Jahre 1977 mit. Mittlerweile gehört der Eisbär auch zum Wappen des Geselligkeitsvereins Nordend und ist daraus auch nicht mehr wegzudenken.
Und jetzt zum wohl kompliziertesten Teil: dem Schlachtruf des Nordends, der einige Tücken mit sich bringt. So heißt es auf der Homepage: „Selbst eingefleischte Karnevalisten stolpern immer wieder über den wahrhaft gefährlichen Zungenbrecher.“ „Wei- Wei“ lautet der „Schlachtruf“, aber warum „Wei-Wei“ und woher kommt dieser Ruf überhaupt? Ein Fuldaer Germanistik-Professor verbrachte seinen Urlaub regelmäßig in Finnland und schilderte in seinen Reiseberichten seine Erfahrungen. Die in der Nähe des Polarkreises wohnenden Lappen und andere Jäger verwenden diesen Ruf, der soviel wie „Freude, Freude“ bedeutet. Daraus ergab sich schließlich in den 30er Jahren der Schlachtruf des Nordends. Doch diesen Ruf im Einklang zu rufen, stellte sich schwierig heraus, da es nicht wie bei anderen Karnevals- und Geselligkeitsvereinen ein Vorruf gab. Ein Beispiel: „Fälsch Foll – Hinein.“ So einigte man sich darauf, dass einer „Dem hohen Norden ein dreifach kräftiges“, rief und die Anderen im Chor , „Wei-Wie, Wei-Wei, Wei-Wie“, antworteten.
Natürlich wird das Nordend jedes Jahr von jemand anderem regiert. Hier heißt der Regent „Fürst“, der von zwei Adjutanten unterstützt wird. „Die Kostüme des Fürsten sind jedes Jahr an das Nordische oder Lappländische angelehnt und individuell gestaltet“, berichtet Tina Grammann. Und das Nordend ist mehr als nur ein Karnevalsverein. So wird jedes Jahr ein Sommerfest veranstaltet, Vereinsfahrten organisiert und ein Gänsessen unternommen, an dem alle 335 Vereinsmitglieder teilnehmen können. (Franziska Vogt) +++
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