VORGESTELLT /7: Fuldaer Karneval-Gesellschaft
Wie im Märchen beginnt die Geschichte der FKG - dennoch: "todernste Sache"

Das war der erste Prinz mit den ersten Adjutanten, dem ersten Präsidenten u... - Fotos (3): Chronik der FKG 1934-1994
23.02.17 - Es war einmal ein prächtiger Thronwagen, auf dem Prinz Törtchen, der I. saß…: Wie ein Märchen beginnt die Geschichte der Fuldaer Karneval-Gesellschaft (FKG) im Gründungsjahr 1934. Doch nicht erst ab diesem Datum besteht die "Fuldaer Foaset": Mehr als 600 Jahre Tradition – darauf können die Narren in der Barockstadt stolz sein. Bis zum Jahre 1880 existierten, zumindest was die Ausrichtung der "Foaset" angeht, noch keine festen Zuständigkeiten. Doch dann wird der erste "Fuldaer Carnevalverein" gegründet, quasi der Vorreiter der heutigen FKG. 1934 war es dann soweit: Erster Prinz, erster Romo, erstes Narrenunglück und die Geburtsstunde der FKG.
Vorgeschichte der FKG
"Die Ursprünge des Fuldaer Heimatfestes liegen im 15. Jahrhundert. Was aber nicht heißt, dass es seit 600 Jahren alle zwölf Monate eine närrische Kampagne samt Prinz und Rosenmontagszug gegeben hat", berichtet der alteingesessene Karnevalist Bernd Heil. Vieles hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert, und die närrischen Aktivitäten von "anno dazumal", also der "Uraltkarnevalisten", haben mit den heutigen Veranstaltungen der FKG nicht viel gemein. Einige Parallelen gebe es trotzdem: "Es geht darum, den Menschen in organisierter Form durch Humor und Komik, Freude in die etwas triste Jahreszeit zu bringen und natürlich gilt es, die Fürstlichkeiten aufs Korn zu nehmen", erklärt Jan Frühauf, Mitglied des RoMo-Ausschusses im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.
Von den Anfängen des Karnevals im Mittelalter ist nicht viel überliefert. Für die Feste gab es lange Zeit keinen regelmäßigen Turnus. Im Februar 1825 wurde beispielsweise von einem Maskenzug durch Fulda berichtet. Auch 1826 und 1828 gab es Umzüge - sogar mit einem karnevalistischen Herrscher. Erst ab 1880 bestanden feste Zuständigen für die "Fuldaer Foaset".Narrenunglück um Prinz Törtchen I. und die Geburtsstunde der FKG
Beim ersten Rosenmontagsumzug in Fulda – der Höhepunkt einer jeden Fastnachtskampagne - hatte Prinz Törtchen (Konditormeister Otto Thiele) Glück im Unglück: Der Umzug damals zog unter anderem über die Leipziger Straße und musste die Eisenbahnunterführungen passieren. Dem Prinzenwagen wurde die Brücke allerdings zum Verhängnis – der Wagen war zu hoch und das bemerkte man zu spät. So wurde der prachtvolle Prinzenthron auf die Straße geschleudert. Prinz Törtchen verließ glücklicherweise seinen Thron zuvor. Auf einmal löste sich beim "Törtchen" der Bann, und er soll gerufen haben "Ihr könnt mich all emo!" - und sie setzten ihre Fahrt fort.
Die heutige FKG
Die "Fuldaer Foaset" wird heute gemeinschaftlich von insgesamt 13 Karnevalsvereinen organisiert, an deren Spitze die FKG mit mehr als 1.000 Mitgliedern steht. Elf Vereine darunter Ostendia, Nordend, Südend, der Türkenbund, Westend, Sickelser Bürgerfastnacht, Kämmerzeller Madde-Biddel, Florengäßner Brunnenzeche, Harmerzer-Carnevalclub, Freizeit- und Carneval Klub (FFCK) und die Aschenberger Wolkenkratzer werden als Randstaaten bezeichnet. Der letzte Verein, der Carnevalverein Petersberg, ist ein Bundesstaat. Neben den Saalveranstaltungen in der Orangerie, im Kolpinghaus und diversen Turnhallen, Pfaarsälen und Bürgerhäusern gibt es Umzüge, darunter der Kinderumzug am Fastnachtssonntag und den größten RoMo-Umzug in Hessen am Montag.
An der Spitze der Fastnacht steht der Prinz, unterstützt von seinen Adjutanten und dem Prinzenmariechen. Prinz Dirk Novus Hotelicus der LXXVI. von Fulda (Dirk Schütrumpf) regiert zusammen mit seinen Adjutanten Andreas Pecks und Volker Bagus sowie Prinzenmariechen Theresa Ihrig in 2016/2017. Jedes Jahr gibt es auch ein Motto, das aktuelle Motto der Kampagne: "Lass die Foaset in dein Herz!". "Es gab auch schon einmal eine Prinzessin sowie ein Prinzenpaar. Generell ist es Tradition, dass Männer in der fünften Jahreszeit herrschen", sagt Heil. "Die Hauptaufgabe eines jeden Prinzen sind die Reden. Der Adjutant hat daneben zu stehen und zu grinsen", lacht Frühauf, der selbst schon Adjutant war. "Nein, natürlich hat man als Adjutant auch andere Funktionen – man passt zudem auf den Kelch und auf das Prinzenmariechen auf", so der 29-jährige weiter.
Prinzensuche
Doch wie findet man eigentlich jemanden für diese ehrenvolle Aufgabe als Prinz? "Über die Zeit gibt es den ein oder anderen Geschäftsmann, der durchblicken lässt, dass er Lust auf dieses Amt hätte. Entweder die Leute melden sich an oder das FKG-Präsidium geht auf die Suche", erläutert Frühauf. Jedem Kandidaten muss allerdings bewusst sein, dass das Prinzenamt neben Spaß und Narretei auch viel Verantwortung, Tradition und einen vollen Terminkalender mit sich bringt. Ein Prinz hat an den Wochenende in der Fastnachtssaison rund sechs Einmärsche pro Abend - manchmal auch mehr.
Prinzenmannschaft
Diese Fülle an Einmärschen kann man auch nur mit einer gut ausgesuchten Prinzenmannschaft bewältigen. "Der Prinz darf sich zwei Adjutanten wählen - das sind meist gute Freunde - und das Prinzenmariechen kann er auch selbst aussuchen. Falls da aber Not am Mann wäre, hilft das Präsidium auch bei der Suche", so Frühauf weiter. Bei den unzähligen Ausmärschen, Veranstaltungen und Einladungen wird die Prinzenmannschaft stets vom Ordonanzoffizier und dem Zeremonienmeister begleitet.
Schlachtruf "Föllsch Foll hinein"
"Der Schlachtruf 'Föllsch Foll Hinein' wurde 1983 das erste Mal gerufen. Damaliger Prinz Günther von Foll XLII. (Günther Elm) hat diesen Ruf gemeinsam mit Carlos Aha kreiert. Das Besondere an 'Föllsch Foll Hinein' ist, dass dieser erst einmal wie üblich der Prinzeigene Schlachtruf war. Vor 1983 hatte jeder Prinz der FKG zu seinem Namen und Motto passend einen persönlichen Schlachtruf", erklärt Heil. "Föllsch Foll Hinein" etablierte sich seitdem als Fastnachsschlachtruf der FKG und der ganzen "Fuldaer Foaset". Es steckt natürlich auch eine Bedeutung dahinter: "Fuldisches Fulda" und das "Hinein" als fröhliche Bereitschaftsbekundung - "da mache wir mit, da wollen wir hin".
Zwar ist die FKG nicht der älteste Verein in der Region, dennoch gibt es allerhand Geschichten zu berichten. Über die Bräuche, Kostüme und die Historie lässt sich ein ganzes Buch schreiben. Für die FKG ist es als Aushängeschild der "Fuldaer Foaset" nicht immer einfach: "Wir haben keine genaue Zugehörigkeit zu einem Dorf oder Stadtteil, wir müssen eine breite Masse ansprechen. Das Publikum erwartet Einiges und die Leute sind durch das Fernsehen verwöhnt", sagt Frühauf. Eins steht aber auf jeden Fall fest und das hat sich auch im Laufe der Zeit nicht geändert: "Fastnacht ist eine todernste Sache", betont Heil. "Wir wollen die Tradition bewahren und eine Öffnung zur Moderne herstellen", ergänzt Frühauf . (Nina Sauer) +++
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