VORGESTELLT - Fuldaer Randstaaten (6)

Fuldaer Südend - Wie die "Südend Neger" zu ihrem Namen kamen


Fotos: Südend -

21.02.17 - Der Karnevalsverein Südend Fulda ist in diesen Tagen in aller Munde. Mitarbeiter der Hochschule Fulda warfen den Karnevalsfreunden Rassismus vor, die „Südend Neger“ weisen diesen Vorwurf jedoch vehement zurück. Aber wie kam der Verein überhaupt zu seinem Namen? Und wann wurde er gegründet? O|N hat sich informiert.

„Baröm gitt’s dä bei euch doa henge im Südend nischt? Doa mösst doch ebbes zo mache sei! Serrt emoa zo, dos de Löck doa henge geschlosse wird!“ Der Zuruf des ehemaligen FKG-Präsidenten August Feldmann legte im Rahmen des 50-jährigen Türkenbund-Jubiläums den Grundstein des Karnevalsverein Südend Fulda. Für Christoph Lieblein und Walter Zimmer kam diese Aufforderung einem Befehl zur Vereinsgrüngründung gleich. Wenige Wochen danach traf man sich bei Lieblein’s zum Schlachtfest, und natürlich ging es wieder um das Thema „De Löck“. Bis spät in die Nacht wurde hin und her überlegt. Wie könnte man sich präsentieren: „Als Schweizer Garde; Spanische Toreros; Bayerische Seppl und Dirndl?“ Wie so oft im Leben half der Zufall! Walter Zimmer blätterte in einem „Ova-Zigarettenalbum“ und er stieß plötzlich einen freudigen Schrei aus: „Ich honns!“

Den erstaunten Anwesenden präsentierte er ein Bild, auf dem die Uniformen der Schutztruppen der deutschen Kolonien in Afrika zu sehen waren. Sein Vorschlag fand allgemeine Zustimmung. Nun begann die Suche nach gleichgesinnten und bald gruppierten sich eine kleine Schar begeistertet Mitstreiter um die beiden Initiatoren. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Mit viel Organisationstalent wurden Tropenhelme beschafft und Bäckerkittel kurzerhand zu Uniformjacken umgearbeitet. Dank des Tatendrangs konnte die erste „Südendmannschaft“ bereits am Rosenmontagszug 1938 mit zwei Wagen teilnehmen. Prinz „Hans der Schnelle“ (Kahrmann) konnte als neue närrische Untertanen eine stattliche Südendmannschaft an deren Spitze Marschall „Christoph“, Gouverneur „Watzi“ und Negerfürst „Wumba“ standen, begrüßen.

In den darauffolgenden Jahren begann man, dem Südend eine organisiertere Struktur zu geben, am 30. Juli 1938 wurde der Verein offiziell gegründet. Angespornt durch den großen Zuspruch der Fuldaer Bürger und Karnevalsvereinen ging es gleich in die Vollen. Eine erste Veranstaltung sollte durchgeführt werden. Gegen manchen Widerstand fand 1939 in sämtlichen Räumen der Orangerie ein Abend mit dem Motto „Unter der Sonne des Südens“ statt. Dieses Fest war ein glänzender ‚Erfolg und ein erster Meilenstein in der Geschichte des Vereins. Im Jahr 1945, als die Amerikaner einmarschierten, wurden alle bestehenden Vereine aufgelöst.


Dem Südend gelang es jedoch bereits zwei Jahre später eine Lizenz zur Wiedergründung zu erhalten. Die Idee, etwas Neues im Südend zu unternehmen, wurde im Sommer 1949 geboren. Einige Mitglieder aus den Reihen der Garde entschlossen sich, einen Fanfarenzug zu gründen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, Instrumente zu besorgen, konnte bereits in der Kampagne 1949/50 eine kleine Schar Spielleute den damaligen Fürsten „Franz von Beton“ musikalisch durch die Fastnacht begleiten. Unter der Leitung von Rudi Shuhej wurde die neue musikalische Attraktion aus dem Südend frenetisch begrüßt. Heute besteht das Südend, neben seinen Fürstlichkeiten und dem Spielmannszug, unter anderem aus den Minis, einer Tanzgarde und auch den Powerfrauen. (mr) +++

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