"Buntes Treiben"

Rhöner Maskenausstellung: Schlappmaul, blaue Jüd und Bartmänner


Foto: Marion Eckert - Bis Aschermittwoch wird die Ausstellung „Buntes Treiben – Masken aus der Rhön“ im Biosphären-Infozentrums "Haus der Langen Rhön" zu sehen sein. Das Bild zeigt von links: Bürgermeisterin Birgit Erb, Dr. Astrid Hedrich-Scherpf und Michael Dohrmann.

08.01.18 - Noch stehen die Weihnachtsbäume in vielen Wohnzimmern und die Heiligen Drei Könige habe gerade noch dem Kind in der Krippe ihr Aufwartung gemacht, da wird in Oberelsbach schon das närrische Treiben eingeläutet. Die neue Ausstellung im Haus der Langen Rhön trägt den Titel „Buntes Treiben – Masken aus der Rhön“ und zeigt einen Querschnitt der historischen Rhöner Fasnachtsmasken.

In Zusammenarbeit mit der Kulturagentur des Landkreises Rhön-Grabfeld wurde die Ausstellung ausgewählt. Michael Dohrmann der Leiter des Biosphären-Infozentrums "Haus der Langen Rhön" dankte Dr. Astrid Hedrich-Scherpf für die unkomplizierte Kooperation. Nachdem in diesem Jahr die Rhöner Maskenfastnacht nicht stattfindet, soll dennoch der Brauch präsentiert werden.

Michael Dohrmann lebt seit 20 Jahren in der Rhön, in dieser Zeit habe er erlebt, wie das Brauchtum auflebte und an Bedeutung gewann. Die Stroh- und Spannmänner sowie die blauen Jüden und Fosenöchter außerhalb der relativ geordnet ablaufenden Maskenfastnacht zu erleben, sei nicht immer die reine Freude. Wildheit und ungezügelte Energie finden ihr Ventil, wenn man ihnen in die Hände falle. Gesitteter geht es da freilich in der Ausstellung zu, die gut 35 Masken zeigt. Der Landkreis Rhön-Grabfeld sei mittlerweile im Besitz von über 60 Masken, zwei Neuerwerbungen aus Privatbesitz von Oberelsbachern können erstmals öffentlich gezeigt werden. Für die Ausstellung traf die Leiterin der Kulturagentur eine Auswahl, die sich in fünf Kategorien einteilen lässt: Sonderformen, Frauenmasken, Blaue Jüd, Stroh- und Bartmänner und historische Masken. Unter den Sonderformen findet sich das „Schlappmaul“, aber auch „Aaron“ und „Mose“. Hierbei handelt sich es um Maskenformen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstmals auftreten und der Vermutung nach aus einem biblischen Theaterstück stammen, das den Auszug der Israeliten aus Ägypten zum Thema hatte. Hier sei auch der „Blauer Jüd“ anzusiedeln, doch nachgewiesen werden konnte es bislang nicht. Weitere Forschungen seien notwendig, um den Ursprüngen vielleicht doch noch auf die Spur zu kommen.

Die ältesten Masken, die in der Ausstellung gezeigt werden stammen aus den Jahren 1830 und 1850, sie zeigen deutlich Einflüsse des Barock und Biedermeier. Verschiedene Ausprägungen der Span-, Stroh und Bartmänner werden gezeigt, die erst im nebeneinander ihre detailreiche Gestaltung deutlich werden lassen. So bietet die Ausstellung dem Betrachter die Möglichkeit in Ruhe, sich mit der Geschichte und Entwicklung zu befassen. Informationstafeln und eine kartografische Übersicht sowie großformatige Aufnahmen ergänzen die Präsentation.

Die Rhön mit ihren Holzmasken ist der nördlichste Bereich Deutschlands, in dem es Holzmasken gibt. Walter Stolle und Elke Böhm haben sich dem Thema bereits in der Vergangenheit mit Publikationen gewidmet. Aus ihren Büchern sind auch die Bilder der Ausstellung entnommen worden. Auch das Deutsche Fastnachtmuseum ist mittlerweile auf die Masken aus der Rhön aufmerksam geworden, ebenso wie der Fastnachtverband Franken, der in diesem Jahr den Orden für die fördernden Mitglieder mit dem Unterelsbacher Fosenöchter versehen hat.

Bürgermeisterin Birgit Erb ist stolz auf diese Entwicklung und verweist ihrerseits auf den Bayerischen Heimatpreises, Unterfranken für die Maskenfastnacht. Der Markt Oberelsbach werde die weitere Forschungsarbeit zu diesem Brauchtum mit unterstützen, sicherte Erb zu. „Ich denke, die nächsten Jahre werden sehr interessante Jahre. Wir dürfen gespannt sein, welches Entwicklungspotential zu Tage kommt“. Die Ausstellung im Informationszentrum ist bis Aschermittwoch, 15. Februar zu sehen, täglich von 10 bis 16 Uhr. Dienstag ist Ruhetag. Außerdem werden vier Masken, zwei Blaue Jüd aus Weisbach und zwei Unterelsbacher Fosenöchter bei Fastnacht in Franken mit dabei sein. (Marion Eckert)+++