Stimmungsvolles fünfstündiges Programm
Fastnacht Herbstein feiert bei Fremdensitzung 66. Geburtstag

- Fotos: Dieter Graulich
06.02.18 - „66 Jahre regiert der Fastnachtsverein, zur fünften Jahreszeit, hier in Herbstein. Zum Wohl der Stadt und der Bevölkerung, hält ein einzigartiges Brauchtum jung“, so umschrieb Protokoller Dirk Jöckel eingangs der beiden großen Prunk- und Fremdensitzungen das närrische Jubiläum der Herbsteiner Fastnacht. Jöckel nahm in seinen Ausführungen natürlich auch die „kleine“ und „große“ Politik aufs Korn und verschonte keine Partei dabei.
Für die Herbsteiner Fastnacht stellt die „Alters-Schnapszahl“ überhaupt kein ruheständliches Alter dar, denn die im Jahre 1952 gegründete Fastnachtsvereinigung (FVH) sucht in jeder Kampagne nach neuen Herausforderungen und Impulsen. So wird bereits jetzt auf den „Maskensprung“ am Samstag den 26. Januar 2019 hingewiesen zu dem über 500 Zugaktive erwartet werden. Getreu dem Motto: „66 Jahre, das ist doch grandios – in Herbsteins Foaselt ist extra viel los“ starteten die Akteure bei den beiden Sitzungen ein Feuerwerk der guten Laune und sorgten dafür, dass dank zahlreicher karnevalistischen Delikatessen sich das FVH-Schiff auf hohen Wellen bewegte.
Durch das über fünfstündige Programm führten FVH-Präsident Manuel Hensler und Jens Hensler mit gewohnt launigen Versen. Ehre wem Ehre gebühret, so erhob sich dann die Narrenschar auch beim Einzug von „Bajazz Benedikt I. Närrischer Ingenieur von Wirtschaft und Beton“. Nach dem Gardetanz der „Kleinen Fünkchen“ gab es für ihn dann auch den Ehrentanz der 16 temperamentvollen Girls des großen FVH-Balletts.
Nicht weniger begeisternd stellte sich auch das Jugendballett vor, das diesmal direkt aus England kam und sogar die Queen in ihren Reihen aufzuweisen hatte. Wenn ein Jubiläum gefeiert wird, dass gehört auch eine große Geburtstagstorte auf den Tisch. Bei der Geburtstagsparty jedenfalls kamen von den vier Jungen und Mädchen Zeitgenössisches, aber auch historische und zukunftsweisende Gedanken zum Vorschein, so auch der Herbsteiner Fastnachts-Hit „Das letzte Hemd gehört der FVH“. Kaum weniger amüsant auch die Bühnenvorstellung einer elfköpfigen Nachwuchsgruppe, bei denen sich vier Mädchen unter den sieben Jungs ihren „Traummann“ aussuchen durften und dabei schon mal ihren Charme aufblitzen ließen.
Keineswegs Auftrittsfieber verriet Nachwuchstalent Johannes von Schönfels als „Fastnachtselektriker“, er bezeichnete sich sogar als „prädestinierter Prüfer der Technik AG". Für eine Überraschung gut sind auch immer wieder die beiden „Originale“ Niclass Brähler und Marius Bettenbühl, die in ihrer Mittagpause vieles verrieten, allerdings bei ihren Zwiegesprächen derart in zeitliche Zwänge gerieten, dass ihr Chef (Jürgen Wiegand) die beiden schließlich wieder zur Arbeitsaufnahme auffordern musste. FVH-Präsident Manuel Hensler berichtete im Anschluss als „Fahnenträger“ der FVH was ihm so in den vergangenen 30 Jahren wiederfahren war.
Mit „Tuten Gag“ stellte sich eine Lauterbacher Tumaba-Gruppe vor, deren Sprachgebrauch die närrischen Besucher immer wieder von den Sitzen riss. Diese fünf „Sprachheilkundler/innen“ bewiesen auf ihre ganz besondere Art, welche Bezeichnungen im Bereich des Buchstabentausches zum Vorschein kommen. Die „lingelillen“ Ladlerinnen waren unterwegs nach „Sterbhein“ (Herbstein), als ihnen eine „Peifenranne (Reifenpanne) widerfuhr und dabei sich sogar noch ein „Hoch in der „Hadlerrose“ (Radlerhose) einfingen. Aber auch mit der Präsentation seines Tanzmariechens Sophia Groß bekannte der Tumaba seine enge Verbundenheit zur Herbsteiner Fastnacht. Erstmals auf der Herbsteiner Fastnachts-Bühne dabei, war auch die Lanzenhainer Garde, die einen feurigen und makellosen Tanz hinlegte.
Ein absoluter Höhepunkt folgte danach mit dem Auftritt von Manuel Hensler (Lotte) und Holger Korell (Ursel), die als „Zwei Waschweiber“ eine brillante Büttennummer abzogen. Bei diesem Auftritt blieb kaum ein Auge trocken. Eine fastnachtliche Präsentation der Extraklasse lieferte aber auch das Männerballett ab, eine Zusammensetzung aus FSG-Fußballern, die als „Dirty Dancings“ tänzerische Ideen in phantasievoller Synchronik und toller Choreographie einfließen ließen.
Krönender Abschluss stellte dann der Auftritt jener tanzenden „Funken“ dar, die – mit wechselnden Kostümen – sich einmal im „Goldrausch“ und zum anderen in einen „Steiger“ bei ihrem Phantasietanz“ verwandelten, mit einem Maximum an Energie, Schwung und choreografischer Vielfalt. In ihren farbenfrohen Kostümen und mit viel Charme ausgestattet, leiteten diese dann das Finale ein, bei dem das Gefühl einer nie endeten Begeisterung aufkam. (gr) +++
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