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Hauptsache, es wird Karneval gemacht

Abschied als Sitzungspräsident: Uwe Seel - die Seel(e) des Jäscher Karnevals


Sitzungspräsident Uwe Seel nahm Abschied von der Bühne - Fotos: Gudrun Schmidl

11.02.18 - Der Karneval in Niederjossa hat Tradition. Immer am Freitag und Samstag vor Rosenmontag lassen es die Narren bei zwei restlos ausverkauften Prunksitzungen im buntgeschmückten Dorfgemeinschaftshaus ordentlich krachen. In diesem Jahr noch mehr als sonst, galt es doch, ihren langjährigen Sitzungsräsidenten Uwe Seel würdig zu verabschieden. Über zwei Jahrzehnte hat er das Narrenvolk im Eulenspiegel-Kostüm durch die Abende begleitet  und nun für sich entschieden: „21 Jahre sind genug“. Besonders am Samstag ging das Narrenvolk ab wie Schmidts Katze, gemäß dem ausgegebenen Motto: „Wir feiern Alle ohne Sorgen, in Joss, bis in den frühen „Morgan“.

Ein originell kostümiertes Partyvolk wurde mit einem Programm vom Feinsten unterhalten. Der zauberhaften Garde in ihren blau-weißen Kostümen gebührte der erste Tanzauftritt, auf Wunsch von Uwe Seel tanzten sie nach Musik von der Gruppe Pur. Dem Noch-Präsident war bewusst, dass er zum letzten Mal „seine Mädchen“ mit Küsschen bedenken und mit Orden behängen durfte und wurde direkt sentimental: „Wenn es bei mir Tränchen gibt, tut mir den Gefallen und heult mit“, wandte er sich an das närrische Volk und befreundete Karnevalisten aus der osthessischen Region, von denen viele gekommen sind, um den Abschied von dem beliebten Präsidenten persönlich zu zelebrieren. Mit originellen Ideen und Geschenken, lobenden und anerkennenden Worten oder musikalisch wie die „Bernd-Jörges-Band“ aus Neukirchen, die zu Ehren von Uwe Sell den Liedbeitrag „Tote Enten“ spielte.

Völlig überraschend enterte Breitenbachs Bürgermeister Volker Jaritz die Bühne, unterhielt das närrische Publikum bestens und verabschiedete dann ganz persönlich Uwe Seel in den Faschingsruhestand mit den Worten: „20 Jahre lang hast du mit Leidenschaft und Disziplin ein tolles Programm auf die Bühne gestellt und das närrische Haus zum Beben gebracht.“ Auch die 43. Karnevalsveranstaltung war gespickt mit zahlreichen Höhepunkten.

Es ging schon gut los mit dem Jahresrückblick 2017 von dem Chronisten Martin Allendorf. Jan Ludwig, das große Nachwuchstalent in der Bütt, beobachtete im vergangenen Jahr als der Außerirdische „Naji“, die Jäscher von seinem Planeten aus. „Auf unserem Planeten ist Joss bekannt. Was in Joss passiert, ist super interessant“. Es war auch für Außerirdische aus allen karnevalistischen Hochburgen in Osthessen lustig anzuhören, was in Niederjossa so alles passiert und sie staunten über so manche Insider.

Wenn die Nickel „Paarshippen“, ist großes Gelächter garantiert. Witwe Helene (Thorsten Ludwig) hat sich entschlossen, übers Internet einen neuen Mann zu suchen, schließlich braucht sie jemanden für „gewisse Stunden“ – nämlich das tägliche Stallausmisten. Henrik Seel übernahm krankheitsbedingt kurzfristig die Rolle von Matthias Reiss als Helenes Tochter und machte dabei eine gute Figur. Es war bei so einem gelungenen Sketch allerdings grenzwertig und eigentlich auch überflüssig, dass Helene auf der Bühne „abführen“ musste. Aber Schwamm drüber: „Die Hauptsach´ ist, es wird Karneval gemacht“.

Einen richtigen Knaller bot das TV-Team mit ihrer Hommage an die Kultsendung „Bares für Rares“ mit Horst Lichter, dem Experten Albert und den Händlern. Zum Schreien gut, fast noch besser als die Originale im Fernsehen, bewerteten sie die angeschleppten Schätze, einen uralten „Dermomix“, einen durchgesessenen Stuhl, der dem SV Niederjossa als Torjäger-Thron diente und letztendlich das Kostüm des Jäscher Karnevalspräsidenten, das wenig Begeisterung hervorrief.

„Wer dieses Gewand trägt, muss wissen, dass ein Familienleben nicht möglich ist, dass die Person wie ferngesteuert durch die Wohnung rennt und nicht ansprechbar ist. Zudem verteilt er das gesamte Karnevalsgerümpel auf dem Esstisch“. Es war sicher kein Zufall, dass Henrik Seel in seiner Händler-Rolle in bestem rheinischem Dialekt so genau Bescheid wusste. Zum allerletzten Mal durfte Uwe Seel das „TV-Team“, die seine Gruppe ist, ab moderieren. Die später gezeigten, produzierten Werbe-Spots waren wie immer großes Kino.

Die Niederjossaer können schon immer mit tollen Tanzformationen aufwarten. „Black Motion“ tanzte zu Abba Songs aus dem Film „Mamma Mia“, „The Starletts“ begeisterten mit märchenhaften Tänzen, die Showtanzgruppe „Difference“ übertraf sich mit ihrer Performance zu „Krieger des Lichts“ selbst. Das Männerballett „Jossaflöckchen“ ist eine Klasse für sich, präsentierte an diesem besonderen Abend zum krönenden Abschluss „König der Löwen“ in eigenwilliger Interpretation, aber super gut. Immer wieder wurden Raketen der Begeisterung für die Aktiven auf der Bühne gezündet, die mit Kreativität und gelungener Umsetzung punkteten, aber auch die Lachmuskeln übermäßig strapazierten.

Da die „Original Jossataler“ in Babypause sind, lud Uwe Seel die „Engel-Familie“ aus Kerspenhausen ein, die alles andere als ein musikalisches Notprogramm boten. Die Närrinnen und Narren, auf den Bänken stehend, forderten von den Fetenmachern aus dem Aulatal eine Zugabe nach der anderen, die ihnen gern gewährt wurden.

Uwe Seel bedankte bei allen, die ihn in all den Jahren vor und hinter der Bühne unterstützt und begleitet haben, besonders bei Thomas Eckhardt für Musik und Technik. Je später der Abend, desto mehr zog er die Moderation in die Länge. Es fiel ihm offensichtlich schwer, die Bühne zu verlassen und er wollte jede einzelne Minute, die ihm blieb, genießen. Die Stimmung war auf dem Siedepunkt, als „Michi und die jungen Wilden“ mit ihrer schon legendären Hitparade das Finale einläuteten.

Es war weit nach Mitternacht, als Uwe Seel seine Maskerade als Till Eulenspiegel für immer abgelegt hat, dafür zur Gitarre griff und die Bühne rockte. Mit dem gemeinsam gesungenen Jäscher Karnevalslied endete die emotionsgeladene Prunksitzung. Das Amt des Sitzungspräsidenten hat Uwe Seel seinerzeit von seinem inzwischen verstorbenen Schwiegervater Karlheinz „Sechser““ Nuhn übernommen, der als Rheinländer ein begeisterter Karnevalist war. „Vergesst den Jäscher Karneval nicht“, rief er den Narren zu, die ihn mit „Uwe-Rufen“ feierten. Darauf ein dreifach, donnerndes Jäscher Helau. Gefeiert wurde bis in den frühen Morgen zu der Musik von DJ BenH, den die Narren des TV Hersfeld nur ausgeliehen haben. (Gudrun Schmidl) +++

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