Alles wie im Wilden Westen

Wiederbelebung des Bischofsheimer Schützenballes


Fotos: Barbara Enders -

05.03.19 - Das war früher ein Termin im Fastnachtskalender, den man nicht verpassen durfte: Der Bischofsheimer Schützenball! Daran erinnert sich Altbürgermeister Armin „Peter“ Lommel ganz genau und auch daran, dass ihn damals nahezu nichts hindern konnte, an diesem gesellschaftlichen Höhepunkt teilzunehmen. Als junger Mann hatte er sich einmal einen Zeh geprellt, trotzdem die Tanzschuhe angezogen und ist zum Schützenball gegangen. Beim Tanzen schmerzte ihn sein Fuß so fürchterlich, dass er kurzerhand in die Küche lief, ein Messer suchte und den Schuh an der Stelle des schmerzenden Zehs aufschnitt. Nun war der kultige Tanzabend für ihn gerettet.

Vor etwa 30 Jahren wurden immer weniger Besucher gezählt, sodass die Königlich privilegierte Schützengesellschaft Bischofsheim den Ball nicht mehr organisierte. In einer launigen Runde überlegten sich die Schützen nun, diese Fastnachtsveranstaltung wieder zu beleben. Der Kartenvorverkauf lief phantastisch gut an und sicherte dem Verein ein volles Haus.

Den Gästen sollte aber auch ein besonderes Programm geboten werden. Als Conférencier des Abends kündigte der 1. Schützenmeister Georg Seiffert George Washington die Showtanzgruppe der Maumer an, die sich zur Musik von „Tanz der Vampire“ über die vernebelte und gruselige beleuchtete Tanzfläche drehte. Ebenso die Mädchen von „Little Giants“ aus Unterweißenbrunn, sie schwebten als Feen über die Bühne. Lady Washington (Daniela Strauß) assistierte und überreichte den Faschingsorden der Schützen.

Doch etwas Besonderes, etwas Einmaliges sollte auch dabei sein, so die Idee der Schützen im Vorfeld. Die erweiterte Vorstandschaft – alles Männer im besten Alter – ließ sich nicht lange bitten und wollte ein Tänzchen zum Motto des Abends „Wilder Westen“ wagen.

Herbert Lucht, einer der sieben Protagonisten, berichtete schmunzelnd über die allmähliche Entwicklung des Auftrittes. „Es war für uns gar nicht so einfach. Eigentlich wollten wir so auftreten, wie wir sind“, doch das hielt Daniela Strauss, die gemeinsam mit Tochter Antonia und Lea Büttner mit den Männern trainierte, für ausgeschlossen. „Ihr braucht ein Kostüm“, war ihre klare Ansage. Schon das Einstudieren der Schrittfolge war für die Herren, die teilweise schon im Rentenalter sind, nicht immer einfach, berichtete Lucht, „Daniela ließ die Musik etwas langsamer laufen“. Auch die Kostümprobe war eine kleine Prüfung für ihn. „Ich hatte mich noch nie damit beschäftigt, Damenkleider anzuziehen und wie man das mit Netzstrümpfen macht, musste Daniela uns erst einmal zeigen“, erzählte er lachend. Selbst der Einmarsch in den Saal in Kleid und Perücke musste geübt werden.

„Ach ja, dann mit allem Drum und Dran war unser Auftritt viel länger, als von uns eigentlich geplant“, grinste Herbert Lucht. Es sollten anfangs nur 1:46 Minuten sein, aber mit Ein- und Ausmarsch und Zugabe zog es sich dann ganz schön hin. Es ist eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass die Zuschauer begeistert waren. Die sieben Tänzer hingegen konnten gar nicht schnell genug in der Umkleide verschwinden und nur Minuten später standen wieder alle in „normalen“ Westernkostümen im Saal.

Doch noch am späten Abend, als die Besucher allmählich nach Hause gingen, riefen sie den sieben Herren nochmals ein Lob für deren Auftritt zu. Dass es im nächsten Jahr eine weitere Auflage des Schützenballs geben wird, scheint fast sicher. Für den besonderen Auftritt hat die Vorstandschaft dieses Jahr eine Steilvorlage gegeben, sind wir gespannt, wie sie das im nächsten Jahr toppen wird!

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