Start in eine neue Galaxy

Prunksitzung des KCV mit grünen Männchen und fantastischen Bänkelsängern


Fotos: Gudrun Schmidl - Diese fröhliche Gruppe ist bereit für den Start in die Galaxy

09.02.20 - Der Sekt stand kühl, die Fässer waren voll. Das farbenfroh geschmückte „Wohnzimmer“ der Ronshäuser im Haus des Gastes war am Samstag bei der ersten Prunksitzung des Kultur- und Carnevalsverein Ronshausen (KCV) bis auf den letzten Platz gefüllt. Dabei stand die diesjährige Kampagne im vergangenen Jahr auf der Kippe, verriet Sitzungspräsident Eddy Weiler, denn der „alte Vorstand hatte die Schnute voll“. Eine einvernehmliche Lösung wurde gefunden. Michael Nuhn, Nicole Münster, Sandra Roppel und Ralf Biehl teilen sich gleichberechtigt den Vorstandsposten, arbeiten mit den Beisitzern Hand und Hand, zu denen auch der langjährige Vorsitzende Uwe Ziegenbein mit seiner großen Erfahrung gehört.

„In Ronshausen ist der Karneval nicht „all“ – wir starten in eine neue Galaxy“ lautete dann auch das doppeldeutige Motto, das für neue Energie und das Erkunden unbekannter Welten steht. Vom Einmarsch des Elferrates mit dem KCV-Garde-Ballett bis zum großen Finale mit allen Mitwirkenden begeisterte ein närrisches Programm vom Feinsten alle Gäste in Feierlaune, zu denen zahlreiche „grüne Männchen“ und unbekannte Wesen aus dem All gehörten.

Die entzückenden KCV-Küken begeisterten voll und ganz mit ihrer Bühnenpräsenz. Die kleinsten Tänzerinnen, aber natürlich auch die temporeichen Auftritte der KCV-Kids und des KCV-Garde Balletts mit anspruchsvoller Choreografie wurden im Laufe des Abends mit frenetischem Applaus belohnt. Um Zugaben kamen die Mädels nicht herum. Ihre nagelneuen weißen Stiefel haben sich die Tänzerinnen wirklich verdient. Die beiden Funkenmariechen brachten mit ihrer unglaublichen Leistung die Bühne regelrecht zum Beben.

Mehr als ein Vierteljahrhundert wird in Ronshausen Karneval gefeiert und das Programm ausschließlich aus eigenen Reihen zusammengestellt. Da lauern wahre Talente in der Bütt wie Olli, der David Hasselhoff vom Badepark. Er sinniert über seinen Eintritt in die Rente, die ihm erwiesene Ehre beim Abgang mit Kollegenchor und großem Bahnhof und glaubt, dass er als frisch gebackener Rentner von seiner Gattin mit einem Knicks empfangen wird. Doch alles kommt anders. Kättchen und Eulalia (Daniela Röser und Kathrin Schade) sind ein eingespieltes Team und präsentieren gekonnt Witz auf Witz und so manchen Geistesblitz. Am liebsten mit Seitenhieb auf die Männerwelt.

„Die Unglaublichen“ nahmen in bewährter Manier das Dorfgeschehen aufs Korn. Katja Sauer, Steffen Hildebrandt und Sandra Tobi berichteten über geflieste Treppen, Strackomaten, die Straße der Harmonie und den Heimatabend, wo ein „Stripper“ auf der Bühne stand. Damit ist ein Weiteröder gemeint. Die Hassliebe mit dem Nachbardorf ist legendär. Natürlich bekamen auch die Machtloser ihr Fett weg, die wegen fehlendem Internet im „Tal der Ahnungslosen“ leben, aber immerhin beim hr-Treff auf dem Hessentag in Bad Hersfeld als „Dolles Dorf 2019“ ausgezeichnet worden. Bei ihrem überraschenden Auftritt ließ sich eine Abordnung aus Machtlos in Begleitung des „Goldenen Onkel Ottos“ im Saal feiern.

Die Landeier, hinter denen sich Conny Funk, Agnes Gries, Astrid Lehmann und Katja Schumann verbergen, nahmen auf der Bühne ein Beruhigungsbad im Rahmen ihrer psychosomatischen Kur. Zwei Frauen und zwei Männer saßem im Schaumbad. Der eine war durchgedreht, die andere produziert Holzdildos, die dritte war in den Wechseljahren und steht auf Caritas-Sex, wie ihr Sitznachbar bekräftigt: „Du wackelst mit der Büchse und ich steck´ nichts rein“. Kein Wunder, dass weitere drei Irrenanstalten in Deutschland gebaut werden. In Berlin, in Offenbach und Weiterode soll auch überdacht werden. Der Auftritt wurde mit dem Song "Die Wanne ist voll" tanzend abgerundet.

Allesamt ideenreiche und witzige Programmpunkte, die jedoch von den Bänkelsängern mit einem genialen Schlager-Medley, das zum Mitsingen geradezu einlud, getoppt wurde. „Regenbogenfarben“ von Kerstin Ott in Bänkelsängerart, „Ute Freudenbergs „Jugendliebe“ mit Aufforderung zum Disco-Fox-Tanzen, bei dem Bürgermeister Markus Becker und seine Frau Bianca eine gute Figur machen, wechselten sich ab mit musikalischen Liebeserklärungen an die Heimat und wurde von einem Udo-Jürgens-Medley gekrönt. Die begnadeten Sänger und die stimmgewaltige Sängerin Jessica Lorenz brachten die Stimmung auf den Siedepunkt und mussten mehrere Zugaben geben. 

Das ausgepowerte Publikum brauchte danach frische Luft oder eine Verschnaufpause und so bekam der gekonnte und witzige Beitrag von Michael Nuhn über sein Verhältnis zur Freikörperkultur nicht die gewünschte Aufmerksamkeit. Er wurde leider mit wenig Applaus, dafür aber mit einem Orden für seinen 25-jährigen Einsatz im KCV belohnt. Vorab wurden Ursel und Norbert Siebert für ihren langjährigen unverzichtbaren Einsatz im Verein als verdiente Mitglieder ausgezeichnet.

Rundum gelungen muss diese erste Prunksitzung unter neuer Leitung beschrieben werden. Völlig losgelöst von der Erde feierten die Närrinnen und Narren bei der After-Show-Party bis weit nach Mitternacht. Am kommenden Samstag, 15.02., werden die Karnevalisten bei der zweiten Prunksitzung wieder mit einem dreifach donnernden „Ronshausen Helau“ belohnt. Einen Tag später, am 16.02., sind die kleinen Narren zum Kinderkarneval eingeladen. (Gudrun Schmidl) +++

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