Kommentar von Hans-Hubertus Braune
Verkleidung beim Karneval: Die fünfte Jahreszeit will Freude bereiten

Ein von der 1. Ober-Mörler Karnevalsgesellschaft Mörlau neben anderen Entst... - Foto: picture alliance/dpa | Hannes P Albert
14.02.23 - Der Empfang der Staatskanzlei im Schloss Biebrich in Wiesbaden hat seinen Sinn: Auf Einladung des Ministerpräsidenten rücken die Tollitäten der hessischen Karnevalsvereine ins Rampenlicht. Stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Karnevalisten dankt ihnen die Regierungsspitze, angeführt von MP Boris Rhein (CDU), für das längst nicht selbstverständliche Engagement in den Vereinen.
Spaß haben und Mitmenschen Spaß bieten - die fünfte Jahreszeit hat gleich mehrere, durchaus wichtige Funktionen. Denn der Gemeinschaftssinn steht im Vordergrund. Gemeinsam Freude haben. Klar, es wird auch deftig gefeiert. Aber wieso auch nicht? Soll denn künftig jegliche Freude verboten werden? Unzählige Gruppen oder auch Einzelpersonen proben über Wochen und Monate. Sie sind dann stolz, ihr närrisches Programm den Leuten in ihrem Dorf oder ihrer Stadt zu präsentierten. Es wird gemeinsam gelacht, geschunkelt und sich an den Darbietungen erfreut.
Ja, in einer schwierigen Zeit mit diversen Herausforderungen ist das wichtig. Doch: Was darf ich? Ist das legitim, was ich anziehe? Wie ich mich verkleide, oder verstoße ich gegen irgendetwas? Wird mir dann etwas in den Mund gelegt, was ich gar nicht bin oder sein will?
Ganz sicher haben sich auch die Karnevalisten der 1. Ober-Mörler Karnevalsgesellschaft "Mörlau" nichts dabei gedacht, als sie zum Empfang des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein und dessen Gattin fuhren. Der Mohr gilt als Symbolfigur und findet sich im Vereinswappen und auch auf dem Wappen der Gemeinde. Natürlich wurde von den einzelnen Gruppen auch Bilder gemacht und fleißig geteilt. Bei den Tollitäten aus Ober-Mörlen war auch der Mohr dabei. Ein schwarz angemalter Karnevalist. Ruckzuck fiel dies bundesweiten Pressevertretern auf. Schnell wurde dies medial verbreitet, weitere Medien sprangen auf und innerhalb kurzer Zeit wurde die 1. Ober-Mörler Karnevalsgesellschaft "Mörlau" medial verurteilt.
Der Verein reagierte, wie er reagieren musste: "Im Namen des Vorstands der KG-Mörlau möchten wir versichern, dass wir die Angelegenheit sehr ernst nehmen. Oberste Priorität hat für uns, dass wir niemanden verletzen oder ausschließen. Fastnacht soll für alle da sein und dies ist uns auch sehr wichtig. Daher haben wir uns entschlossen, die entsprechenden Bilder und Inhalte auf unseren Social-Media-Seiten zu entfernen, sowie alle öffentlichen Auftritte des Mohren ab sofort abzusagen, da wir niemanden kränken wollen. Wir entschuldigen uns ausdrücklich bei allen Menschen, die wir verletzt haben könnten."
Recht haben die Karnevalisten aus Ober-Mörlen. Bei aller Freude: Niemand darf durch eine fragwürdige Bekleidung oder Farbe beleidigt werden. Aber sofort mit der Keule kommen und Böswilligkeit in den Raum stellen - ist das richtig? Ein wenig Gelassenheit ist sicher besser. Welchen Hintergrund hat die Verkleidung? Was sagt die Geschichte des Vereins oder des Ortes? Wer will, findet fast überall etwas, fast nicht einwandfrei ist und was vielleicht nicht in Ordnung ist.
Lasst uns einfach mehr an das Gute im Menschen glauben und die fünfte Jahreszeit das sein, was sie ist. Ein paar Stunden, ein paar Augenblicke Freude und Gelassenheit. Ist nicht immer alles gleich böse gemeint. (Hans-Hubertus Braune) +++
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