"Kritik daran nehmen wir als Kompliment"

Von Spanien bis in den Kosovo: Neuhofs Netz an Agenturen und Scouts

Foto: Tino Weingarten - Avdo Cosic ist in einer Spieleragentur tätig und ein Netz aus Agenturen und Scouts gespannt.

03.09.2020 - Egal ob vom Balkan, aus Spanien oder Rumänien. Der SV Neuhof überrascht regelmäßig durch Verpflichtungen aus dem Ausland. Möglich macht das ein weit verzweigtes Netz an Agenturen und Scouts. Im Amateurbereich dürfte diese Praxis einzigartig sein, sie sorgt aber auch immer wieder für Kritik.
 
Alleine vor dieser Saison verpflichtete der SV Neuhof sieben Spieler aus dem Ausland. Der Hessenligist arbeitet dafür schon seit Jahren mit einem Netz aus Scouts und Agenturen zusammen. Seit Januar ist Avdo Cosic sportlicher Leiter und damit verantwortlich für Spielertransfers. Er ist selbst in einer Spieleragentur tätig und beschreibt, wie die Transfers zustande kommen: "Wir haben in unserer Agentur Scouts auf der ganzen Welt, die uns Spieler empfehlen, aber auch von Freunden und Bekannten aus anderen Agenturen bekomme ich immer wieder Tipps. Dann schauen wir uns den Spieler zusammen an und entscheiden."

Fokus liegt auf der Vermittlung von Arbeitsstellen  

Wegen des großen Geldes wechselt aber kein Spieler nach Neuhof, stattdessen liegt der Fokus beim Hessenligisten auf der Vermittlung von Wohnungen und Arbeitsstellen. "Es gibt Spieler, die mit Teilzeitstellen zufrieden sind und es gibt andere, die müssen und wollen Geld für die Familien in der Heimat verdienen. Bei uns bekommen sie dazu die Möglichkeit", erzählt Trainer Alexander Bär.


An dieser Methode gibt es aber auch immer wieder Kritik. Der Vorwurf lautet: In Neuhof spielen keine einheimischen Spieler mehr. Alexander Bär kann darüber nur müde lächeln: "Solche Kommentare nehme ich als Kompliment, dahinter steckt nämlich einfach nur Neid, weil wir aus wenig Mitteln viel machen."   

Kritik prallt an Neuhofs-Verantwortlichen ab 

Für den kleinen SV Neuhof sei es kaum möglich, talentierte Spieler aus der Region in die Kaligemeinde zu locken. "Mit unseren finanziellen Mitteln sind wir einfach nicht attraktiv genug für talentierte einheimische Spieler", sagt Bär. Dennoch wolle man in Zukunft versuchen, regionale Spieler von Neuhof zu überzeugen. Mit der Verpflichtung von Mike Weismantel aus Flieden und Angelo de Carvalho aus Hanau sind die ersten Schritte dahingehend bereits gemacht. Zukünftig soll die Mannschaft aus einer Mischung aus einheimischen Spielern und Transfers aus dem Ausland bestehen. Bär stellt nämlich auch klar: "Die ganze Gesellschaft wird immer bunter, warum also nicht auch eine Fußballmannschaft." (fh) +++