Viele Schultern sollen Drews' Rolle tragen

Die Identifikation als großer Trumpf beim SV Flieden

Grafik: Timm Pope - Der SV Flieden schaffte, wie der Hünfelder SV, den direkten Wiederaufstieg.

04.09.2020 - Schlussendlich war der Aufstieg verdient, bis dahin brauchten der Fußball-Hessenligist SV Flieden und mehr als 40 andere Zweitplatzierte aus Hessen aber viel Überzeugungsarbeit. Vor dem Start in die neue Spielzeit sehen sich die Buchonen nicht als der klassische Aufsteiger, was an der Identifikation der Spieler mit dem Verein liegen soll. 



Normalerweise gelten Hessenliga-Absteiger in der Verbandsliga automatisch als Kandidaten für den direkten Wiederaufstieg. Vor allem dann, wenn sie wie der SV Flieden die Mannschaft zusammen halten können. Vor etwas mehr als einem Jahr orientierte man sich im Königreich aber eher an die Plätze unter dem Aufstiegsstrich. "Wir haben viel Verletzungspech erlebt und nach dem fünften Spieltag hat sich auch noch Fabi (Schaub, Anm. d. Red.) ersetzt. Der ist ganz schwer zu ersetzen", erinnert sich Trainer Zlatko Radic.

Dankbar für die zwei letzten Spiele

Vorsitzender ...Fotos: Felix Hagemann

Doch mit der Corona-Pause fand sich Flieden auf Platz zwei wieder, stieg nach langer Diskussion mit dem Hessischen Fußball-Verband (HFV) auf und hat am Samstag mit Hessen Dreieich gleich den Meisterfavoriten vor der Brust. Besonders die gewonnenen Spiele vor dem Saisonabbruch gegen Vellmar (1:0) und Johannesberg (3:2) führten dazu, dass die Buchonen überhaupt in diese Situation kamen. "Wir konnten dazu noch die jungen Spieler entwickeln, das war dann ein guter Effekt", so Radic.

Und immer noch spielen viele Spieler aus der letzten Hessenliga-Saison in Flieden. "Die Identifikation mit dem Verein ist sehr groß, auch umgekehrt. Das Sportliche steht irgendwo immer an oberster Stelle, aber genauso wichtig ist der Faktor Identifikation mit dem Verein", freut sich der Vorsitzende Frank Happ. Und obwohl viele Spieler schon gefühlt ewig die blau-weißen Farben tragen, "kommen die Spieler erst noch ins beste Fußballalter", sagt Martin Hohmann, der seit Juli das Amt des Fußball-Abteilungsleiters innehat.

Trainer ...

Vor dem Start in die neue Spielzeit plagen den Verein aber auch Bauchschmerzen. "Das Wirtschaftliche ist für jeden Verein schwierig, weil man ins Blaue hinein plant. Bis jetzt sind wir gut durchgekommen, werden die Auswirkungen aber irgendwann zu spüren bekommen - wie alle Vereine", prophezeit Happ. Und Hohmann schließt an: "Wenn das so weitergeht und wir sind weiterhin auf 250 Zuschauer beschränkt, ist das ja auch Geld, dass uns fehlt. Im Moment sieht nichts nach Normalbetrieb aus."

Nicht der klassische Aufsteiger?

Sportlich legte Radic großen Wert auf die Fitness, bei 38 Spieltagen und einigen englischen Wochen wenig verwunderlich. "Ich denke, das, was uns ausmacht, haben wir nochmal verbessert", sagt der Trainer. Mit Gideon Betz, Christian Birkenbach und Ahmed Kamran kamen drei wirkliche Neue, Marius Kullmann steht nun endgültig fest im Kader der Fliedener. "Ich glaube schon, dass es für die Saison ein Vorteil sein kann, wenn man nur wenige Neuzugänge integrieren muss", sagt Happ. Deshalb sei man auch nicht der klassische Aufsteiger, weil viele Spieler schon zahlreiche Hessenliga-Einsätze auf dem Buckel haben - und das eben mit dem SV Flieden.

Abteilungsleiter ...

Mit Andreas Drews beendete aber auch ein Fliedener Urgestein seine Karriere in der ersten Mannschaft, ist fortan Spielertrainer der "Zweiten". Gerade menschlich ein großer Verlust, wie das Trio übereinstimmend sagt. Seine Führungsverantwortung wolle man beim SV Flieden nun auf mehreren Schultern verteilen. Spieler, die das Flieden-Gen in sich tragen und über die gewisse Erfahrung im hessischen Oberhaus verfügen, gibt es im Königreich zu genüge. (Tino Weingarten) +++