Lukas Fröde (l.) tritt mit seinem Karlsruher SC vor leeren Rängen an. Foto: picture alliance / GES/Markus Gilliar | Markus Gilliar

12.12.2020 - REGION

Fröde, Panfil und Rüdiger

Wie nehmen Profisportler den Spielbetrieb im Corona-Lockdown wahr?

Der Lockdown zwingt den Sport in die Knie, der Amateursport ruht bis mindestens 10. Januar. Die, die spielen dürfen, sehen sich Geisterkulissen und einem strikten Hygienekonzept gegenüber. Wir haben uns bei ein paar Profisportlern aus der Region umgehört, wie sie die Veränderungen wahrnehmen und was ihre Erfahrungen sind.

Dafür haben wir mit Tim Rüdiger, Handballer beim Zweitligisten TuS Ferndorf, Theresa Panfil, Fußballerin beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt und Lukas Fröde, Fußballer beim Zweitligisten Karlsruher SC, gesprochen. 

Inwieweit hat sich für euch Spieler der Ablauf vor oder nach einem Spiel geändert?

Tim Rüdiger Foto: TuS Ferndorf

Tim Rüdiger (Handball, TuS Ferndorf): "Man muss jetzt an viel mehr denken als nur an Handball. Man muss seine Maske dabei haben, sich die Zeit für die Tests nehmen und wenn wir in anderen Bundesländern sind, ist es auch sehr verschieden. In Bayern mussten wir die Maske bis auf dem Spielfeld aufziehen, in Sachsen konnten wir die schon im Kabinengang abnehmen. Da müssen wir als Spieler selber immer wieder umdenken. Aber wir können immerhin noch spielen, da bin ich sehr froh drum. Einige Freunde von mir können derzeit überhaupt nichts machen."

Theresa Panfil (Fußball, Eintracht Frankfurt): "Für uns ist es ein Privileg, dass wir weitermachen dürfen. Es bedeutet aber sehr große Einschnitte in unserem normalen Leben, weil wir einem strengen Hygienekonzept unterliegen, dass uns die Kontakte außerhalb des Sports stark einschränkt. Dadurch werden wir zweimal die Woche getestet, um den Trainings- und Spielbetrieb sicherzustellen. Wir müssen mit Mundschutz in der Kabine oder in Besprechungen sitzen, es gibt eine Kabine für die Startelf und die Ersatzleute. "

Lukas Fröde (Fußball, Karlsruher SC): "Es hat sich vieles geändert. Wir werden alle fünf Tage getestet und haben gewisse Hygienekonzepte, an die wir uns halten müssen. Auf dem Gelände müssen wir mit Maske herumlaufen. Wir müssen sehr vorsichtig und umtriebig sein, dass wir uns schützen, aber auch ein Vorbild im Umgang mit den alltäglichen Sachen sind, weil wir wissen, dass es für uns wichtig ist, dass wir spielen. Das sehen auch die Menschen so und die wollen auch wieder ins Fußballstadion gehen. Aber nur, weil wir getestet sind, heißt das nicht, dass wir uns nicht an die anderen Regeln halten müssen."

Mittlerweile sind keine Zuschauer mehr erlaubt. Wie ist es, vor einer Geisterkulisse zu spielen?

Tim Rüdiger: "Es gibt natürlich Spieler, die dadurch etwas befreiter spielen, aber über die Livestreams kann man es ja trotzdem verfolgen und nach dem Spiel bekommt man immer noch Nachrichten, warum man denn das gemacht hat. In der Halle ist es sehr ungewohnt, weil im Handball viel passiert und dauerhaft Stimmung sein kann. Das fehlt schon sehr. Außerdem ist es komisch, dass jetzt jeder die Anweisungen hören kann. Da gibt es mal klare Ansagen, wir können es den Mitspielern ja nicht aufmalen und trotzdem verstehen wir uns im Team gut. Für die Spielzüge ist es allerdings gut, weil ich als Außen weiß, was der Mittelmann möchte."

Theresa Panfil. Foto: Eintracht Frankfurt

Theresa Panfil: "Es ist auf jeden Fall etwas anderes. Wo sonst die Fans im Rücken waren und einen nach vorne gepeitscht haben, hat man jetzt nichts mehr. Es kommt darauf an, dass das gesamte Team zusammen steht und auf dem Platz für Stimmung sorgt. Es wird viel mehr gesprochen und gepusht auf dem Feld, was sonst eher von den Fans übernommen wurde. In gewisser Weise haben wir uns jetzt dran gewöhnt, aber es ist schade, dass jetzt niemand mehr im Stadion ist und man nur noch für sich selber spielt."

Lukas Fröde: "Man gewöhnt sich irgendwie an alles. Das Thema hatten wir auch schon in der Kabine, dass man sich beim Champions League schauen schon total daran gewöhnt hat, dass keine Zuschauer da sind. So geht es uns vielleicht auch ein Stück weit. Im Sommer hatten wir ein paar Spiele, wo ein paar Zuschauer da sein durften. Es waren nicht viele, aber man hat schon gemerkt, dass das einen Unterschied macht. Klar, wir sehnen uns auch den Tag herbei, an dem die Stadien wieder voll sein werden, wissen aber auch, dass das einige Zeit dauern wird. Es bringt nichts, dem hinterherzutrauern, sondern wir müssen das so annehmen."

Hat das einen Einfluss auf die eigene Leistung?

Tim Rüdiger: "Mit Zuschauern ist es schöner und einfacher, sich in einen Rausch zu spielen. Ohne die Zuschauer ist man als Spieler und als Mannschaft auf sich allein gestellt."

Theresa Panfil: "Ich kann mir vorstellen, dass es bei den Männern etwas anderes ist, weil da 50.000 bis 70.000 Zuschauer im Stadion sind. Bei uns ist es tatsächlich so, dass da trotz der intensiven Anfeuerungen unserer treuen Fans kein allzu großer Unterschied zu spüren ist. Grundsätzlich ist man, auch wenn Fans im Stadion sind, sehr darauf fokussiert, was man tut. Deswegen würde ich sagen, dass das in der Form die Leistung nicht beeinflusst."

Lukas Fröde: "Das ist schwer zu sagen. Ich finde das Niveau der Geisterspiele von Anfang an gut, aber trotzdem ist es noch einmal etwas anderes, wenn man ein Heimspiel hat, am Drücker ist und das Stadion hinter sich hat. Das ist auch für den Gegner schwieriger, sich dagegenzustemmen. Die Emotionen und der Moment, wenn der Funke auf das Publikum überspringt, das fehlt. Aber auch da müssen wir uns nicht groß grämen, das ist momentan so. Die Mannschaften, die damit besser umgehen, haben derzeit einen Vorteil." (Tino Weingarten) +++

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