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11.06.2021 - REGION

"Ein weiter so darf es nicht geben!"

Aktionsbündnis sorgt sich um die Zukunft des Amateurfußballs

Rettet den Amateurfußball! Das fordert die Arbeitsgemeinschaft und das Aktionsbündnis "Rettet die Amatuervereine", dem auch der langjährige Vorsitzende des JFV Viktoria Fulda, Thomas Dreifürst, angehört. Sie sorgen sich vor einer weiteren Abkapslung des Profifußballs und fürchten, dass der Amateurbereich abghängt werden könnte.
 
Vor 20 Jahren sei der deutsche Fußball noch die vielbeschworene Einheit gewesen, in der die Spitze mit der Basis verbunden war. "Inzwischen gelten für Profis und Amateure unterschiedliche Regelen, sie spielen ein anderes Spiel", heißt es in einer Pressmitteilung. Damit vollziehe sich im Fußballein gemeingesellschaftlicher Trend: Die Elite kapsele sich ab.
 
"Und wir Amateure fühlen uns abgehängt –von der DFL, vom DFB, selbst von unseren Landesverbänden. Nicht erst seit Corona, als wir zum Nichtstun verdammt wurden, während für die Profis alles weiterlief. Die Pandemie hat diese Entwicklung, die lange vorher eingesetzt hatte, nochmals verstärkt. Dabei sind wir Vereine der Garant für Gemeinschaft und Zusammenhalt in der Gesellschaft. Wir bilden Talente aus, wir sorgen für Ausgleich und Freude, wir schaffen Begegnungen über Generationen hinweg. Fast 500.000 Ehrenamtliche engagieren sich täglich als Vorstände, Übungsleiterinnen, Betreuer oder Schiris. Sie leisten Sozialpolitik, sorgen für Persönlichkeitsstärkung, Integration, Demokratieförderung. Sie geben immer mehr als sie nehmen. Doch in den aktuellen Diskussionen über den DFB, seine Skandale und seine Reformen, kommt der Breitenfußball nicht vor, obwohl die rund 25.000 Amateurvereine nur gut 50 Proficlubs gegenüberstehen. Deren Einnahmen steigen, uns bleiben dagegen nur warme Worte und nichtssagende Kampagnen. Wir sind in Vergessenheit geraten. Wir zählen nur in Sonntagsreden. Wir sagen: Schaut endlich auf die Amateure", appeliert das Bündnis und stellt konkret zwei Forderungen.
 
Neue Strukturen für eine bessere Zukunft

-Wir fordern Teilhabe. Wir wollen, dass unsere fast 25.000 Vereine mit mehr als 130.000 Mannschaften angemessen und engagiert vom DFB vertreten werden. Diese Aufgabe steht in seiner Satzung. Präsidium und Vorstand des DFB müssen künftig aktive Vereinsvorsitzende berufen und ihnen Stimmrecht geben. 

- Der DFB und seine Landesverbände müssen der Diversität, die auf unseren Plätzen längst Realität ist, auch in seinen Gremien gerecht werden. Unsere Mitglieder kommen aus allen Einkommensschichten, haben unterschiedlichste Wurzeln und Glaubensrichtungen. Sie sind männlich, weiblich, jung und alt. 

- Wir halten Ämterhäufung für nicht förderlich. Wenn der Vorsitzende eines Landesverbandes gleichzeitig Präsident seines Regionalverbandes und zudem DFB-Vizepräsident und Mitglied in der UEFA ist, kommt es zu Interessenskonflikten. 

- Wir fordern Amtszeitbegrenzungen für die Präsidenten von Landesverbänden auf nicht mehr als zehn Jahre. 

- Wir fordern die Wiedereinführung der Richtlinienkompetenz für den Präsidenten oder die Präsidentin des DFB. Wir halten eine Doppelspitze aus Frau und Mann für denkbar. 

- Wir wollen Reformen unter Beteiligung der Basis. Wir streben einen unabhängigen Kongress an, bei dem sich alle interessierten Menschen zu verschiedenen sportlichen, gesellschaftlichen und innovativen Themen einbringen können. Eine Veranstaltung, auf der diskutiert wird, Netzwerke gegründet werden und die im Sinne der ganzen Breite des Fußballs durchgeführt wird. Einen Zukunftskongress mit dem Ziel, den deutschen Fußball zukunftsfähig zu machen.

Finanzielle Förderung

- Der Grundlagenvertrag, wonach die Profivereine 3 Prozent aus allen Vermarktungseinnahmen an den DFB zu zahlen haben, wurde erst heimlich, dann offiziell unterhöhlt. Er muss wieder gelten. Es geht uns nicht um Almosen, wir sind keine Bittsteller. Wir fordern nur, dass der DFB und DFL ihre Verträge einhalten. Aber der Grundlagenvertrag wird seit Jahren zu Lasten von Amateuren gebrochen, das hat sogar eine Staatsanwaltschaft festgestellt: "Es handelt sich um einen weitgehenden Verzicht auf Einkünfte aus der Vermarktung des Profifußballs zugunsten der DFL und mithin um eine weitere Förderung des Profifußballs zu Lasten des Amateurfußballs." 

- Die Änderungen zu Lasten der Amateure müssen revidiert werden. Heißt: Den Amateuren stehen nicht nur in der Zukunft Zahlungen zu, sondern auch noch solche aus der Vergangenheit. 

- Im Gegenzug wollen wir garantieren, dass das Geld auch an den richtigen Stellen ankommt – nämlich in der Infrastruktur und Ausbildung. Bedürftige Vereine müssen gezielt gefördert werden. Nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern nach transparenten Regeln. So können wir Projekte für Modernisierung, Integration, Ausbildung, Diversität sowie gegen Diskriminierung jeglicher Art anstoßen. Wir stellen klar: Das Geld darf nicht ohne Kriterien an die Landesverbände verteilt werden. 

- Die derzeitige Interimsführung des DFB hat die negativen Änderungen des Grundlagenvertrages mitzuverantworten. Wir halten es daher für inakzeptabel, dass sie die neuen Verhandlungen führt. 

"Diese Resolution wurde nach Diskussionen mit Vereinsvertretern aus allen fünf Regionalverbänden gefasst. Wir wollen gemeinsam neue Weichen stellen. Wann, wenn nicht jetzt? Ein 'weiter so' darf es nicht geben!", endet das Schreiben des Aktonsbündnisses. (pm/fh)+++

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