Bevor ein Spieler in Zukunft mit Gelb-Rot vom Platz fliegt, gibt es erstmal eine zehnminütige Zeitstrafe Symbolbild: ON

15.07.2021 - REGION

Ist die Rückkehr der Zeitstrafe richtig?

Zweite Chance statt vorzeitiges Duschen

Bislang war es simpel: Nach mehrfachem Regelverstoß stellt der Schiedsrichter den Spieler mit der gelb-roten Karte vom Platz. Die Zeitstrafe ersetzt diese nun. Ein Umlaufverfahren sorgte für eine schnelle Umsetzung. torgranate.de hat sich ausführlicher mit dem Thema beschäftigt.  

Ursprünglich sollte das Pilotprojekt schon zur Saison 2020/2021 greifen, jedoch wirbelte Corona und die damit verbundene Verschiebung des 34. Ordentlichen Verbandstags des Hessischen Fußball-Verbands (HFV), auf dem das Projekt auf der Tagesordnung stehen sollte, die Pläne durcheinander. Jetzt wurde beschlossen, dass es den Verbandstag für die Einführung der Zeitstrafe nicht braucht, seit dem 1. Juli gibt es sie nun.

Wie läuft die Zeitstrafe ab? Die Schiedsrichter werden den bereits mit gelb verwarnten Spieler bei einem weiteren Vergehen für zehn Minuten vom Feld schicken – für eine zweite Chance. Leistet sich der mit einer Zeitstrafe bedachte Spieler erneut einen verwarnungswürdigen Regelverstoß, muss er endgültig den Platz verlassen, diesmal mit Rot. Für Fouls und Unsportlichkeiten, die normalerweise zu einer roten Karte führen, gelte die Zeitstrafe nicht. Zum Einsatz kommen wird die Zehn-Minuten-Strafe in den Kreisligen, Kreisoberligen und im Kreispokal der Männer – als zweijähriges Pilotprojekt in Hessen.

Zeitstrafe sorgte für weniger Unsportlichkeiten

Die Zeitstrafe ist aus historischer Sicht keine Neuheit. Bereits 1978 wurden in Hessen und schließlich in 16 Landesverbänden Spieler auf Zeit vom Platz gestellt. Diese Maßnahme zeigte damals Wirkung und hat die Verantwortlichen der Verbände überzeugt. Wurden 1977/78 noch 20 Platzverweise ausgesprochen, verringerte sich die Zahl in der darauffolgenden Saison auf elf, dafür gab es 55 Zeitstrafen. Die übereinstimmende Meinung: Die Zeitstrafe beuge schlimmerem Vergehen vor und halte den Spieler davon ab, sich zu weiteren Unsportlichkeiten hinreißen zu lassen. Bis 1991 gab es die Strafe auf Zeit, bis die FIFA sie auf Drängen des "International Boards" abschaffte und die gelb-rote Karte im Regelbuch des Fußballs etablierte.

Ähnlich wie die damaligen Verbandschefs schätzt HFV-Präsident Stefan Reuß die Thematik ein. Bereits im März vergangenen Jahres, als die geplante Rückkehr der Zeitstrafe bekannt wurde, äußerte sich Reuß zu dem Thema und erläuterte, der Anlass für eine Wiedereinführung der Zehn-Minuten-Strafe seien die gewaltsamen Aktionen gegen Schiedsrichter, die im Oktober 2019 ihren traurigen Höhepunkt fanden. Ein Unparteiischer wurde im hessischen Münster bewusstlos geschlagen. Eine Zeitstrafe könne, so Reuß, deeskalierend wirken. 

Was sagen die Trainer?

Ob positiv oder negativ: Meinungen gibt es zum Thema Zeitstrafen genügend. Die einen sprechen sich dafür aus, um dem Spieler die Möglichkeit zu geben, sein Verhalten zu überdenken. Die anderen sind dagegen, wollen eine empfindliche Strafe für Unsportlichkeiten, zumal sich das System der Karten bewährt habe. Zlatko Radic, der als neuer Trainer des A-Ligisten TV Neuhof mit Zeitstrafen in Kontakt treten wird, hält sich mit einer vorzeitigen Bewertung jedoch zurück: "Es gibt sicherlich Vor- und Nachteile. Ob es gut ist, wird die Zeit zeigen. Wir sollten die Saison abwarten und dann ein Fazit ziehen." Deutlich kritischer wird da schon Marc Röhrig, Spielertrainer des Kreisoberligisten Rothemann: "Ich weiß nicht, warum immer etwas am Spiel geändert werden muss. Am Ende wird ein Spieler noch belohnt, wenn er zweimal auf die Knochen geht und nach zehn Minuten weiterspielen darf."

Für viele noch fraglich: Wie wirkt sich die Rote Karte aus, die nach der Zeitstrafe folgt? "Die Frage ist, was der Roten Karten zugrunde lag", sagt Gerd Schugard, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses. Heißt: Ein Foul wird eher zu einer Sperre führen als Zeitspiel oder Ballwegschlagen. Doch die Zeitstrafe soll eben genau das verhindern: Sperren. "Die Zeitstrafe soll eine Erziehungsmaßnahme sein und wir wollen den Vereinen entgegenkommen, da die Spielerzahl meist nicht allzu hoch ist", sagt Schugard. (Tino Weingarten)+++

Mediennetzwerk Hessen



Dieser Artikel ist zuerst auf torgranate.de erschienen.

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