Fulminante Revue am Uniplatz

Was für eine geile Beerdigung! – Die EAV lässt sich zu Grabe tragen

Alle Fotos: Martin Engel - Voll die geile Show der EAV am Donnerstagabend auf dem Uniplatz in Fulda

31.05.2019 - Die Beerdigung war der Knaller. In einem geschlossenen Sarg ließ sich Sänger Klaus Eberhartinger am Donnerstagabend auf die Bühne am Uniplatz tragen, damit die rund 2.500 Zuschauer die Erste Allgemeine Verunsicherung – kurz: EAV – nach „1.000-jähriger“ Bandgeschichte in Würde zu Grabe tragen konnten. Na ja, so stand’s zumindest auf dem Plakat zur Abschiedstournee. In Wirklichkeit gibt es die EAV erst seit 40 Jahren, aber so eine fulminante Gala-Abschiedsvorstellung muss man ihr erst einmal nachmachen.



Etwa 2.500 Leute kamen

Das „Konzert“ war eigentlich gar keines, sondern eine quietschbunte Nummern-Revue mit wunderschönen Bildern, in der die Songs fast schon als Spielszenen auf die Bühne gebracht wurden: fliegender Wechsel bei Kostümen und Requisiten, eine spektakuläre Lichtshow und ein fetter Sound, der weit in die Innenstadt reichte. Das Korsett des Abends bildeten die – charmant im österreichischen Schmäh vorgetragenen – Zwischenmoderationen Eberhartingers.

Sänger Klaus Eberhartinger

Dieser erinnerte an die Gründung der EAV durch das musikalische Mastermind Thomas Spitzer, der am Donnerstag virtuos die E-Gitarre zupfte. Eberhartinger selbst kam ein wenig später zur Band. Mit drei Achtungserfolgen wurde Anfang der 1980er Jahre das Fernsehen auf die EAV aufmerksam und der große Durchbruch kam schließlich 1985 mit dem Album „Geld oder Leben“ – Nummer 1 in Österreich, Deutschland und gleichzeitig in der Schweiz, „obwohl die doch in der Regel ein bisschen langsamer sind“.

Klar waren die Songs dieses Albums das Organisationszentrum im Repertoire des Abends: Den Titelsong, „Ba-Ba Banküberfall“, „Heiße Nächte (in Palermo)“ sowie „Märchenprinz“ und „Fata Morgana“ hatten die meisten Besucher wohl am besten im Ohr, und sie waren es auch, die der EAV damals das Image einer Quatsch-Anarcho-Band einbrachten. Und doch war sie immer schon politisch, und so war das Konzert vor allem auch ein Statement für Toleranz, gegen Rechts und Engstirnigkeit. Eberhartinger: „Ihr dürft nicht vergessen, dass Österreich momentan keine Regierung hat, und einer muss ja die Arbeit machen.“

Sensationell die musikalische Bandbreite der EAV: Diese reicht vom Bombast-Rock über Swing-Jazz, Heimatklänge bis hin zur Ballade und dem klassischen Rock’n’Roll. Neben Eberhartinger und Spitzer waren auf der Bühne zu sehen Franz Kreimer (Keyboard und Blasinstrumente), Aaron Thier (Drums), Alvis Reid (Bass) und Kurt Keinrath (Gitarre). Alle sind hervorragend aufeinander eingespielt, und es ist kaum vorstellbar, dass das ihre Abschiedstournee sein soll. – Aber das behaupten die Stones ja auch seit Jahrzehnten.

EAV-Gründer Thomas Spitzer

Nach fast zweidreiviertel Stunden und drei Zugaben war Schluss, und ein begeistertes Publikum, das vor allem über 40 Jahre alt war – das Alter und das Altern waren überhaupt ein Hauptthema Eberhartingers, das er humorvoll auskostete – spendete frenetischen Applaus. Ruhe sanft und in Frieden, EAV!

PS: Das Konzert am Uniplatz fand im Rahmen des 1275. Stadtjubiläums statt. Am Freitag folgt Nena, am Samstag und Sonntag heizt dann Mark Forster dem Publikum ein. (Matthias Witzel) +++