Wirtschaftsstandort Vogelsberg (7)

Hartmann Spezialkarosserie baut individuelle Fahrzeugaufbauten für den Weltmarkt

Fotos: Hartmann Spezialkarosserie -

19.12.2018 - Die Arbeitswelt im Vogelsberg ist bunt und vielfältig - dazu trägt auch das 120-köpfige Team von Hartmann Spezialkarosserie GmbH in Alsfeld bei. Lackierer, Mechaniker oder Karosserie- und Fahrzeugbauer sind hier tagtäglich am Werk, um den weltweiten Markt im Karosseriebau abzudecken.

Das Unternehmen wurde im Jahr 1920 in Alsfeld gegründet - 55 Jahre später musste die Firma Insolvenz anmelden: Ein Großauftrag, bei dem schon alle Teile bestellt und alles abgestimmt war, scheiterte, das Unternehmen hatte keine Absicherung. Ein paar Monate später kaufte Heinz Friederichs, der bereits die Firma 'Friederichs' in Frankfurt besaß, das Unternehmen in Alsfeld - und dachte dabei schon an die Zukunft seiner beiden Söhne. Er hatte im Sinn, dass die beiden nach seinem Tod jeweils die Sitze in Alsfeld und Frankfurt  übernehmen sollten - doch der Job kam für beide nicht in Frage. Deshalb gründete er zusammen mit seiner Frau Gisela im Jahre 1991 die Heinz und Gisela Friederichs-Stiftung, um den Fortbestand der über 150-jährigen Familientradition im Kutschen- und Karosseriebau zu sichern. Bis heute schwebt die gemeinnützige Stiftung über den beiden Aufbauherstellern in Frankufrt und Alsfeld - "deshalb steht auch der soziale Gesichtspunkt bei Hartmann Spezialkarosserie im Vordergrund", erzählt der neue Geschäftsführer Christian Tuscher im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Heute beliefert die Firma vor allem viele staatliche Unternehmen, beispielsweise Behörden oder Justiz, mit ihren Produkten. "Wir sind für die Kofferbauten zuständig", erklärt Tuscher. Das Angebot von Hartmann Spezialkarosserie ist dabei breit gefächert - von Campingfahrzeugen, Jagdmobilen, Geld- und Werttransportern oder Gefangenenbusse ist alles dabei. "Jeder Koffer ist individuell, der Kunde bestimmt mit seinen Wünschen, es gibt kein Musterfahrzeug." Die technische Abteilung der Firma konstruiert mit einem Computerprogramm die Fahrzeuge in 3D, sodass sich der Kunde das Endergebnis besser vorstellen kann. "Nahezu jedes Fahrzeug ist individuell." Auch deshalb kann Tuscher nicht sagen, wie viele Aufbauten im Jahr produziert werden, "das hängt immer vom Auftrag ab".



Um den laufenden Aufträgen gerecht zu werden, setzt die Firma auf qualifizierte Facharbeiter. "Auch wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass es schwierig ist, gute Facharbeiter zu finden - doch wir hatten in den letzten ein, zwei Jahren Glück, dass einige Fachkräfte wieder zurück in die Region gekommen sind." Das Unternehmen bildet derzeit 15 Azubis aus - darunter sind auch zwei junge Damen, die sich im eigentlich männerdominierten Berufsfeld durchsetzen möchten. Auch das macht die Firma stolz.

Tuscher bezeichnet das Traditionsunternehmen auch als "hidden champion": "Wir bieten Produkte an, die anfassbar sind und mit denen man nicht jeden Tag zu tun hat, genau das macht unsere Firma so interessant: die Herstellung von maßgeschneiderten Produkten weltweit." Und nicht nur das - auch der Standort im Herzen von Alsfeld ist für die Firma lukrativ. "Auch im Vogelsberg gibt es gute und qualifizierte Facharbeiter, wir sind auf keinen Fall abgehängt - im Gegenteil - in Alsfeld sind wir gut aufgestellt, und auch in der Mitte zu Fulda, Gießen oder Kassel gut aufgehoben." (Luisa Diegel)

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