09.04.10 - REGION

Pfadfinder-Appell: Rücksicht auf Kröten nehmen - "Kostet nur 2 Minuten Zeit"

Um mehr Rücksicht auf die Erdkröten, die derzeit zu ihren Laichgewässern und wieder zurück wandern, haben die Evangelischen Pfadfinder Vogelsberg die Verkehrsteilnehmer ganz eindringlich gebeten. Vor kurzem hat die die Scout-Sippe "Panther" bei mehreren Einsätzen Geschwindigkeitsmessungen und Zählungen von toten Kröten durchgeführt. Da es die Krötenwanderungen nicht nur im Vogelsberg, sondern auch in Rhön, Kinzigtal, Spessart und Waldhessen gibt, gilt der Appell auch für Auto- und Lkw-Fahrer in allen Regionen Osthessens.

"Die wenigsten Autofahrer gehen bei den Warnschildern, die auf die Krötenwanderung hinweisen, vom Gas", berichtete Selina Sommer aus Kirtorf nach dem Pfadfinder-Einsatz. Die meisten Pkw seien bei Nacht, wenn die Kröten unterwegs sind, mit 85 bis 100 km/h an den beschilderten Stellen der Landstraßen unterwegs gewesen. "Und wenn doch ein Auto langsam fährt, wird es vom Hintermann überholt", schilderte Selina ihre Erfahrungen.

Keine Überlebenschande wenn schneller als "Tempo 20" gefahren wird

Das Ergebnis sei traurig. So seien während der einstündigen Beobachtung einer nur 150 Meter langen Straßenstrecke bei Wäldershausen 24 getötete Kröten gezählt worden. Damit habe jedes zweite Fahrzeug auf dieser kurzen Strecke eine Kröte getötet. "In Wirklichkeit sind es sicherlich noch deutlich mehr, weil sich einige Tiere noch verletzt weiterschleppen oder vom Auto an den Straßenrand geschleudert werden, wo wir sie nicht gesehen haben."

Eigene Tests hätten ergeben, dass man bei einem Tempo über 20 km/h kaum noch eine Möglichkeit habe, den Tieren rechtzeitig auszuweichen. Tempo 60 und mehr überlebten die Kröten dabei selbst dann nicht mehr, wenn sie nicht vom Reifen erfasst würden. "Die Kröten sterben allein durch den hohen Luftdruck und die Verwirbelungen unter dem Auto", hat Selina beobachtet.

Die jungen Leute der Pfadfinder-Gruppe, die aus Kirtorf und Alsfeld (Vogelsbergkreis) kommen, können den Verkehrsteilnehmern, die bewusst nicht zum Krötentod beitragen mögen, auch Tipps geben. Einige Straßenmeistereien schilderten sehr exakt aus. Ab einem entsprechenden Kröten-Hinweisschild sollten Autofahrer daher bei Dunkelheit - und auch tagsüber, wenn es warm und nass sei - einfach sehr langsam fahren. Es seien nur sehr kurze Abschnitte, auf denen die großen Krötenzüge wanderten, dort aber kämen eben hunderte der Tiere pro Nacht.

Kurze Warn-Abschnitte "im Fahrradtempo": kostet nur wenige Minuten

Bei einer Fahrt im Fahrradtempo könne man die Tiere gut erkennen und so fahren, dass sie nicht von den Rädern erfasst werden. Bei höherem Tempo werde die gesamte Fahrzeugbreite und noch etwas mehr leider zur "Todeszone", so dass praktisch keine Kröte, die sich auf der Fahrbahn befinde, überlebe. Die Tiere wanderten sehr zielsicher - wie sie das schafften, sei wissenschaftlich noch nicht geklärt - , und daher fast immer direkt quer zur Fahrbahn. Im Scheinwerferlicht eines Autos verharrten sie meist und richteten die Vorderbeine auf, um für den "potenziellen Feind" größer zu erscheinen.

Die Pfadfinder richteten an alle Verkehrsteilnehmer die große Bitte, nur etwas mehr Rücksicht zu nehmen. Und dies bedeute lediglich ein, vielleicht zwei Minuten länger für eine Strecke zu benötigen, weil man auf einem kurzen Abschnitt, wo speziell auf die Krötenwanderungen hingewiesen wird, sehr langsam fahren muss. Leider war die Beobachtung der Jugendlichen in diesem Jahr, dass dies kaum ein Autofahrer tue.

(Die Redaktion von "osthessen-news" möchte noch einen Hinweis anhängen: Verkehrsteilnehmer die auf den ausgeschilderten Krötenzug-Strecken sehr langsam fahren wollen, sollten sicherheitshalber die Warnblinkanlage des Fahrzeugs einschalten - damit auch nachfolgende "Eilige" erkennen, dass hier langsam gefahren wird.) +++

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