An der Freiherr-vom-Steinschule gibt es schon seit einiger Zeit eine IPad-Klasse. Sie ist auf so positive Resonanz gestoßen, dass inzwischen sogar vier weitere dazu gekommen sind. Fotos: privat

27.01.16 - FULDA

Digitales Klassenzimmer

So kommen die neuen Medien im Unterricht an

IPad, Smartphone, Laptop und Co. – aus dem Alltag zahlreicher osthessischer Schülerinnen und Schüler nicht mehr wegzudenken. Aber wie sieht es eigentlich im Unterricht aus? Stehlen die Neuen Medien bald den Lehrern und Schulbüchern die Show? Nein, meint André Müller, stellvertretender Schulleiter an der Freiherr-vom-Stein-Schule. Aber auch, wenn sie eine Lehrkraft nicht ersetzen können: Eine Reihe von Vorteilen bieten IPad und Co. im Unterricht laut Müller dennoch. Stephan Schmitt, der Leiter des Staatlichen Schulamts geht sogar so weit zu sagen, dass IPads und Co. überhaupt nichts mehr Besonderes sein sollten.

Die Freiherr-vom-Stein-Schule ist in der Region Vorreiter auf diesem Gebiet. Im Jahr 2012 wurde hier die erste IPad-Klasse eingerichtet. Damals als Pilotprojekt: Knapp 30 Schülerinnen und Schüler der Klasse 8c probierten aus, wie es sich im Unterricht mit einem IPad arbeiten und lernen lässt. Heute, ein bisschen mehr als drei Jahre später, kann der stellvertretende Schulleiter André Müller ein klares Statement abgeben: „Wir würden es wieder genauso machen.“

Aus der einen IPad-Klasse sind inzwischen fünf geworden - verteilt über die Jahrgangsstufen sieben bis zehn. Und Müller ist sich sicher: „Das Projekt wird auch in Zukunft erhalten bleiben.“ Immerhin gäbe es eine ganze Reihe von Vorteilen, die die IPads mit sich bringen würden: So seien die Schülerinnen und Schüler der entsprechenden Klassen durch das Projekt technikaffiner, würden Selbstständigkeit beim Recherchieren lernen, und auch beim Präsentieren und Darstellen von Sachverhalten sei das IPad ein enormer Pluspunkt.

An der Freiherr-vom-Stein-Schule wird das IPad vor allem in sprachlichen Fächern eingesetzt, aber auch in anderen Bereichen wie Geschichte oder Politik. Und ganz wichtig: „Auch der kritische Umgang mit den neuen Medien wird im Unterricht erarbeitet“, unterstreicht Müller. Wo ist es sinnvoll, das Tablet zu benutzen? Wo nicht?

Dass es im Unterricht nicht einfach nur einen Einsatz um Einsatzwillen gibt - also dass das IPad nicht ohne spezielles Ziel benutzt wird - ist auch Stephan Schmitt, dem Amtsleiter des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Fulda, wichtig. „IPad und Co. müssen gezielt verwendet werden“, sagt er. Im Prinzip sei der Einsatz im Unterricht wünschenswert, schon allein, um den Mädchen und Jungen Neue Medien näherzubringen. „Dass dabei auch die Lehrerinnen und Lehrer auf den neusten Stand kommen, ist ein positiver Nebeneffekt“, scherzt er.

An der Freiherr-vom-Stein-Schule werden dafür sogar Fortbildungen angeboten, berichtet Müller. Zum einen auf der technischen Seite, zum anderen auf der unterricht-didaktischen. Die Schülerinnen und Schüler erhalten im Unterricht konkrete Aufgaben - als Spielgerät, und somit als mögliche Ablenkung, soll das IPad nicht benutzt werden.

Klingt so, als wäre es durchaus möglich, dass das IPad bald das Bild in den Klassenräumen bestimmt. Für Schmitt durchaus denkbar. „In vielen Schulen werden Tablets oder Laptops und PCs ja schon ganz normal und unbedarft genutzt.“ Dort gäbe es zwar keine konkret ausgewiesenen IPad-Klassen, doch die Geräte würden eben einfach zum Unterricht gehören. „Das ist heute keine Zauberei mehr.“

Und was wird dann aus dem guten, alten Schulbuch? „Das wird nicht aus dem Unterricht verschwinden“, meint Schmitt. Ob es aber in Zukunft digital oder analog sein wird, kann er nicht sagen. Tatsächlich gäbe es aber, so Müller, Entwicklungen, die Lehrbücher zu digitalisieren und sie so auch auf dem Tablet zur Verfügung zu stellen.

Und auch in der Schulordnung des Fuldaer Gymnasiums hat die Digitalisierung Einzug gehalten: „Wir wollen die technische Ausstattung, die die Schülerinnen und Schüler sowieso schon haben, also Smartphones und Co., sinnvoll im Unterricht integrieren“, sagt Müller. So ähnlich ist es in der Ordnung festgehalten. Konkret sieht das so aus, dass der Lehrer oder die Lehrerin den Schülern themenspezifische Aufgaben geben kann. Ein Beispiel wäre das Googlen nach der Herkunft eines Wortes, auf das gerade im Unterricht zu sprechen gekommen ist.

Aber IPad hin oder her: „Der Lehrer oder die Lehrerin wird niemals überflüssig werden“, betont Müller. Trotzdem habe es in der Vergangenheit einen regelrechten „Run“ auf seine Schule gegeben, berichtet der stellvertretende Schulleiter. „An einer Hochschule in Stuttgart gibt es eine Evaluationsgruppe, die das Projekt mehrmals pro Jahr begutachtet, und viele hessische Schulen bekunden Interesse, uns zu besuchen und zu schauen, wie die IPad-Klasse läuft.“

Nicht nur in dem Fuldaer Gymnasium haben die Neuen Medien Einzug gehalten. Auch in den Vorlesungen an der Hochschule Fulda sind IPads, Smartphones und Laptops schon lange nicht mehr wegzudenken. „Tatsächlich gibt es ja auch virtuelle Lernplattformen“, sagt Pressesprecherin Dr. Antje Mohr. Dort bekommen die Studierenden Infos zu ihren Vorlesungen oder Seminaren digital zur Verfügung gestellt – werden also mit den Neuen Medien konfrontiert, um im Studium voranzukommen. Aber nicht nur in diesem Bereich hat die Digitalisierung an der Hochschule Einzug gehalten, weiß Professor Dr. Kathrin Becker, Vizepräsidentin für Studium und Lehre. Inzwischen gebe es sogar digitalisierte Prüfungsformen, virtuelle Studiengänge, und dass die Studierenden in den Vorlesungen statt mit der Hand am PC oder Laptop mitschreiben, sei lange keine Seltenheit mehr: „Das ist inzwischen gängig.“ +++




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