Ein Teil der Gruppe zu Gast in Fulda. Rechts: Zerai Kiros Abraham

31.03.16 - FULDA

Mit dem Rad von Frankfurt nach Berlin

Acht Eritreer vom Team AfriQa auf Dankestour durch Deutschland

Acht radsportbegeisterte Flüchtlinge aus Eritrea wollen mit dem Rennrad von Frankfurt nach Berlin fahren. Um den ehrenamtlichen Helfern Danke zu sagen, Neuankömmlinge anzuspornen und um Mitgefühl zu werben. Im Gasthof „Drei Linden“ in Fulda/Neuenberg haben die Sportler die letzte Nacht nach ihrer ersten Etappe verbracht. Gut gelaunt sitzen sie am Frühstückstisch und planen die Route für den heutigen Tag. „Es muss nur das Wetter mitspielen“, sagt Zerai Kiros Abraham der das Projekt „Team AfriQa – Refugees on the move“ gegründet hat.

Was kaum jemand vermuten würde, so erzählt Abraham im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS, sei die Tatsache das Eritrea das einzige Land der Welt sei, in dem Straßenradrennen ein Volkssport wäre. Etwa 200 Profiradfahrer würde das Land zählen, dass gerade einmal fünf Millionen Einwohner hat. Somit sei es nicht verwunderlich, dass unter den geflüchteten Eritreern auch viele begeisterte Radsportler seien. „In unserer Gruppe befinden sich drei Fahrer, die in unserer Heimat in der Profiliga gefahren sind, ein weiterer war Jugendmeister.“ Das Projekt Team AfriQa, so der Mann, würde den Flüchtlingen helfen, soziale Kontakte in Deutschland zu knüpfen. „Ein Mitglied unserer Gruppe lebt bereits seit acht Jahren in Hessen, aber erst durch uns hat er hier Freunde gefunden.“ Über Crowdfunding sei das Geld für die sechstägige Radreise zusammengekommen. „Insgesamt konnten wir 7.000 Euro sammeln“, freut sich der gebürtige Eritreer.


Über Dresden und Leipzig soll die Strecke bis zum Willy Brandt Haus in Berlin führen. Über den Politiker erzählt Abraham viel, schließlich sei auch er ein Deserteur gewesen. „Was kaum jemand weiß ist das Willy Brandt seinen Namen änderte. Eigentlich hieß er Herbert Ernst Karl Frahm.“ Brandt sei ein Vorbild für die vielen Flüchtlinge, die aus strategischen Überlebensgründen unter falschen Angaben nach Deutschland kämen. „Wenn ein 20-jähriger aus Eritrea nach Deutschland kommt und sagt dass er 20 ist, hat er kaum eine Chance hier zu bleiben. Sagt er aber er sei 17, so erhält er neben der Aufenthaltsgenehmigung eine gute Unterkunft, schulische sowie eine berufliche Ausbildung.“

Empathie und Sympathie möchte die Radsportgruppe durch ihre Aktion gewinnen, so Abraham. „Wir wollen mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen und sie davon überzeugen, dass auch wir ein Teil der Gesellschaft sind.“ (mr) +++




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