Leere Straßen, kein Mensch in Sicht -

TANN (RHÖN)Unsichere Zukunft:

Leerstände in der Innenstadt: "Selbst die Grundversorgung ist gefährdet"

10.06.16 - Bis zum Jahr 2030 soll Deutschland laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung trotz hoher Zuwanderung um mehr als eine halbe Million Einwohner schrumpfen. Dieser Bevölkerungsrückgang verteilt sich allerdings alles andere als gleichmäßig. Während die Städte nach wie vor wachsen, verliert der ländliche Raum. Die Folgen des Bevölkerungsrückgangs dürften für viele kleine Gemeinden dramatisch werden, für die schrumpfenden und alternden Regionen wird es immer schwieriger werden, eine gute Infrastruktur zu gewährleisten.

In der Kleinstadt Tann/Rhön ist das Problem bereits hinlänglich bekannt. Die letzten verbliebenen Geschäfte sterben langsam aus, das Bild der Innenstadt wird von leerstehenden Häusern geprägt. „Wir sind gerade dabei, einen strategischen Plan zu erarbeiten, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken“, sagt Bürgermeister Mario Dänner (parteilos) im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Verschiedene Förderprogramme wurden beantragt, weitere finanzielle Hilfe erhofft sich der Bürgermeister von der Landesregierung. „Trotz aller Bemühungen werden wir in ein paar Jahren froh sein, wenn wir überhaupt noch die Grundversorgung gewährleisten können.“

Während die Menschen früher meist am Geburtsort arbeiteten, heirateten und ein Haus bauten, zieht es viele junge Leute mittlerweile in die Städte, die Gründe dafür sind vielfältig. Die verbleibende Bevölkerung überaltert, der ländliche Raum stirbt vor sich hin. „Es wäre aber auch keine Lösung, jedem, der sich für einen Hauskauf in Tann entscheidet, eine Prämie von 2.000 Euro zu zahlen“, ist sich Dänner sicher. „Wir müssen die Stadt in Zukunft besser vermarkten, für Privatpersonen sowie für Gewerbetreibende attraktiver machen.“ Ein großes Problem in Tann sei, so Dänner, das Fehlen von Gewerbeflächen. „Andere Gemeinden haben Flächen, die sie Interessierten anbieten können. Wir selbst haben kaum Gewerbegrund, und die Privatleute, die hier die für Firmen interessanten Flächen besitzen, verlangen aberwitzige Preise dafür.“ Den Mittelstand zu stärken, sei aber die einzige Möglichkeit, der Stadt wieder auf die Füße zu helfen, so Dänner weiter. „Wir haben uns in den letzten Jahren zu sehr auf den Tourismus konzentriert. Dieser ist aber nur eine Säule des Vermarktungskonzeptes der Stadt.“

Obwohl Tann vor einiger Zeit als einer der schönsten Orte Hessens gekürt worden sei, hätte man anhand der Übernachtungszahlen erkannt, dass konstant hohe Zahlen nicht zu halten seien. „Die Leute kommen einmal hier her, stellen fest dass es hier kaum Geschäfte gibt und sind enttäuscht. Die kommen nie wieder.“ Um die im Ort ansässigen Firmen bekannter zu machen, erstelle man nun gemeinsam mit dem Gewerbe- und Verkehrsverein einen Gewerbekatalog. „Selbst viele Einheimische wissen nicht, welche Firmen es hier überhaupt gibt.“ Eine Patentlösung für die vielen leerstehenden Häuser in der Innenstadt hat auch der Bürgermeister nicht. „Das Problem bei diesen Immobilien ist, dass die meisten davon ziemlich alt sind und einen erheblichen Sanierungsstau aufweisen.“ Die Eigentümer hätten in der Regel kein Interesse daran, die Häuser wieder aufzubauen. „Und obwohl die Liegenschaften meist enorm günstig sind, traut sich da auch kaum ein privater Käufer dran.“

Aber genau diese privaten Investoren bräuchte es laut Dänner, um das Stadtbild wieder lebendiger zu machen. „Viele Geschäfte haben wir hier nicht mehr. Bei den meisten, die noch verbleiben, ist abzusehen, dass sie auch in kürzerer Zeit schließen weil die Besitzer in Rente gehen.“  Dabei wäre ein Umzug in die Rhöngemeinde gerade für junge Familien attraktiv. Vergleicht man die Lebenshaltungskosten in Tann mit denen im Stadtgebiet von Fulda, stellt man schnell fest, dass die Kosten um ein Vielfaches günstiger sind. Aber auch anderen ländlich gelegenen Gemeinden wird es in Zukunft wie der Stadt Tann ergehen. Schade, wenn man bedenkt, wie schön diese Städte eigentlich sind. (Miriam Rommel) +++


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