Pflanztermin für den "Frauenrother Wilden" im Streuobstgarten Hausen mit (v. l.) Dr. Doris Pokorny, Adam Zentgraf, Bürgermeister Fridolin Link, Franz-Peter Ullmann (Landratsamt Bad Kissingen), Roland Lenhart (Sachgebietsleiter Naturschutz, Landratsamt Bad Kissingen) und Bürgermeister Waldemar Bug - Foto: Marion Eckert

HAUSEN/RhönBaumpflanzaktion

"Frauenrother Wilde" fand im Streuobstgarten in Hausen ein neues Domizil

02.12.16 - Der "Frauenrother Wilde" ist eine neue in der unterfränkischen Rhön entdeckte Apfelsorte. Im Rahmen des Projekts Dokumentation "Historischer Kulturlandschaftselemente in der Marktgemeinde Burkardroth" wurde das Bearbeiterteam auf einen mächtigen Apfelbaum in der Gemarkung Frauenroth aufmerksam. Der Baum hat eine 18 Meter breite Krone und einen Stammumfang von 3,75 Metern. Auf gut 120 Jahre werde der Baum geschätzt.

Wie Dr. Doris Pokorny von der Biosphärenreservatsverwaltung Bayerische Rhön erklärte, sei sofort Kontakt zu namhaften Pomologen aufgenommen worden. Doch einer bekannten Apfelsorte konnte der Baum nicht zugeordnet werden. "Bestimmungsversuche durch Pomologen haben ergeben, dass es sich um einen Wildling handelt, also um eine genetisch neue Sorte." Der Name stand somit auch gleich fest: Der Wilde von Frauenroth. Er sei nach Einschätzung des Pomologen Hans-Joachim Bannier insbesondere als künftiger Stammbildner interessant. Deshalb sei nicht nur der alte Baum in der Flur sehr erhaltenswert, sondern es soll auch sein Genpool unbedingt erhalten bleiben, damit es künftig auch noch mächtige Bäume in der Feldflur geben kann.

"Streuobst ist ein Kulturprodukt", sagte Dr. Pokorny. Es sei wichtig für die Kulturlandschaft und das Landschaftsbild. Der Erhalt von Streuobst und der Sortenvielfalt sei seit vielen Jahren schon ein großes Thema im Biosphärenreservat, ein länderübergreifendes Thema, das bis in die Vermarktung hinein unterstützt werde. Denn nur durch die Nutzung sowie die damit zusammen hängende Pflege bleibe ein Baum wertvoll und werde erhalten. Mancher alte Obstbaum sei schon leichtfertig der Motorsäge zum Opfer gefallen, weil die Qualität und Bedeutung des Obstes und der alten Obstbäume nicht geschätzt werde.

Im Biosphärenreservat Rhön (mit Erweiterungsgebiet) gebe es gemäß Luftbildauswertung länderübergreifend 1.309 Hektar Streuobst. In Bayern 686 Hektar, in Hessen 293 Hektar und in Thüringen 349 Hektar. Vor der Erweiterung des Bayerischen Bereichs waren es in Bayern 369 Hektar. Mit dem Erweiterungsgebiet kamen also 317 Hektar Streuobstflächen dazu, zeigte Dr. Pokorny die Zahlen auf. Lineare Daten für das Erweiterungsgebiet stehen derzeit nicht zur Verfügung. Es sind aber mindestens die angegebenen, also 180 Kilometer Streuobst für das Gesamtgebiet und 116 Kilometer für den Bayerischen Teil.

Streuobst zu erhalten, das sei seit vielen Jahren Aufgabe von Adam Zentgraf, der den Streuobstlehrpfad in Hausen betreut und einen Sortenerhaltungsgarten anlegte. "Alte Sorten erhalten und sie wieder auf den Markt bringen", das ist unser Ziel sagte er. Zentgraf habe im Frühjahr 2016 mit Einverständnis des Besitzers Reiser vom Baum in Frauenroth entnommen und einen jungen Baum veredelt. Dieser habe sich dank der professionellen Pflege durch Zentgraf gut entwickelt, so dass er nun gepflanzt werden konnte. Sein Standort ist im Streuobst-Sortengarten Hausen, der bereits vielen alten und vom Aussterben bedrohten Obstsorten eine dauerhafte Heimat gibt. "Der Frauenrother Wilde ist bei uns in Hausen nun sehr gut aufgehoben", so Zentgraf.

Waldemar Bug, Bürgermeister von Burkardroth freute sich sehr, dass der Frauenrother Wilde entdeckt und in Hausen weiter kultiviert werde. Der Baum in Frauenroth steht direkt am Premiumwanderweg Hochrhöner. Ein entsprechendes Hinweisschild auf die kulturhistorische Bedeutung des Baumes habe die Gemeinde in Planung. Bug erklärte sich bei der Pflanzaktion spontan bereit, den jungen Baum in seine persönliche Patenschaft zu übernehmen. Ein Baumpate zahle einen einmaligen Beitrag von 50 Euro und könne in späteren Jahren bis zu fünf Kilo der Äpfel ernten.

Franz-Peter Ullmann, Fachreferent für Naturschutz am Landratsamt Bad Kissingen berichtete von Plänen, den Frauenrother Baum als zum Naturdenkmal zu erheben, vorausgesetzt der Eigentümer ist damit einverstanden. Natürlich freute sich auch Hausens Bürgermeister Fridolin Link, dass ein neuer Schützling im Sortenerhaltungsgarten untergebracht werden könnte. Streuobstlehrpfad und Sortenerhaltungsgarten seien Aushängerschilder der Gemeinde Hausen ebenso wie der Apfelmarkt. "Wir sind eine Modellgemeinde im Biosphärenreservat", sagte Link. Rund 200 verschiedene Apfelsorten seien in Hausen mittlerweile beheimatet. Pro Baumsorte gibt es idealerweise drei Bäume, zwei im Streuobstgarten in Hausen und einer im etwas höher gelegenen Roth, um Beständigkeit und Sortenverhalten zu testen und bei eventuellen Krankheiten immer noch einen Reservebaum zu haben.

Der Frauenrother Wilde sei ein Kelterapfel, gelblich-grün der Färbung. Über die Lagerfähigkeit sei noch nichts bekannt. Ziel sei es natürlich den Baum weiter zu vermehren und auch zu vermarkten. Interessenten gebe es bereits. (Marion Eckert) +++




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