FULDAErlösung als österliches Gnadengeschenk

Bischof Algermissen predigte an Ostern im überfüllten Fuldaer Dom

16.04.17 - Erlösung ist nach unserem Glauben niemals Ergebnis eigener Leistung, sondern österliches Gnadengeschenk.“ Dies stellte Bischof Heinz Josef Algermissen in einem feierlichen Pontifikalamt am Ostersonntag im überfüllten Fuldaer Dom heraus. Ganz und gar unverständlich sei ihm, dass Christen aller Altersgruppen zunehmend den Glauben an die Auferstehung hinter sich ließen und dem österlichen Gedanken eine Wiedergeburt in einem anderen Leben vorzögen, unterstrich der Oberhirte. Hinter der Lehre vom Kreislauf der Geburten im Buddhismus stehe die Vorstellung, dass der Mensch sich die Erlösung selbst erarbeiten müsse, und weil dazu ein Leben nicht ausreiche, müsse es eine Folge von Wiedergeburten geben, die im Buddhismus indes als Fluch und Strafe angesehen würden. „Solches Drama wird offensichtlich im Umfeld unserer Gesellschaft zu einer neuen Chance nach einem misslungenen und verspielten Lebensentwurf umfunktioniert“, sagte der Oberhirte und stellte klar, dass Reinkarnation und christliche Auferstehung sich diametral widersprechen und nicht miteinander vereinbar sind.

Bischof Heinz-Josef Algermissen segnet Kinder ...Fotos: Erich Gutberlet

Der Dom zu Fulda.


Der Philosoph Jürgen Habermas habe 2001 in der Frankfurter Paulskirche betont, dass die verlorene Hoffnung auf Auferstehung eine spürbare Leere hinterlasse, fuhr Algermissen fort. „Der Sieg des Gekreuzigten und Auferstandenen über den Tod hat sich als die Realität erwiesen, der die Zukunft gehört“, so der Bischof. „Diese Botschaft wurde im Exsultet der Osternacht aller Welt verkündet: Gott öffnet Türen, wo wir Menschen vor undurchdringlichen Mauern stehen. Gott lässt Licht aufleuchten, wo wir im Finstern tappen.“ Der Glaube an die Erlösung durch die Auferstehung führe direkt und folgerichtig in den Aufstand gegen alle Formen des gesellschaftlich wie politisch, wirtschaftlich wie militärisch organisierten Todes. Wo immer die Mächte des Todes am Werk seien, im privaten, gesellschaftlichen oder politischen Bereich, müssten Christen ihren Osterglauben bekennen und sich einsetzen, mitunter auch aussetzen, zum Beispiel gegen die Tötung ungeborener Kinder in der Abtreibung, gegen die Selektion behinderten menschlichen Lebens und gegen die aktive Sterbehilfe, für die die Politik leider eine Tür geöffnet habe. Gegen die skrupellosen Attacken, die in immer kürzeren Abständen auf den Lebensschutz versucht würden, müssten Christen zeigen, was der Osterglaube in ihrem Leben vermöge.

Der vollbesetzte Dom am Ostersonntag.


Zu Beginn seiner Predigt hatte der Bischof daran erinnert, dass Faust in Goethes Tragödie auf die Osterbotschaft der Engel geantwortet habe: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“. Diese Worte seien zur klassischen Bekenntnisformel aller Skeptiker geworden. Faust finde keinen Zugang mehr zur österlichen Freude, obwohl ihm in seiner Jugend Beten noch ein Bedürfnis gewesen sei. Viele Jahre habe er danach geforscht, was die Welt im Innersten zusammenhalte und was seinem Dasein Sinn und Inhalt geben könnte. Er habe es nicht gefunden und verzweifelt nach dem Giftbecher gegriffen, um seinem unerträglich gewordenen Leben ein Ende zu machen. Doch das Osterlied der Engel habe ihn vor dem äußersten Schritt bewahrt. „In wessen Leben singen schon Engel?“, fragte Algermissen und unterstrich: „Wir müssen mit dem auskommen, was glaubwürdige Zeugen uns übermittelt, was wir in der Verkündigung gehört, in der Schule gelernt haben.“ Im Glaubensbekenntnis der Kirche heiße es: „Am dritten Tage auferstanden von den Toten“. Das widerspreche doch jeglicher Lebenserfahrung, die besage, daß wir alle sterben müßten und keiner bisher zurückgekommen sei.


Die Grenze, an die man hier stoße, habe den Menschen immer schon zu schaffen gemacht, so Algermissen. Als der Apostel Paulus den gebildeten Athenern seine theologischen Ansichten vortrug und von der Auferstehung der Toten sprach, sei das diesen zuviel gewesen, und sie hätten gespottet. Der Oberhirte ging sodann auf die Frage ein, ob man wirklich an die Auferstehung Jesu glauben müsse oder ob diese „Zumutung“ nicht ein wenig „entschärft“ und „abgemildert“ werden könne. Man höre immer wieder, dass sich Auferstehung doch als Bild, als Symbol oder als Mythos erklären lasse.

Domkapellmeister Franz-Peter Huber.


„Paulus sieht das ganz anders“, setzte der Bischof dem entgegen. „Für ihn ist die Auferstehung Jesu das absolute Zentrum, die tragende Säule.“ Der Apostel habe betont, der Glaube sei nutzlos, wenn Christus nicht von den Toten auferweckt worden sei. Wenn die Hoffnung nur in diesem irdischen Leben auf Christus gesetzt werde, dann seien die Christen „erbärmlicher daran als alle anderen Menschen“. Im Kapitel 15 des ersten Korintherbriefes treffe man auf das älteste Zeugnis der Auferstehung Jesu, das Paulus schon Anfang der vierziger Jahre in der Gemeinde von Antiochien vorgefunden habe. „In einer verdichteten Kurzformel wird gesagt, was für die Gemeinde zentral und entscheidend wichtig ist: Christus ist für uns gestorben, wurde begraben und ist am dritten Tag auferweckt worden. Darum dreht sich alles. Davon hängt unser Leben ab.“


Allerdings sei selbst den Jüngern diese Einsicht damals nicht unmittelbar geschenkt worden, so Algermissen weiter. Jesu Tod habe sie völlig verstört und ihre Hoffnung auf ein irdisches Messiasreich zunichte gemacht, und sie hätten sich in die dunklen Winkel ihrer Verzweiflung und Angst verkrochen. Als sie dann hörten, Jesus sei auferstanden, seien sie nicht in Jubel und Begeisterung geraten, sondern vielmehr bestürzt und ratlos gewesen und hätten das, was die Frauen vom Grabe erzählten, als „Geschwätz“ abgetan. Aber dann habe sich etwas ereignet, das sie mit tiefer Freude erfüllt habe: Sie sahen den Herrn. „Jesus zeigte sich ihnen erkennbar, greifbar, in einer für sie bis dahin unbekannten und überwältigenden Weise“. Die Jünger, eigentlich Bauern und Fischer, seien Realisten gewesen, die mit beiden Füßen auf dem Boden der Wirklichkeit gestanden hätten.


„Sie haben IHN wahrhaft und wirklich gesehen und erlebten IHN mit solcher Intensität und Gewissheit, dass ihr Leben fortan von dieser Wahrheit geprägt war: Jesus lebt, und dadurch dürfen auch wir leben“, betonte der Fuldaer Oberhirte. Es habe sie gedrängt, die Leben und Tod verändernde Botschaft den Menschen zu bringen. „Sie wurden der Anfang einer ununterbrochenen Kette von Zeugen dieser guten Nachricht, der wichtigsten, die je den Menschen verkündet wurde“, stellte der Bischof heraus.

Zum Abschluss des Lateinischen Hochamts erteilte der Bischof den Päpstlichen Segen. Der Domchor unter Leitung Franz-Peter Hubers sang bei diesem Gottesdienst die „Missa in F“ mit Orchester von F. X. Brixi sowie weitere Chorsätze. An der Domorgel intonierte zum Auszug Prof. Hans-Jürgen Kaiser Bachs „Präludium in Es-Dur“. Weitere Eucharistiefeier im Dom ist die Abendmesse um 18.30 Uhr.+++



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