Als Mitglied einer Bürgerinitiative im Frauenberg-Wohnviertel... - Alle Fotos: ON-Archiv

FULDAEine wichtige Stimme ist verstummt...

"Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit" - Prof. Dr. Peter Krahulec (74) tot

30.06.17 - Er war ein "Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit", seine Meinung wurde weit über die Region Osthessen geschätzt und seit 1974 im aktiven Dienst als Hochschullehrer in Fulda ein "Denkmal" in den Lehrgebieten Erziehungswissenschaft, sozialer Arbeit und Pädagogik sowie Kultur- und Gemeinwesenarbeit. Prof. Dr. phil. Peter Krahulec, vor 74 Jahren in Prag geboren, ist verstorben. Mit ihm verstummt eine wichtige Stimme, ein Mahner und international renommierter Wissenschaftler und Friedensaktivist, dessen Forschungsgebiete nicht nur die Angewandte Friedenspädagogik war, sondern auch  die Regionalentwicklung, neue soziale Bewegungen (Friedensbewegung) und besonders die historisch-politische Bildung mit dem Schwerpunkt "Echo des Holocaust".

Als nachdenklicher Teilnehmer einer Performance ...

Als Besucher am Bahnhof in ...

Als Kollege und Hochschulprofessor bei ...

Hunderte von Veröffentlichungen und Vorträge zeichnen sein Leben und Wirken aus. Nicht nur das: Krahulec der deutsche Entdecker des „Fulda Gaps“ war und hat damit auch der Region Osthessen die Augen vor den Gefahren eines neuen Krieges mehr als geöffnet. Hier nämlich, östlich von Fulda, wo das Gebiet des Warschauer Paktes am weitesten in den Westen hineinragte, gingen die Militärstrategen davon aus, dass die Armeen des Warschauer Paktes aufmarschieren und die Grenze Richtung Fulda in kürzester Zeit durchbrechen könnten. Deshalb wurden im Rahmen des „General Defense Plans“ der US-Armee u.a. auch der Einsatz taktischer Kernwaffen in Erwägung gezogen. Alleine im Bereich um Fulda wären weit über hundert Atomwaffen gezündet worden.

Hautnah konnten die Menschen hier beispielsweise miterleben, wie im Zusammenhang mit der präventiven Gegenwehr des Westens in einem etwa 50 Kilometer breiten Gürtel entlang der Grenze Sprengschächte auf den Straßen angelegt wurden, um im Ernstfall die feindlichen Truppen auszubremsen.
Zuvor hatte er bei Manöverbeobachtungen und Auskundschaftungen wichtige Informationen gesammelt. Bei diesen Grenzlandfahrten - manche sprachen auch an "antimilitaristischer Heimatkunde" - fuhr Krahulec mit Interessierten in Bussen durch das Grenzgebiet. Diese Aktionen fanden großen Anklang, die sog. „Friedenspädagogische Alphabetisierung“ war angedacht. Durch diese "rollende Friedenswerkstatt" wurde der Bevölkerung im Bereich der Fulda-GAP vor Augen geführt, dass der Kalte Krieg quasi direkt vor ihrer Haustür stattfand. Die so entstandene persönliche Betroffenheit führte viele Menschen dazu, sich mehr für Friedensbewegungen zu engagieren. Nicht nur dies machte Peter Krahulec in der Region durch praktische Führungen dorthin der Öffentlichkeit bewusst. Er mischte sich auch vielfältig in Politik und Wissenschaft ein, um zu verdeutlichen, dass die Friedensaktivisten im Osten wie im Westen alleine gegen Militarismus waren – und nicht gegen die USA oder die UdSSR.

So war Peter Krahulec im Laufe seines Lebens u.a. auch Leiter der Arbeitsstelle Angewandte Friedenspädagogik in Fulda, Sprecher des bundesweiten Arbeitskreises „Frieden in Forschung und Lehre“, Mitglied im Dachverband der “Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung“, Beiratsmitglied der “Informationsstelle Wissenschaft und Frieden“ in Bonn und Vorstandsmitglied im “Studienkreis Deutscher Widerstand“. Erst als die oben genannten Verteidigungspläne mit dem Ende des „Kalten Krieges“ 1990 aufgegeben wurden, konnte Peter Krahulec aufatmen. Durch viele kleine Erfolge trug er so zur Erhaltung des Friedens und zur Aufklärung des Volkes bei. Mit der Grenzöffnung 1989 hatte Krahulec nicht gerechnet, er war jedoch "sehr erleichtert und hoch erfreut".

...und als Teilnehmer einer !.Mai-Kundgebung ...

Seitdem hatte er es sich bis zu seinem Tod zur Aufgabe gemacht, durch die Aufarbeitung der Geschichte mit seinen einstigen Mitakteuren auch die nachfolgenden Generationen für den Frieden auf der Welt zu sensibilisieren. Nicht selten war er in diesem Zusammenhang auch Gast auf der Mahn- und Erinnerungsstätte Point Alpha in Rasdorf, er beteiligte sich an den 1.Mai-Demonstrationen der Gewerkschaften ebenso wie an einer Performance zur Erinnerung an den KZ-Todesmarsch, er war anzutreffen auf Vortragsabenden und Lesungen als Friedensforscher zu den "Stillen Helden der NS-Zeit" oder auch als Mitglied der Frauenberg-Bürgerinitiative, in dem er sich für den Denkmalschutz in seinem Fuldaer Wohnviertel einsetzte. Und in einem Interview wurde Peter Krahulec gefragt, was sein "größter Erfolg" gewesen sei? Die wörtliche Antwort: "Daß mir meine Frau Vivienne nicht weggelaufen ist". (red).  +++




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