24.08.26 - Mehr als 50 Ausstellerinnen, drei Etagen, ein Innenhof und ein Haus voller Leben: Der Ladies‑Markt "von Frau zu Frau" zeigte am Samstag eindrucksvoll, welches Potenzial in Räumen steckt, die sonst ungenutzt bleiben.
Dabei war der erfolgreiche Markt im Konzepthaus am Markt 16 längst kein einmaliger Versuch mehr. Es war bereits die dritte größere Marktveranstaltung, die die Initiatorin Hasibe Özaslan in den ehemaligen Räumen der Bad Hersfelder Stadtverwaltung organisiert hat. Dazwischen fanden unter anderem zwei Pflanzentauschbörsen, zahlreiche Workshops, Netzwerktreffen, Gesprächsrunden und kleinere Veranstaltungsformate statt.
Was im vergangenen Jahr zunächst als Experiment begann, entwickelt sich damit zunehmend zu einem Beispiel dafür, wie Leerstand auch jenseits klassischer Zwischennutzung belebt werden kann. "Eine einzelne gut besuchte Veranstaltung kann Zufall sein. Wenn Menschen aber immer wieder kommen und ganz unterschiedliche Formate angenommen werden, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen", sagt Özaslan.
Ein Haus, das eigentlich nicht für Veranstaltungen gemacht wurde
Einfach sind die Voraussetzungen am Markt 16 nicht. Die Räume verteilen sich über mehrere Etagen, die Infrastruktur ist begrenzt und Sicherheits- und Nutzungsvorgaben müssen bei größeren Veranstaltungen berücksichtigt werden. Gerade der Ladies-Markt verlangte deshalb viel Organisation. Mehr als 50 Ausstellerinnen mussten auf drei Etagen und im Innenhof koordiniert werden. Hinzu kamen zahlreiche Helferinnen und Helfer für Einlass, Küche, Verpflegung, Sicherheit und die vielen Aufgaben im Hintergrund.
"Die beste Idee bleibt eine Idee, wenn es keine Menschen gibt, die bereit sind, sie mitzutragen", sagt Özaslan. Ihr besonderer Dank gelte deshalb den zahlreichen helfenden Händen und den Ausstellerinnen, die sich auf die ungewöhnlichen Bedingungen des Hauses eingelassen hätten. Belohnt wurde die gemeinsame Arbeit mit vollen Räumen und einer Atmosphäre, bei der es schnell um mehr ging als Kaufen und Verkaufen.
Menschen begegneten alten Bekannten, neue Kontakte entstanden, Familien kamen mit ihren Kindern, Frauen und Männer verschiedener Generationen gingen durch die Räume, verweilten im Innenhof und in den alten Bürozimmern. Aus Gesprächen entwickelten sich wiederum Ideen für neue Projekte. Genau dieser Nebeneffekt ist für Özaslan ein wesentlicher Bestandteil des Konzepthauses.
Leerstand ist kein Bad-Hersfelder Problem
Denn leerstehende Ladenlokale und Gebäude prägen längst nicht nur Bad Hersfeld. Sie gehören zum Bild vieler deutscher Innenstädte. Die Frage ist deshalb zunehmend nicht allein, wie möglichst schnell wieder eine dauerhafte gewerbliche Nutzung gefunden werden kann, sondern auch, was in der Zwischenzeit mit diesen Räumen geschehen kann. Das Konzepthaus versucht darauf eine praktische Antwort zu geben. Statt eines einzigen festen Nutzungskonzeptes wechseln die Formate: Markt, Workshop, Themenabend, Netzwerktreffen, Spielenachmittag, Kreativangebot oder Begegnungsformat. Mal kommen wenige Menschen gezielt zu einem Workshop, ein anderes Mal füllen fast 1.000 im Laufe eines Tages das Gebäude.
"Innenstadtbelebung funktioniert aus meiner Sicht nicht, wenn wir immer nur innerhalb derselben Gruppen denken", sagt Özaslan. "Es braucht unterschiedliche Gründe, warum unterschiedliche Menschen einen Ort betreten. Der eine kommt wegen eines Marktes, die andere wegen eines Workshops und jemand anderes vielleicht einfach auf einen Kaffee oder für ein Gespräch." Dabei spielt auch die digitale Kommunikation eine wichtige Rolle. Über ihre Social-Media-Kanäle begleitet Özaslan die Entwicklung des Konzepthauses öffentlich und zeigt nicht nur fertige Veranstaltungen, sondern auch Ideen, Vorbereitungen, Schwierigkeiten und Improvisation.
Damit soll das Projekt ausdrücklich nicht nur lokal verstanden werden. Denn Leerstände gibt es in deutschen Innenstädten sprichwörtlich wie Sand am Meer – und nicht jede Idee benötigt von Beginn an einen perfekt ausgestatteten Veranstaltungsort oder ein großes Budget. Das Bad Hersfelder Beispiel zeigt vielmehr, was entstehen kann, wenn vorhandene Räume zunächst geöffnet, unterschiedliche Zielgruppen angesprochen und Nutzungsmöglichkeiten praktisch erprobt werden.
Die nächste große Bewährungsprobe kommt im November
Bis dahin geht der Alltag im Konzepthaus weiter. Workshops, Themenabende, kreative Angebote, Netzwerktreffen, Spielenachmittage und weitere kleinere Formate sollen das Gebäude kontinuierlich beleben. Die nächste große Marktveranstaltung steht ebenfalls bereits fest: Am Samstag, 28. November, öffnet das Konzepthaus seine Türen für den großen Adventsmarkt. Dann sollen die Räume am Markt 16 erneut über mehrere Etagen bespielt werden.
Für Hasibe Özaslan ist genau dieser Wechsel zwischen kleinen regelmäßigen Angeboten und einzelnen großen Veranstaltungen entscheidend. Denn ein leerstehendes Haus wird nicht dadurch wieder Teil einer Innenstadt, dass seine Türen an einem einzigen erfolgreichen Tag geöffnet werden. Es wird dazu, wenn Menschen einen Grund haben, immer wieder hineinzugehen. (mis/pm) +++