19.07.13 - WOLLBACH

"Mitten in Rinderherde" - Cowboy-Romantik bei Versatility Ranch Horse-Turnier

Wer schon immer von Cowboy-Romantik träumte, der muss sich richtig wohl gefühlt haben beim Versatility Ranch Horse-Turnier im Trainingsstall von Michaela Kayer am Ortsrand des unterfränkischen Wollbach. Das Turnier selbst war zwar konzipiert für Einsteiger im Westernsport, gute reiterliche Kenntnisse sowie jede Menge Pferdeverständnis waren jedoch sehr wohl gefragte Voraussetzungen.

Auf dem Bild: Das macht nicht jedes Pferd so willig mit: „Cowboy" Hans Bonfig mitten in der Rinderherde. (Foto: Partl) 

Das Westernreiten hat seinen Ursprung in Amerika. Für die Cowboys gehörte es zum Alltag, bis zu 16 Stunden im Sattel zu sitzen. Deshalb brauchten sie ein ausdauerndes Pferd mit bequemen Gängen, damit sie es auch den ganzen Tag im Sattel aushielten. Die Hilfen sind so ausgelegt, dass man mit möglichst wenig Anstrengung alles vom Pferd verlangen kann. Dass man im Westernreiten anders als beim weitgehend gebräuchlichen englischen Reitstil einhändig reitet, kommt daher, dass die Cowboys eine Hand frei brauchten, um das Lasso zu halten.

Westernreiter sitzen im typischen Westernsattel mit Sattelhorn, breiter Sitzfläche und hohem hinteren Rand (cantle). Die langen bequemen Steigbügel haben sich auch bei tagelanger Arbeit im Sattel als bequem für Reiter und Pferd erwiesen. Der Westernsattel bietet auch bei schnellen Wendungen eine große Sicherheit, wie beim Turnier in Wollbach deutlich sichtbar wurde. Die Zügel sind meist offen, damit sie sich nicht am Horn verheddern.

Dazu noch den ganzen Tag über dezente Westernmusik und das Ambiente mit den weitläufigen Weiden für die Pferde war perfekt. Noch dazu die kleine Rinderherde hinter der Reithalle, die geduldig auf ihren Einsatz beim Cutting und bei der Prüfung „Working Ranch Horse" wartete. Spektakulär gestaltete sich natürlich die Arbeit mit Rindern, die hierzulande ausschließlich dem Westernsport vorbehalten ist.

Ein „echter" Cowboy jagt seine Rinder nicht, sondern er dirigiert sie gekonnt. Er schreit nicht, er flüstert höchstens: Es ist die Kunst der nonverbalen Kommunikation. Pferd, Reiter und Rind sind sich nicht feind, im Idealfall arbeiten sie harmonisch zusammen. Es ist wahrlich keine leichte Aufgabe, wie man in den Prüfungen sehen konnte. Vor sich her treiben, in vorgegebene Figuren und Zirkeln dirigieren und wieder entlassen zurück in die Herde, ohne weitere Hilfsmittel selbstverständlich.

Vom einfachem Reiten, was so einfach nun wiederum gar nicht ist, von den Grundgangarten bis hin zur Dressur, beim Westernsport „Reining" genannt, war eine große Bandbreite des Könnens gefragt. Auch der Westernsport wird deutlich beeinflusst von der Iberischen Reitweise, die als Ursprung jeder Reitkunst bezeichnet werden kann. Ein gutes Reining-Horse sollte sich willig führen lassen und dem Reiter völlig gehorchen: Grundvoraussetzungen für jeglichen Turniersport.

Zu sehen waren auch spektakuläre Stopps, „Sliding Stop" genannt, bei denen das Pferd mit der Hinterhand fast auf dem Boden „sitzt" und mit den Vorderbeinen weiter läuft, oder schnelle Drehungen, „Spins", um die Hinterhand. Solche Show-Highlights sollten aber im Alltag besser nicht zu oft ausgeführt werden, denn sie beanspruchen das Pferd schon gewaltig.

Beim Ranch Trail bestanden die Hindernisse nicht wie üblich aus hohen Stangen: gefragt war das Durchreiten von Wassergraben, Überwinden einer hohen Brücke etwa und natürlich der Gehorsam auch seitlich und rückwärts zu gehen. Gerade letzteres ist für Pferde recht unangenehm auszuführen. Für Pferde auch nicht gerade leicht, einfach abgestellt zu werden und, komme was da wolle, brav auf die Rückkehr des Reiters zu warten. (ger) +++

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