26.10.13 - REGION

Sie haben eine facebook-Gruppe, sie organisieren bundesweite Tagungen, sie beackern die Felder von morgen: das sind die jungen Landwirte von heute, die Bauern 2.0 des 21. Jahrhunderts. Rund 60 von ihnen tagen am diesem Wochenende in der Fuldaer Jugendherberge. Ihr Ziel ist es, über "Anspruch und Wirklichkeit im Ökolandbau" zu sprechen und neuste Entwicklungen im Biolandbau heranzubringen. In diesem Jahr geht es in Diskussionsrunden und Vorträgen um die Frage, ob sich der Ökolandbau in die richtige Richtung entwickelt und ob er seinen eigenen Ansprüchen und denen der Kunden gerecht werden kann.

Was ist ökologische Landwirtschaft?

Unter ökologischer Landwirtschaft versteht man die Herstellung von Nahrungsmitteln mit naturschonenden Produktionsmethoden. Die Landwirte verzichten dabei auf den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel, Mineraldünger und Gentechnik und dürfen vor dem Verkauf als Bio-Lebensmittel keine künstlichen Aromen, Geschmacksverstärker oder Farb- und Konservierungsstoffe hinzufügen. Einer, der seinen Betrieb nach diesen Richtlinien führt, lebt im osthessischen Vogelsberg.

Zu Besuch auf dem Hof eines Öko-Junglandwirtes

Moritz Schäfer ist mit seinen 27 Jahren Besitzer eines eigenen Milchviehbetriebes mit Ackerbau. 100 Hektar Acker und Grünland sowie 80 Milchkühe mit der Nachzucht gehören zu seinem Betrieb, den er vor zwei Jahren außerfamiliär in Schwalmtal-Hopfgarten übernahm. Seit seiner Ausbildung und dem Studium der ökologischen Landwirtschaft sei es sein festes Ziel gewesen, sich selbstständig zu machen. "Es ist nicht einfach, jeden Tag Entscheidungen zu treffen, die meinem ökologischen Idealismus und der Wirtschaftlichkeit zugleich gerecht werden. Aber ich stecke da meine ganze Energie rein und suche mir oft nicht den einfachsten Weg", so Schäfer.

Der Junglandwirt legt viel Wert auf einen geschlossenen Betriebskreislauf, auf Weidehaltung, er verzichtet auf künstliche Besamung und hält seine Tiere so wesensgemäß wie möglich. "Ich bin prinzipiell für strengere Richtlinien bei Tierschutz und Ackerbau. Ich denke auch, dass die Kunden mehr und mehr an Ökoprodukten interessiert sind und auch bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen. Momentan ist Biomilch einfach noch viel zu billig für ihren eigentlichen Wert."

Demeter-Vorstand: "Wir brauchen mehr Wettbewerb"

Schäfer produziert Biomilch für den Verband "Demeter", der neben "Bioland" und "Naturland" zu den größten Bioverbänden gehört. Vorstand Dr. Alexander Gerber sprach auf der Tagung davon, dass es einen eindeutigen Trend zu Ökoprodukten gibt und die Nachfrage vor allem nach der BSE-Krise wachse. Die Verbraucher fragen mehr und mehr danach, was gutes Essen ist, d.h. das Essen muss schmecken und aus artgerechter Tierhaltung stammen. "Trotzdem gibt es noch zu wenig Betriebe, die auf ökologische Landwirtschaft umstellen", so Gerber. "Wir brauchen eine Wettbewerbsfähigkeit des Ökolandbaus und die Preise von konventionellen Lebensmitteln müssen endlich der Wahrheit der Produktionskosten widerspiegeln." Junge Landwirte haben trotz teils schwieriger Bedingungen nach Angaben des Verbandvorstandes gute Chancen, mit ihrem Idealismus und der "Liebe zur Sache" Wege zu finden, gutes Geld zu verdienen.    

Die Tagung der Junglandwirte läuft noch bis zum Sonntagmittag. Nähere Infos gibt es unter: http://www.oeko-junglandwirte-tagung.de/

Einen ausführlichen Videobeitrag zum Thema gibt es auf osthessentv.de zu sehen. (Anne Baumann) +++

Fotos: Anne Baumann

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