27.01.14 - BAD HERSFELD

Windpark im Stadtwald

300 demonstrieren gegen Horrorvision im Naherholungsgebiet

Trotz Kälte und Schnee trafen sich am Sonntagnachmittag über 300 Menschen im Bad Hersfelder Stadtwald, um gegen den geplanten Bau von acht Windkraftanlagen in dem Waldgebiet zwischen Bad Hersfeld und Ludwigsau zu demonstrieren. Das Unternehmen Abo-Wind will im Naherholungsgebiet acht Anlagen aufstellen. Die Zeit drängt, um noch in den vollen Genuss der EEG-Förderung zu gelangen. Kommt die geplante gesetzliche Änderung, müssen die Windräder bis zum 1. August diesen Jahres stehen, um die derzeit noch geltende Förderung zu erhalten. Seit acht Monaten misst eine über 100 Meter hohe Testanlage - von den Einheimischen auch Alibimast genannt - inmitten des Waldes den Wind. Erste Rodungsarbeiten seien bereits kurz vor dem Start, erste Baufelder abgesteckt.

Laut einer Abo-Wind-Studie sind Windgeschwindigkeiten von 5,9 Meter pro Sekunde möglich - die BI bezweifelt dies und geht von wesentlich weniger Wind über dem Stadtwald aus. Die Bürgerinitiative fordert in erster Linie von den Bad Hersfelder Stadtverordneten, dass sie die Entscheidung nicht an den Regierungspräsidenten abwälze, sondern selbst Herrin des Verfahrens bleibe und die Änderung des Flächennutzungsplanes ablehne. In den Ausschusssitzungen der vergangenen Tagen konnte sich nicht geeignet werden, das Thema wurde vertagt. Die BI "Rettet den Stadtwald" sieht den Bau der Windkraftanlagen aus mehreren Gründen als nicht hinnehmbar an: Die Zugvögel ziehen genau über dieses Areal, der Rotmilan ist hier heimisch, 4.000 Quadratmeter Waldfläche und die bei den Einheimischen beliebte Dachshütte werden verschwinden. Fragen zur Wirtschaftlichkeit und dem Brandschutz seien unzureichend geklärt.

Nutznießer der Windkraftanlagen seien ein paar wenige Investoren und Waldgrundbesitzer, der große Rest habe den Schaden, zumal die bis zu 200 Meter hohen Anlagen bis zu 1.000 Meter an die Wohnhäuser heranreichen. "Wir wollen keinen Discohimmel mit rotblinkenden Warnlichtern", sagte Rohrbachs Ortsvorsteher Karl Greb. Er sei ebenso wie die meisten "Demonstranten" nicht gegen Windkraftanlagen, jedoch müsse mit allen Nachbarn gesprochen und nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden. Die Hersfelder hätten die Windräder bewusst so geplant, dass sie der eigenen Bevölkerung am wenigsten stören. So gehe man mit Nachbarn nicht um.

Mit Spannung wird die nächste Sitzung des Stadtparlamentes am kommenden Donnerstag erwartet. Das Thema Änderung des Flächennutzungsplanes steht zumindest auf der Tagesordnung. Am 6. Februar diesen Jahres wird die Entscheidung des Regierungspräsidenten erwartet. Abo-Wind steht in den Startlöchern. Es ist auch ein Wettlauf mit der Zeit. Sigmar Gabriels Änderungsvorschläge hinsichtlich EEG und Senkung der Förderung von Windkraftanlagen könnte den Windkraftgegnern vom Stadtwald in die Karten spielen. Das wissen auch die Investoren - sie hoffen auf grünes Licht.

Wie geht es mit dem Stadtwald und möglichen Windkraftanlagen weiter? Wird aus der nahezu unberührten Natur schon bald eine Windpark-Industrie? Die Stadtpolitik ist nun am Zug. (Hans-Hubertus Braune) +++

Fotos (45): Gudrun Schmidl

Fotos (35): Gerhard Manns




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