) Abschied aus dem Vogelsberg – (von links) Präses Christa Wachter, Propst Matthias Schmidt, Marlies Borschel, Dekan Stefan Klaffehn, Pfarrer Dieter Borschel und Dr. Berthold Riedesel Freiherr zu Eisenbach. Foto: Michaela Rojahn

23.06.14 - HOPFMANNSFELD

Verabschiedung

Ein Bruder mit Ecken und Kanten: Verabschiedung von Pfarrer Dieter BORSCHEL

Nach neuneinhalb Jahren Dienst in Meiches, Dirlammen und Hopfmannsfeld wurde Pfarrer Dieter Borschel am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet. „In 38 Jahren in diesem Talar ist mein Vertrauen zu Gott von Jahr zu Jahr gewachsen.“ bekannte der 63-jährige in seiner letzten Predigt von der Hopfmannsfelder Kanzel. Er sprach von Übergängen, die schmerzhaft und riskant seien und zugleich Lebenszeichen und Gottesgeschenke, die sich positiv gestalten lassen. Propst Matthias Schmidt nannte Borschel in seiner Ansprache zur Entpflichtung einen „Mitmenschen und Zeitgenossen der Menschen auf dem Land“. Ein Blick in Borschels Bewerbung aus dem Jahre 2004 habe offenbart, wie dieser, nach Jahrzehnten als Schulpfarrer in Gießen und Berlin, seine Rückkehr in den Gemeindedienst im Alter von 53 Jahren begründet hatte: „Mir fehlt etwas in meinem Dienst.“ Nun, mit Dieter Borschels Ruhestandsversetzung, werde den Kirchengemeinden und dem Dekanat Vogelsberg jemand fehlen, ein Mensch mit Ecken und Kanten.

Raum für viel Dank und Wertschätzung gab es beim Gemeindefest im Anschluss an den Gottesdienst im Pfarrhof Hopfmannsfeld. Luftballons mit guten Wünschen ließen die Kinder vom Kindergottesdienst in den Himmel steigen. Die Männergesangsvereine Hopfmannsfeld und Liederkranz Meiches, der Evangelische Frauenchor Meiches sowie der Posaunenchor Dirlammen sorgten für die musikalische Gestaltung zwischendurch und Dieter Herget moderierte den Reigen der Grußworte. „Mir fällt es ehrlich schwer, Sie ziehen zu lassen.“, bedauerte Dekan Stefan Klaffehn, der gemeinsam mit Präses Christa Wachter das evangelische Dekanat Vogelsberg vertrat. Kaum ein Tagesordnungspunkt bei Sitzungen und Tagungen sei von Borschel unkommentiert geblieben. Er habe dessen Äußerungen als große Bereicherung empfunden, auch, wenn dieser meist das Wort ergriffen habe, ohne sich zuvor zu melden. „Wir verlieren einen weisen Mann, einen Bruder.“

Der Lautertaler Bügermeister Heiko Stock knüpfte an Klaffehns Worte an und dankte für die gute Zusammenarbeit: „Sie haben Spuren hinterlassen und brechen nun im wahrsten Sinne zu neuen Ufern auf. Dafür wünschen wir Ihnen alles Gute. “Für die drei Kirchenvorstände der Kirchengemeinden Meiches, Dirlammen und Hopfmannsfeld sprach Jürgen Greb, der sich zuerst an Borschels derben Humor erinnerte, an den er sich habe gewöhnen müssen. „Du bist wie du bist und lässt dich dabei nicht beirren. Mit dir geht auch ein Freund, nicht nur ein Pfarrer.“ Baff und sprachlos wurde das Ehepaar Borschel, als die Kirchenvorstände ihr Abschiedsgeschenk überreichten – ein Strandkorb sei unterwegs nach Zetel. „Graue Haare, kantige Brille, grobgestreiftes Hemd“ zitierte Pfarrer Christian Coenen eine Beschreibung Borschels aus der FAZ. „Das Amt hat zumindest deine Haare verändert“, so Coenens augenzwinkernde Beobachtung, denn im Jahre 2005, als Dieter Borschel sich zum Stellenantritt im Gemeindebrief vorstellte, habe er noch dunkles volles Haar gehabt, eine runde Brille getragen und einen schicken Anzug mit Krawatte. Ein dritter Anblick Borschels sei ihm sehr lebhaft in Erinnerung:

„Als souverän fröhlicher Grillmeister beim Konfirmandentag in Hopfmannsfeld, hast du dich angesichts der hungrigen Meute in eine echte Gefahrensituation begeben.“ Dr. Berthold Riedesel Freiherr zu Eisenbach dankte Pfarrer Borschel im Namen der Patronatsfamilie und hob die besondere Schönheit der Gegend und der drei Dorfkirchen hervor. Dieter Borschel verriet daraufhin, es habe an seiner Frau gelegen, dass er hier gelandet sei: „Als wir vor zehn Jahren in der Nähe Urlaub machten, sagte sie: ,Hier würde ich mit dir hingehen, wenn du noch einmal in den Gemeindedienst gehst.‘ Und prompt, als ich zurück in Berlin im Amtsblatt blätterte, fand ich die Ausschreibung für Meiches.“
Während Pfarrer Erich Hinkel, ein Vorgänger Borschels, diesen im „Stand der Seligen“ begrüßte, mahnte Ursula Georg im Namen der Vereinsgemeinschaft Meiches, die neue Freiheit im Ruhestand zu genießen. Walter Jöckel von der Spielvereinigung Hopfmannsfeld-Eichenrod sowie Klaus Köhler von der Freiwilligen Feuerwehr Hopfmannsfeld erinnerten dankbar an gemeinsame Festgottesdienste und die gute Zusammenarbeit.

Karl Renker (MGV Gemischter Chor Dirlammen) wies darauf hin, dass die Friesen, zu denen das Ehepaar Borschel nun ziehe, den Vogelsbergern zwar ähnelten, die Landschaft im Norden jedoch Berge und Hügel vermissen lasse: „Friesland ist also eine altersgerechte Gegend.“Schließlich kamen Dieter und Marlies Borschel noch einmal zu Wort und hoben neben ihrem Dank an viele Engagierten und Ehrenamtliche besonders die Pfarramtssekretärin Elke Kirchner hervor, die jedes Chaos mit Bravour beherrscht habe und ohne die so vieles nicht möglich gewesen wäre. Charmant und ernsthaft schloss Dieter Borschel seine Rede: „Es war nicht immer einfach mit mir. Ich danke Ihnen allen für die herzliche Aufnahme im Vogelsberg und die kritische Begleitung in all den Jahren. Und wenn ich jemandem etwas Verkehrtes gesagt habe, so bitte ich um Verzeihung. Moin, moin!“ +++




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