FULDA Vortrag im Auditorium Maximum

Interdisziplinäre Forschung an der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars

28.06.14 - „Das ganze Spektrum einer mittelalterlichen Handschrift“ war der Titel des interdisziplinären Vortrags am vergangenen Dienstag im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät. Anlass der Veranstaltung war die diesjährige Mitgliederversammlung des Förderkreises der Theologischen Fakultät, der das Institut Bibliotheca Fuldensis sowie das Projekt der Rekonstruktion der bedeutenden Fuldaer Klosterbibliothek seit mehreren Jahren unterstützt.

Herr Professor Dr. Marc Birringer, Inhaber des Lehrstuhls für Chemie und Biochemie an der Hochschule Fulda, und Frau Dr. Alessandra Sorbello Staub, Leiterin der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars, haben dem zahlreich versammelten Auditorium ihre Forschungsergebnisse zu einem der neuesten und bedeutenden Funde aus der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars vorgestellt.

In der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars wurde im vergangenen Jahr ein wertvolles Pergamentstück aus der Karolingerzeit entdeckt: Es überliefert ein Textstück aus der Schrift „De Consolatione Philosophiae“ von Boethius. Als Fragment diente es über 500 Jahre als Einband für einen Druck des 16. Jahrhunderts. Bei Ordnungsarbeiten in den Magazinen der Bibliothek wurde bei genauer Sichtung die Bedeutung des Stückes erkannt. Es stammt aus einer Fuldaer Handschrift des 2. Drittels des 9. Jahrhunderts. Das wertvolle Pergament konnte restauriert und der wissenschaftlichen Forschung neu zugeführt werden.

Der Befund ist äußerst interessant: Der Text fand offensichtlich als Schultext für mehr als vier Jahrhunderte Verwendung und ist mit zahlreichen Annotationen, so genannten Glossen, versehen. Die vielen Annotationen sind anhand der Schriftmerkmale vom 9. bis zum 15. Jahrhundert zu datieren. Dem Text wurde im 11. Jahrhundert ein farbiges Diagramm – eine schematische Darstellung des Makro- und Mikrokosmos – beigegeben.

Die Nutzung als Einband hat starke Spuren hinterlassen, die auch durch die Restaurierung nicht vollständig beseitigt werden konnten. Die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Professor Birringer ermöglichte durch Anwendung zerstörungsfreier Methoden wie Ultraviolettabsorption und Infrarotreflektrografie, die stark beeinträchtigte Schrift wieder lesbar zu machen. Die verschiedenen spektrografischen Analysen an diesem wertvollen Stück lieferten darüber hinaus wertvolle Informationen zu den unterschiedlichen Entstehungsschichten des Dokuments und ermöglichen somit auch einen tiefen Blick in die Arbeit eines bedeutenden mittelalterlichen Skriptoriums wie das von Kloster Fulda in seiner Blütezeit.

Die Infrarotreflektografie fand bisher nur im kunsthistorischen Bereich Anwendung, um beispielsweise Unterzeichnungen bei Ölgemälden sichtbar zu machen. Ihre Nutzung bei der Untersuchung von alten und wertvollen Schriften stellt ein methodisches Novum dar. Die beiden Referenten sind zuversichtlich, dass ihr Einsatz im Bereich der Kodikologie eine neue und wertvolle Ergänzung der bisherigen Untersuchungsmethoden darstellen wird.+++


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