Nicole Leo, Kinderkrankenschwester im Gelnhäuser Perinatalzentrum, kümmert sich liebevoll um die frühgeborene Isabel Kempel

28.07.14 - GELNHAUSEN

Sicherheit und wohnortnahe Betreuung

900-Gramm-Frühchen gesund entlassen

Nur 34 Zentimeter, vergleichbar mit einem Babypüppchen, maß die kleine Isabel Kempel bei ihrer Geburt, welche elf Wochen früher als von der Natur aus vorgesehen notwendig wurde. Das Frühchen brachte gerade einmal 905 Gramm auf die Waage – ein Viertel dessen, was ein durchschnittliches Neugeborenes in etwa wiegt. Durch die gute Kooperation zwischen dem Perinatalzentrum an den Main-Kinzig-Kliniken Gelnhausen und dem Universitätsklinikum Frankfurt konnten Mutter und Kind heimatnah versorgt und die kleine Isabel kerngesund entlassen werden.

„Ein optimaler Frühstart ins Leben“, freut sich Dr. Manuel Wilhelm, Ärztlicher Leiter der Gelnhäuser Neonatologie, vor dem Hintergrund der riskanten Ausgangslage. Die 25-jährige Susanne Kempel aus Birstein litt unter einer schwerwiegenden Schwangerschaftskomplikation, dem sogenannten HELLP-Syndrom, welches in der 28. Schwangerschaftswoche nach der Erstversorgung in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Main-Kinzig-Kliniken zur sofortigen Verlegung in das Universitätsklinikum Frankfurt führte. Das dortige Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe (Level I) bietet die Maximalversorgung für extrem frühgeborene Kinder. Nach einem Not-Kaiserschnitt erblickte die kleine Isabel das Licht der Welt. „Sie war von Anfang an fit und hat selbständig geatmet“, berichtet Susanne Kempel rückblickend, die nach der Geburt selbst fünf Tage stationär betreut wurde. Isabel wurde weitere zehn Tage in der Uniklinik überwacht und unterstützt, bevor die gemeinsame Entscheidung getroffen wurde, sie – mit einem Gewicht von 980 Gramm - in die wohnortnahen Main-Kinzig-Kliniken zurück zu verlegen.

Das Gelnhäuser Perinatalzentrum Level II bietet eine optimale Betreuung von Risikoschwangeren und darf ab 29 Schwangerschaftswochen bzw. geschätzten 1.250 Gramm Geburtsgewicht geplant Geburten durchführen. In enger Abstimmung mit den Frankfurter Kollegen stand Mutter und Kind in Gelnhausen sofort ein hochqualifiziertes Team zur Seite, bestehend aus erfahrenen Frauen- und Kinderärzten sowie engagierten Pflegefachkräften. „Isabel hat eindrucksvoll verdeutlicht: zu früh geboren zu werden heißt nicht zwangsläufig krank zu sein“, hebt Dr. Wilhelm hervor. So war Isabel zwar „unreif“, aber dennoch gesund: „Unsere Aufgabe bestand darin, dafür zu sorgen, dass sie gesund bleibt und sich optimal entwickeln kann.“ Auf der Neugeborenenintensivstation, welche über eine apparative Ausstattung auf modernstem technischem Stand verfügt, erfolgten ein komplettes Monitoring von Atmung, Herzfrequenz und Kreislauf sowie eine kontinuierliche Temperaturüberwachung. So konnte eine sichere Weiterversorgung ohne weite Anfahrtswege für die Eltern gewährleistet werden – innerhalb einer persönlichen Atmosphäre.

„Familienzentrierte Medizin hat bei uns einen hohen Stellenwert – wir setzen alles daran, die Familie gleichermaßen professionell wie fürsorglich zu begleiten“, erklärt Dr. Wilhelm. Ein kontinuierlicher Informationsaustausch und die Einbindung der Eltern in wichtige Entscheidungen sind für Dr. Wilhelm ebenso selbstverständlich wie ein intensiver Eltern-Kind-Kontakt. Eine besondere Rolle spielt auch das Konzept der sanften, entwicklungsfördernden Pflege, welches darauf abzielt, dem Kind möglichst viel Zuwendung und positive Stimulation zukommen zu lassen, beispielsweise indem notwendige ärztliche und pflegerische Prozeduren auf den Rhythmus des Kindes abgestimmt werden. Auch dient der Einsatz sanft wirksamer Reize dazu, das Wohlbefinden und die Entwicklung der Sinne zu fördern. „Wir haben uns von Anfang an bestens aufgehoben gefühlt“, erinnert sich Susanne Kempel: „Alle nahmen sich viel Zeit und kümmerten sich in ruhiger Umgebung äußerst liebevoll um die Kleine. Die Schwestern haben sogar ein eigenes Frühchentagebuch als Erinnerung für uns erstellt.“

Bereits nach sechs Wochen Aufenthalt in den Main-Kinzig-Kliniken – und somit noch drei Wochen vor dem eigentlichen geplanten Geburtstermin - konnte Isabel vollständig gesund entlassen werden und wird nun weiterhin vom Gelnhäuser Ärzteteam nachbetreut. „Dieser erfreuliche Verlauf ist nicht nur dem Einsatz modernster Technik zu verdanken, sondern letztendlich auch der guten Zusammenarbeit zwischen dem Universitätsklinikum Frankfurt und den Main-Kinzig-Kliniken“, fasst Dr. Wilhelm zusammen: „Denn diese Kooperation bietet das Maximalpaket aus höchster Sicherheit und individueller, wohnortnaher Familienbetreuung.“+++




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