„Sexuelle Übergriffe auf Jugendliche im Chat – das ist ein brandaktuelles Thema“, sagt Kathrin Skoupil, Sexualpädagogin in der pro familia-Beratungsstelle Darmstadt. „Die Belästigungen, mit denen Jugendliche im Chat konfrontiert werden, reichen von der verbalen Anmache bis hin zu Aufforderungen, ein Foto zu schicken, die Handynummer herauszugeben oder gar ein Treffen einzugehen“. Skoupil ist Mit-Organisatorin des „Chat Day“, der am 2. März zum zweiten mal von pro familia Hessen veranstaltet wird. In 14 hessischen Städten können Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren wieder in örtlichen Jugendzentren miteinander chatten und dabei spielerisch den sicheren Umgang mit Internet-Chats trainieren. Auch die pro familia in Fulda beteiligt sich an dem Aktionstag: Am 2 März lädt der Verein von 14.45 bis 18 Uhr in den Kinder- und Jugendtreff Zitrone (Zitronemannsgässchen 2) nach Fulda ein.
Das Ziel des Projekttages, der in diesem Jahr unter dem Motto „Hessenkidz flirten besser“ steht: Die Jugendlichen für sexuelle Grenzüberschreitungen im Internet sensibilisieren und fit für das Chatten machen. Für die erfolgreiche Aktion, die im vergangenen Jahr hessenweit rund 350 Jugendliche mobilisierte, erhielt pro familia Hessen 2006 eine besondere Anerkennung im Rahmen des 5. Hessischen Präventionspreises vom Landespräventionsrat beim Hessischen Ministerium der Justiz.
Ins Leben gerufen hat den Projekttag die pro familia-Fachgruppe „SEXnSURF“. Die Sexualpädagoginnen und Sexualpädagogen beschäftigen sich intensiv mit aktuellen Fragen rund um Jugend, Medien und Sexualität und bieten neben Veranstaltungen für Jugendliche auch Fortbildungen für Pädagogen oder Elternabende an.
Aktuelle Studien belegen, dass das Interesse an Computer und Internet bei Jugendlichen immer mehr Raum einnimmt (JIM-Studie, www.mpfs.de). „Daher ist es umso wichtiger, präventiv tätig zu werden und die Jugendlichen zu schützen“, unterstreicht ihre Kasseler Kollegin Diana Brencher. Den Sexualpädagoginnen und Sexualpädagogen von pro familia Hessen geht es gleichzeitig aber auch darum, die positiven Seiten des Chattens zu unterstützen. „Der Spaß- und Lernfaktor beim Chatten ist hoch: Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, mit der eigenen Identität zu spielen, können üben Kontakt aufzunehmen und zu flirten, ohne dass dabei Äußerlichkeiten eine Rolle spielen“, so die Expertinnen.
In den teilnehmenden Jugendzentren stehen während des „Chat Day“ für die Jugendlichen jeweils fünf bis zehn Computer zur Verfügung. Jeder Chatter kann circa 20 Minuten lang in einem moderierten Chat mit anderen Jugendlichen kommunizieren. Eine weiterer Anreiz: Das spielerische Rahmenprogramm mit Aktionen rund um Liebe und Sexualität, zu denen auch ein „Chat-Quiz“ gehört. Jugendliche, die am „Chat Day“ teilnehmen wollen, sollten sich vorher in ihrem Jugendzentrum anmelden.
In Hessen ist pro familia mit 26 Beratungsstellen vertreten, in denen sich rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Berufsgruppen engagieren. Als unabhängige und nicht-staatliche Institution bietet pro familia Beratung und Information rund um das Thema Sexualität und Beziehungen in Partnerschaft und Familie – für Frauen, Männer und Jugendliche. „Wir wollen die Menschen mit Aktionen und Beratungsangeboten abholen, die stark an ihrer Lebenswelt orientiert sind – egal in welcher Lebensphase oder Lebenssituation sie sich befinden“, beschreibt Landesgeschäftsführerin Brigitte Fuchs den Ansatz der pro familia Hessen und die Intention des „Chat Day“. Die permanente Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen – wie etwa den Neuen Medien – und ihren Einflüssen auf Sexualität, Liebe, Partnerschaft sei eine zentrale Aufgabe für den Fachverband und Beratungsdienstleister.
Weitere Infos unter www.sexnsurf.de oder bei Kathrin Skoupil, pro familia Darmstadt, 0 61 51 / 429 42 – 16+++