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- Alle Fotos: Iris Rohrbach

12.08.07 - Eichenzell

Nur noch HEUTE auf Schloss Fasanerie - eine „Zeitreise ins 18. Jahrhundert“

Leblose Gegenstände betrachten oder langweilige Museumsführungen? Nicht an diesem Wochenende. Im Schloss Fasanerie bei Eichenzell gibt es Kultur mal anders verpackt. „Die Zeitreise ins 18. Jahrhundert“ lässt die Besucher in die Welt des Spätbarock eintauchen. Durch die rund 200 Darsteller und Hobby-Zeitreisende werden die Gäste in eine Zeit zurückversetzt, wie sie vor 250 Jahren gewesen sein mag. Die Funktionsweisen und Verwendungen alter Waffen werden eindrucksvoll vom hessischen, preußischen, französischen, englischen und schottischen Militär demonstriert, während die höfische Gesellschaft in zeitgenössischen Kostümen im Schlosspark lustwandelt. Händler bringen ihre selbst gemachten Waren an den Käufer und Handwerker lassen sich beim Färben der Stoffe oder beim besohlen der Schuhe über die Schulter schauen.

Ohren zu - es wird laut.

Beeindruckend ist die Vorführung der Kanonen, Mörser und Musketen, die die gewaltige Kraft der Kanonen eindrucksvoll und mit viel kawumm demonstriert. Selbst die Kleiderfrage wird näher erläutert. Denn die Damen und Herren des Barock legten besonderen Wert auf funktionelle Kleidung, die auch noch gut aussieht. Das Leben zu Hofe im 17. und 18. Jahrhundert entdecken Kinder im Schloss bei kostümierten Erlebnisführungen. Hier können die kleinen Besucher hautnah erleben, wie ein Prinz oder eine Prinzessin gelebt hat.

Es herrscht reges Treiben im Lager. Während sich das Militär bereit macht Salven abzufeuern, lernen die neuen Anwärter die Musketen richtig zu halten und im Gleichschritt zu marschieren.

Man fühlt sich wie im Film

Man fühlt man sich als Besucher wie im Film, wenn die höfische Gesellschaft in zeitgenössischen Kostümen im Schlosspark lustwandelt und die Händler ihren Waren an den Käufer bringen wollen. Alles scheint so unwirklich und ist doch Realität gewesen. „Es ist mehr als nur ein Rollenspiel; es ist Hobby und zeitgeschichtliches Interesse, das die Darsteller bewegt wie zu Kaisers Zeiten zu leben“, berichtet die Köchin im Zivillager, als gerade das Wasser in ihrem Topf auf dem Feuer kocht. Sie ist für die Mahlzeiten des Adels zuständig. Wie sie haben alle Akteure ihre Aufgaben, ob Holz spalten, dem Adel Nachrichten überbringen oder Stoffe färben, alles füget sich zu einer perfekten Inszenierung des Lebens zusammen, wie es Anno 1700 üblich war.

„Note: Gut bis sehr gut“

Familie Kascherus aus der Nähe von Hünfeld hat sich zum ersten Mal in die Zeit des 18. Jahrhunderts versetzen lassen: „Jedes Jahr hatten wir vor hierher zu kommen und in diesem Jahr hat es endlich geklappt.“ Auf die Frage, wie es ihnen die Veranstaltung gefällt zögern sie nicht lange: „Einfach spitze. Sehr beeindruckend war die Vorführung der Kanonen und die Modenschau.“ Ein besonderes Highlight ist die Parade aller Truppen im Museumshof. „Die werden wir uns bestimmt ansehen, wenn unsere Kinder noch Lust haben.“, so die Mutter der Familie Kascherus.

Bereits zum zehnten Mal findet die „Zeitreise“ von der Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte, in Zusammenarbeit mit der Hessischen Hausstiftung und dem Hessischen Rundfunk im Schloss Fasanerie statt. Unter dem Motto „Der Familiensommer - Eine Zeitreise durch Hessen“ lädt hr1 Familien zu einer hessischen Zeitreise von der Urzeit bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert ein. Auch Eichenzells Bürgermeister Rudolf Breithecker lies es sich nicht nehmen vorbeizuschauen: „Ich bin bei fast jeder Veranstaltung die hier im Schloss stattfindet anwesend und fühle mich gerade zu verpflichtet dabei zu sein, denn es ist auch Werbung für unsere Gemeinde und das ist mir besonders wichtig.“

Die Darsteller kommen aus Deutschland, England, Amerika und Frankreich um bei diesem Spektakel in Eichenzell dabei zu sein. Sie bereisen auch andere Veranstaltungen in ganz Deutschland. Für die meisten Akteure ist es nur ein Hobby, aber es gibt drei Händler die mit den „Rollenspielen“ ihr täglich Brot verdienen. Sie haben sich ganz und gar auf die Barockzeit eingestellt und fahren mit ihren Erzeugnissen auf Märkte in ganz Deutschland um sie zu verkaufen.

Aber eines haben alle Gemeinsam: Sie opfern ihre Zeit, Schweiß und auch viel Geld um die Utensilien und die originalgetreuen Requisiten zu besorgen. Importiert wird meist aus den USA, wo noch heute Teller, gusseiserne Töpfe und Pfannen oder auch Zelte produziert werden. Den meisten Darstellern ist der Import aber zu teuer. Und auf Märkten oder anderen Veranstaltungen kann man einige Sachen sowieso viel günstiger erstehen.

Auch am heutigen Sonntag können Besucher von 9.00-17.30 Uhr in das Leben im 18. Jahrhundert eintauchen.

HINTERGRUND: Die Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte und die Hessische Hausstiftung bitten an diesem Wochenende wieder zur „Zeitreise ins 18. Jahrhundert“. Die Veranstaltung, die auch in den vergangenen Jahren einige tausend Besucher verzeichnete, ist die einzige ihrer Art in ganz Hessen und findet nun bereits zum zehnten Mal statt.

Hessische Geschichte aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert lebendig und anschaulich zu machen, das ist das Hauptziel der Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte e.V. Die Dokumentation von Recherchen zu den oft vernachlässigten oder gar falsch interpretierten Aspekten der hessischen Geschichte kann verschiedene Formen haben, seien es Publikationen, Vorträge, Ausstellungen und anderes. Das Hauptbetätigungsfeld ist allerdings die lebendige Darstellung von historischen Figuren und Begebenheiten. In möglichst genau recherchierten und vorbildgetreu nachgearbeiteten Uniformen und Kostümen lässt die Gesellschaft den Betrachter eintauchen in die Welt, wie sie vor über 200 Jahren gewesen sein mag. (Florian Erb). +++




















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