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- Fotos: Axel W. Hofmann

12.08.11 - LAUTERBACH

Wird der Nordbahnhof modernisiert? - Umbau der Bahnsteige im Gespräch

Es war eigentlich purer Zufall, dass sich osthessen-news in der vergangenen Woche mit der Zukunft des sogenannten Lauterbacher Nordbahnhofs beschäftigte und dass die Deutsche Bahn AG und das hessische Wirtschaftsministerium diese Woche eine Liste veröffentlichten, in denen 93 Bahnhöfe aufgelistet werden, die bis 2019 saniert werden sollen. Zeitgleich tagte diese Woche auch eine hochkarätige Gesprächsrunde in der „Gildestube“ des Lauterbacher Bahnhofs, die sich mit der Zukunft des Bahnverkehrs in der Kreisstadt beschäftigte. Wie es in der Pressemitteilung von Bahn und Ministerium heißt, gehört nämlich Lauterbach (Hess) Nord zu den 29 hessischen Bahnhöfen, für die Infrastrukturmaßnahmen mit Vorhabenträgerschaft der Kommunen vorgesehen sind, wenn hierfür der notwendige Zuwendungsantrag gestellt wird. Das heißt konkret: Es kann auf dem Lauterbacher Bahnhof etwas gebaut und verändert werden, wenn sich die betroffene Kommune auch selbst finanziell beteiligt. Die Kreisstadt ist damit zwar nicht in der ersten Kategorie der Maßnahmen, aber immerhin in der zweiten Runde. Bei den Maßnahmen Dritter wird nämlich die Kommune dann quasi zum Träger.

Die Runde im Lauterbacher Bahnhof, zu der seitens der Stadt Lauterbach Bürgermeister Rainer Vollmöller (CDU), der Grünen-Politiker Peter Zielinski sowie Mitarbeiter des Bau- und Liegenschaftsamtes teilnahmen, beschäftigte sich damit, wer zukünftiger Besitzer des Bahnhofes und Bahngeländes bleiben oder werden sollte. In der Hauptsache ginbt es um die Schaffung eines behindertengerechten Zugangs von den beiden Gleisen zu den Zügen. Die Runde wird am 26. Oktober 2011 an gleichem Ort erneut tagen. Während man die Frage über den künftigen Betreiber des Bahnhofes noch zurückstellte, war das Thema der besseren Erreichbarkeit der Züge ganz oben auf der Tagesordnung. Mit den Ergebnissen dieses Gespräches wird Bürgermeister Rainer Vollmöller in Kürze den Ältestenrat der Stadt konfrontieren, um hier die politische Meinung der einzelnen im Parlament vertretenen Fraktion abzufragen. Nach Angaben seines Mitarbeiters Hans-Helmut Möller geht Bürgermeister Vollmöller positiv an die ganze Angelegenheit heran und hofft auf eine vernünftige Lösung.

Umbau der Bahnsteige würde viel Geld kosten

Wenn die beiden für den Personennahverkehr genutzten Bahnsteige in den nächsten Jahren umgebaut werden sollten, kommt auf die Stadt Lauterbach eine hohe finanzielle Belastung hinzu. Trotzdem macht es aus Sicht der Stadt keinen Sinn, wenn die Vogelsbergbahn zwischen Gießen und Fulda inzwischen mit einem Millionenaufwand saniert wird, ältere, behinderte Menschen oder Kinder die Züge aber gar nicht erreichen können, weil die Bahnsteigkanten viel zu hoch sind.

Noch gibt es allerdings öffentliche Mittel des sogenannten GVFG-Programmes. Das sind Mittel des Landes Hessen, mit deren Hilfe eine Umgestaltung des Bahnsteiges stattfinden könnte. Pro Bahnsteig wären dafür rund eine Million Euro plus 25 Prozent Planungskosten notwendig. Das ergäbe für die Kreisstadt bei zwei Gleisen für den Personennahverkehr weit über zwei Millionen Euro Gesamtkosten. Das dritte Gleis, es ist ein Industriegleis, wäre von der Umgestaltung nicht betroffen.

Die Umgestaltung der für den öffentlichen Nahverkehr genutzten Bahnsteige des Lauterbacher Bahnhofes würde in den nächsten fünf Jahren vonstatten gehen müssen. Ein Zeitdruck ergibt sich nämlich dadurch, dass das Förderprogramm des Landes dann ausläuft, auf der anderer Seite der Vogelsbergkreis als Aufsichtsbehörde derartige Ausgaben der Stadt Lauterbach aufgrund deren defizitärer Lage eventuell gar nicht mehr genehmigen würde bzw. selbst auch nicht mit eigenen Mitteln in die Bresche springt. Allein die Planung eines Umbaus würde mindestens ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen.

Investor könnte Bahnhofsgebäude übernehmen

Die Stadt Lauterbach hat in Sachen Bahnhof inzwischen eigene Vorstellungen entwickelt. So könnte das Bahnhofsgebäude beispielsweise von einem privaten Investor übernommen und saniert werden und dort dann etwa ein Radfahrerhotel entstehen. Um die Kosten für einen behindertengerechten und besseren Zugang zu den Gleisen zu ermöglichen, denkt man in der Kreisstadt auch darüber nach, die Gleise für den Personennahverkehr von zwei auf ein Gleis zu reduzieren und dieses dann besser für Gehbehinderte und Kinder zugänglich zu machen. Auch die Idee, eine kostengünstigere Lösung dadurch zu verwirklichen, indem mittels von fest eingebauten Rampen die Personenzüge erreicht werden können, wird debattiert.

Bei der Umgestaltung der beiden Bahngleise würden rund 70 Prozent der rund eine Million durch Zuschüsse finanziert werden. Trotzdem bliebe für die Stadt Lauterbach immer noch ein stolzer Anteil von rund 300.000 Euro pro Bahnsteig. Bei den anfälligen Planungskosten würde sich der RMV mit rund einem Drittel der Kosten beteiligen, entfielen aber immer noch stolze 165.000 Euro auf den Finanzsäckel Lauterbachs. Bliebe es bei der Sanierung der beiden Bahngeleise, gebe es Kosten von rund 900.000 Euro. Bei der Antragstellung, sofern es soweit kommen wird, müssen auf jeden Fall planreife Unterlagen eingereicht werden. Die Stadt Lauterbach bezuschusst bisher schon mit erheblichen finanziellen Mitteln den Betrieb des Stadtbusverkehrs, an den auch Lauterbach (Hess) Nord angebunden ist(awh). +++

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