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06.12.11 - REGION
Stellenabbau bei SCHOTT-Solar: Landrat PIPA von Kündigungswelle geschockt
Am Donnerstag vergangener Woche teilte die Geschäftsführung von Schott Solar der Belegschaft in einer Betriebsversammlung am Standort Alzenau mit, dass die Produktion von Solarzellen bis Mitte Februar eingestellt wird – ein Schock für Belegschaft. Insgesamt sollen rund 276 Arbeitsplätze in Alzenau wegfallen. Eine Vielzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammt aus dem Main-Kinzig-Kreis und pendelt morgens ins benachbarte Bayern. Landrat Erich Pipa kritisiert die geplante Schließung der Produktion in Alzenau. „Schott Solar ist gut beraten, auch künftig auf eine eigene Produktion und Qualität aus Deutschland zu setzen“, betont der Landrat. Heute stehe Schott im Bereich der Solarmodule für Qualität aus Deutschland – „sollte nun auch noch die eigene Zellenproduktion komplett eingestellt werden, verliere Schott damit ein wichtiges Qualitätsmerkmal und setze das Vertrauen der Kunden in die Marke aufs Spiel.
Natürlich sei der Markt der Modulherstellung stark umkämpft, räumt Pipa ein. „Aber es kann doch nicht Ziel einer Geschäftsführung sein, mit 276 Beschäftigten den Großteil der Belegschaft in Alzenau zu entlassen, die Fertigung der Zellen in Deutschland einzustellen und sich über diese Entlassungen zu sanieren“, kritisiert Pipa. Diese Geschäftspolitik greife zu kurz. „Zumal der Lohnkostenanteil an der Modulherstellung am Standort in Alzenau deutlich unter 10 Prozent liegt“, fügt der Wirtschaftsdezernent an. In diesem Zusammenhang müsse Schott die anderen mehr als 90 Prozent der Kosten bei der Zellherstellung überprüfen und verbessern. Entlassungen seien der falsche Weg.
Schott habe sich in einer Pressemitteilung des Unternehmens dafür gelobt, Premium-Produkte herzustellen und neue Hochleistungstechnologien entwickelt zu haben. „Gerade diese Argumente sprechen doch für das gute Zusammenspiel zwischen Entwicklung und Fertigung am Standort in Alzenau“, sagt Pipa. Sollte tatsächlich die Fertigung eingestellt werden, sei auch das Ende der Entwicklungsabteilung nur eine Frage der Zeit.
Im Sommer 2009 hatte Pipa gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreiswerke Main-Kinzig die Produktionsstätte in Alzenau besichtigt. „Damals wurde auf die hohe Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort als wichtiges Qualitätsmerkmal von Schott Solar verwiesen“, erinnert sich Pipa. Außerdem sei auch erwähnt worden, dass der Staat Bayern erhebliche Fördermittel in den Standort Alzenau investiert habe. „Es kann doch nicht sein, dass all das jetzt keine Rolle mehr spielen soll und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach so vor die Tür gesetzt werden sollen“, kritisiert der Landrat.
Pipa steht mit dem Betriebsrat um den Betriebsratsvorsitzenden Berthold Martin und Peter Kleinsorge sowie der Politik in Alzenau in Verbindung. „Meine Erfahrungen im Main-Kinzig-Kreis haben gezeigt, dass es sich lohnt zu kämpfen. Und zwar um jeden einzelnen Arbeitsplatz“, unterstreicht der Landrat. Schließlich stünde hinter beinahe jedem Beschäftigten eine Familie, die von der drohenden Arbeitslosigkeit brutal getroffen werde. Auch aus diesem Grund hat der Landrat dem Betriebsrat und den Beschäftigten seine Unterstützung zugesagt. „Wir müssen in der Öffentlichkeit Druck auf das Unternehmen erzeugen. Die Beschäftigten dürfen jetzt nicht still halten und jede bittere Pille schlucken“, hebt Pipa hervor. +++